Krankenhaus im MK: Chefarzt bezieht Stellung zu Spekulationen

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Das Chefärzte-Team im Plettenberger Krankenhaus (von links): Ulrich Trompeter, Dr. Andrzej Ploch, Andre Scholz, Dr. Guido Orth, Muazzez Citlak und Pflegedienstleiter Heiko Heseler sprachen über die aktuelle Situation und die Arbeit im Plettenberger Krankenhaus.

Seit gut einem halben Jahr dreht sich am Plettenberger Radprax-Krankenhaus fast alles um das Thema Corona, aber auch die neue Geschäftsführung um Dr. Christian Kloeters ist ein Thema.

Plettenberg - Dazu sprach Georg Dickopf mit dem Ärztlichen Direktor und neuen Corona-Koordinator Dr. Andrzej Ploch, Chirurgie-Chefarzt Andre Scholz, Viszceral-Chefärztin Muazzez Citlak, Pflegedienstleiter Heiko Heseler, Dr. Guido Orth, Chefarzt Innere Medizin/Geriatrie, und Ulrich Trompeter, Chefarzt für Kardiologie.

Herr Dr. Ploch, Sie sind als Nachfolger von Dr. Georg Krupp für die Corona-Station am Plettenberger Krankenhaus verantwortlich. Was hat sich dort geändert? PLOCH: Wir haben die ganze Abteilung neu strukturiert und alle Abläufe optimiert. Es gibt ein sehr gutes Schutzsystem und es werden alle Patienten und Besucher am Eingang anhand einer Checkliste befragt und bei Verdachtsfällen entsprechend umgeleitet. 

Wie muss man sich das vorstellen?

Wir haben die Corona-Station in drei Bereiche aufgeteilt. Im ersten Bereich landen Patienten mit Infektionssymptomen verschiedener Ursache. Der zweite Bereich ist für Grippe- oder Corona-Verdachtsfälle vorgesehen. Im dritten, roten Bereich werden infizierte Covid 19-Patienten untergebracht. Grundsätzlich gibt es auf der gesamten Station nur Einzelzimmer. Zusätzlich gibt es auf der Intensivstation des Plettenberger Krankenhauses ein für Corona-Patienten vorgesehenes, reserviertes Einzelzimmer. 

Was passiert bei Patienten mit Atemnot?

Jeder Covid-19-Patient mit Atemnot wird in unserem Krankenhaus behandelt. Lediglich Patienten, die intensiv beatmet werden müssen und wegen Begleiterkrankungen einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf nehmen, werden in Spezialkliniken verlegt. 

Wird im Krankenhaus getestet?

Bei Verdachtsfällen werden stationäre Patienten durch unser Labor getestet. Wir haben in den letzten Monaten rund 4 000 Tests durchgeführt. Da die Kostenübernahme am Anfang nicht geklärt war, waren wir gezwungen, die Kosten selbst zu tragen. 

Was hat sich noch geändert?

Wir haben jetzt wieder alle Stationen im Haus in Betrieb und stellen fest, dass die Abläufe passen. Die Mitarbeiter der Corona-Station betreten das Haus durch einen separaten Eingang und auch sonst hat sich alles sehr gut eingespielt. 

Frau Citlak, wie sehen Sie die aktuelle Situation?

CITLAK: Wir sind hier alle viel sicherer geworden im Umgang mit Corona. Anfangs gab es einen großen Notstand bei den Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung, was uns auch im OP-Bereich getroffen hat. Mittlerweile sind wir aber gut versorgt, der Austausch mit dem Gesundheitsamt läuft gut und auch die Operationszahlen nehmen nun wieder stetig zu.

 Gab es einen großen Einbruch im OP-Bereich?

Ja, das auf jeden Fall. Es wurden viele eigentlich geplante Operationen von Patienten, die Angst vor einer Corona-Infektion hatten, verschoben und mussten dann später teilweise als hochakute Notfalloperationen durchgeführt werden. Mittlerweile sind die Zahlen aber fast wieder normal. 

