Das Team der Corona-Station möchte Danke sagen

Sie ist die stille Heldin im Krankenhaus Plettenberg

Krankenhaus Plettenberg: Gruppenbild Corona-Station 5 für die stille Heldin Simone Colak
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Für dieses Gruppenbild haben sich die Mitarbeiter, die sich im März freiwillig für die Arbeit auf der Corona-Quarantäne-Station gemeldet haben, getroffen, um ihrer Corona-Koordinatorin Simone Colak „Danke“ zu sagen.

Manchmal muss man auch einfach Danke sagen. So ist es auch beim Team der Corona-Station des Plettenberger Krankenhauses, das einer Frau seine Wertschätzung ausdrücken möchte, die in der heißen Phase des Coronavirus Tag und Nacht zur Stelle war.

Plettenberg - Simone Colak hat keine übernatürlichen Fähigkeiten. Sie ist nicht etwa eine Wunderheilerin, die den Patienten oder den Pflegekräften auf der Corona-Isolierstation des Plettenberger Krankenhauses die Hand auflegt und alles ist gut. Nein, die 35-Jährige ist einfach eine Frau, die sich den Sorgen ihrer Mitmenschen annimmt, die Tag und Nacht hilft, die Lösungen findet, wenn mal jemand sagt „Ich kann nicht mehr“. Diese Empathie und dieser Einsatz sind es, die Simone Colak auszeichnen. Und die der Grund dafür sind, warum sie als die stille Heldin im Plettenberger Krankenhaus gilt.

Eigentlich leitet Simone Colak im Krankenhaus die Station 4 mit der Inneren Medizin. Sie ist ein waschechtes Eigengewächs, hat vor 17 Jahren ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Plettenberger Klinik absolviert und hat sich über Fortbildungen für die Stationsleitungsposition und die Stellvertretung der Pflegedienstleitung empfohlen.

Dann kam der März 2020 und mit ihm das Coronavirus nach Deutschland – und alles war plötzlich anders. Bilder und Videos von abgeriegelten Städten und Toten auf den Straßen gingen um die Welt. Im Krankenhaus Plettenberg bereiteten sich die Verantwortlichen auf das Schlimmste vor, richteten quasi über Nacht eine Corona-Quarantäne-Station im obersten Stockwerk ein und stellten ein Team zusammen, das sich um die Behandlung der Patienten kümmern sollte. An dessen Spitze brauchte es jemanden, auf den sich die Chefetage zu hundert Prozent verlassen konnte. Jemanden, der Abläufe koordiniert, Dienstpläne schreibt, Vorgaben von Gesundheitsexperten umsetzt und dabei den Mitarbeitern die Ängste nimmt. Jemanden wie Simone Colak.

Simone Colak

Während die Leiterin der Corona-Station 5, Jutta Ermes, und ihre Mitstreiter die Patienten versorgten, kümmerte sich Simone Colak um die logistischen Abläufe. Wer übernimmt in dem Drei-Schicht-Betrieb welchen Dienst? Wer hat wann Rufbereitschaft? Welche Hygienemaßnahmen sind zu erfüllen? Was muss oder könnte in den Abläufen verbessert werden? „Da war ganz viel Fingerspitzengefühl gefragt“, sagt Pflegedienstdirektor Heiko Heseler rückblickend über diese Aufgaben. „Denn es waren Wochen, in denen sich fast täglich etwas verändert hat. Das alles musste vernünftig erklärt werden. Und es waren auch nicht immer Maßnahmen, die angenehm sind“, erinnert sich Heseler.

Egal, was kam, Simone Colak hielt es schriftlich fest – das half ihr und den Kollegen, stets den Überblick zu bewahren. Sie nahm Anregungen der Mitarbeiter auf und änderte auch mit Hilfe dieser Ideen die Abläufe. Sie richtete für die WhatsApp-Gruppe der Corona-Station einen eigenen Klingelton ein. Immer, wenn ihr Handy diesen Ton abgab, schaute sie auf den Bildschirm und antwortete in Sekunden. „Sie war Tag und Nacht erreichbar, egal, ob um 23 Uhr oder um 3 Uhr morgens – sie war immer die Erste, die geantwortet hat“, sagt Sema Kan, eine der Pflegekräfte der Corona-Station. „Schafft ihr das? Braucht ihr Hilfe? Wie geht es euch? Wie geht es den Patienten?“, fragte Simone Colak ihr Team oft, wenn die Station zum Beispiel wegen eines neuen Verdachtsfalls mitten in der Nacht eröffnet werden musste.

Den Mitarbeitern muss dieses offene Ohr ungemein geholfen haben. Keiner der 25 Pflegekräfte auf der Corona-Station wusste schließlich, was auf ihn oder sie zukommt. Bei einer im Krankenhaus fast schon legendären Mitarbeiterversammlung zu Beginn der Corona-Pandemie in Deutschland, bei der Pflegedienstdirektor Heseler fragte, wer sich einen Dienst auf der Corona-Station vorstellen könnte und im besten Fall mit einer Handvoll Rückmeldungen gerechnet hatte, sagten 25 Pflegekräfte: „Auch wenn wir nicht wissen, was auf uns zukommt. Wir machen das. Das ist unser Job!“

So entstand ein Team mit Pflegekräften von allen Stationen, das zuvor noch nie zusammengearbeitet hatte. Hinzu kam die noch unbekannte Gefahr durch das Coronavirus – klar, dass da zunächst auch Skepsis und Angst unter den Mitarbeitern herrschte. All diese Sorgen sind inzwischen überwunden.

Egal, was kommt, wir werden in der Zukunft jede Herausforderung meistern können.

Simone Colak

„Ich hatte das Glück, mit einem super Team zusammenzuarbeiten“, sagt Simone Colak, die kein Mensch ist, der gerne im Mittelpunkt steht. Aber ihre Mitarbeiter wollen ihrer stillen Heldin einfach mal Danke sagen – so ist auch dieser Bericht zustande gekommen und dafür haben sie sich nun extra alle in geheimer Mission zu einem Gruppenbild versammelt, um ihre Wertschätzung für Simone Colak auszudrücken. „Danke, dass du uns auf diesem Weg die Steine aus dem Weg geräumt hast“, sagt Sema Kan stellvertretend für das 25-köpfige Team der Corona-Station.

Die stille Heldin, die sich mittlerweile wieder um andere Bereiche kümmert, nachdem sich nach gut einem halben Jahr mit Corona die Abläufe eingependelt haben, kann das Lob nur zurück geben. „Die Mitarbeiter haben mir auch außerhalb der Öffentlichkeit gezeigt und gesagt, dass sie dankbar waren und sind – genauso wie ich ihnen für ihre Flexibilität, Bereitschaft, Engagement, Zusammenarbeit und Loyalität dankbar bin. Im Rückblick war es eine der prägendsten Zeiten meines Lebens, durch diese enorme Herausforderung wurden wir im gesamten Krankenhaus zusammengeschweißt“, sagt sie. Und mit dieser Erfahrung im Rücken ist sich Simone Colak auch sicher: „Egal, was kommt, wir werden in der Zukunft jede Herausforderung meistern können.“

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