Herr Heseler, wie ist es mit den Besuchern geregelt?

HESELER: Je ein Angehöriger kann eine Stunde innerhalb eines Zeitrahmens von zwei Stunden pro Tag unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, nach Durchführung des Checks im Eingangsbereich, den Patienten besuchen. Auch die Cafeteria hat wieder geöffnet. 

Herr Trompeter, sind im Krankenhaus während der ersten Coronaphase auch Patienten gestorben, ohne dass sie vorher jemand besuchen konnte? TROMPETER: Nein, wir haben in Härtefallen alles versucht, um genau das nach unseren Möglichkeiten zu vermeiden. 

Nun gibt es ja mit Dr. Christian Kloeters einen neuen Geschäftsführer. Wie wirkt sich das aus, Herr Ploch? 

PLOCH: Es ist auf jeden Fall notwendig, dass wir alle wirtschaftlicher denken, ohne dass die medizinische Qualität unseres Hauses darunter leidet. Es gibt bei uns eine gute Zusammenarbeit der Chefärzte, die Veränderungen schnell und sicher umsetzen. 

Wie sehen Sie das, Herr Scholz?

SCHOLZ: Ich habe das Gefühl, Herr Kloeters arbeitet uns zu und hat unsere medizinischen Leistungen messbar gemacht und mit Zahlen hinterlegt.

Wie muss man das verstehen? 

Wenn wir einer 90-jährigen Patientin eine neue Hüfte einsetzen, müssen wir sie wie einen 30-Jährigen eigentlich nach sechs Tagen nach Hause schicken. Machen wir das nicht, haben wir unterm Strich gar nichts an der Operation und dem Aufenthalt verdient, sondern zahlen praktisch drauf.

Wie gehen Sie damit um?

Wir besprechen im Vorfeld, dass die Patientin direkt einen Tag nach der Operation geriatrisch mitbetreut wird, und so zugleich mit intensiver Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie darauf vorbereitet wird, den Alltag später zu meistern. Damit werden wir der Patientin gerecht und erwirtschaften obendrein kein Minus. Wir wissen nun besser, wie wir agieren müssen, um mit manchmal ganz kleinen Maßnahmen zu verhindern, dass wir unwirtschaftlich arbeiten. Das macht es leichter, denn wenn man früher rund um die Uhr gearbeitet hat und am Ende doch ein großes Minus verzeichnet wurde, war das natürlich auch unbefriedigend. 

Wie zufrieden sind sie mit der medizinischen Ausstattung im Krankenhaus?

Die ist sehr gut. Baulich muss sicherlich einiges gemacht werden, aber bei der medizinischen Ausstattung müssen wir uns nicht verstecken. Gerade in der Mendritzki-Ära sind viele notwendige und hochwertige Geräte über Spendengelder angeschafft worden. Damit sind wir im OP und in anderen Bereichen sehr gut ausgestattet. Unser Dank gilt daher auch den vielen Unternehmen und Privatspendern und dem Förderverein des Krankenhauses. 

Herr Scholz, Sie wollen noch etwas in eigener Sache loswerden...

Ja, es gehen immer wieder Gerüchte um, dass ich das Haus verlassen werde. Dem ist definitiv nicht so. Ich bin hier seit neun Jahren und habe keinerlei Abwanderungspläne. 

Herr Ploch, was ist eigentlich veranstaltungstechnisch geplant in der Corona-Pandemie?

PLOCH: Da die Frühstücksthemen unserer Chefärzte Corona-bedingt ausfallen, bieten wir ab November eine telefonische Beratungsstunde jedes Abteilungsleiters an und veröffentlichen zusätzlich ab Januar 2021 einmal im Monat einen Artikel zu einem aktuellen medizinischem Thema unter Berücksichtigung der lokalen Situation.

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