Der Mann für alle Fälle

Warum der Hausmeisterberuf nichts für schwache Nerven ist

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Die Brandmeldeanlagen und Feuerlöscher müssen regelmäßig gewartet werden. Auch darum kümmert sich der Hausmeister Ben Klinker.

Plettenberg – Es ist heiß an diesem Hochsommertag. Die Eingangstür der Martin-Luther-Schule zum Schulhof steht offen und aus dem Inneren des Gebäudes dringen dumpfe Geräusche eines Bohrers. Zwei Bauarbeiter sind im Treppenhaus zu sehen, sie tragen eine Leiter ins Erdgeschoss hinunter. Auf der Treppe halten sie einen Smalltalk mit Hausmeister Ben Klinker, der gerade auf dem Weg in sein Büro ist.

Ben Klinker ist Gärtner, Schreiner, Kurierfahrer und Manager in einer Person. Der Hausmeister ist einfach ein Mann für alle Fälle, denn er ist überall, wo er gebraucht wird. Was macht ein Hausmeister eigentlich in den Sommerferien? Dieser Frage ist die Heimatzeitung nachgegangen und hat den Plettenberger in der Martin-Luther-Schule besucht, die aktuell eher einer Großbaustelle gleicht, als einer Grundschule. „Die Sommerferien sind die schlimmste Zeit, aktuell ist es katastrophal“, erklärt der Hausmeister, indem er einen großen Schluck Wasser aus der Falsche nimmt und sich erschöpft in seinen Bürostuhl fallen lässt. „Es ist kein Spaß im Moment, aber ich mache es trotzdem gerne“, sagt er und grinst.

Handwerker

 Dieses „Chaos“, auf das er hinaus will, sind die aktuellen Baumaßnahmen in der Grundschule. In nahezu allen Räumen bis unters Dach wird gearbeitet. Aus alt mach neu: neuer Fußboden, neue Decken, neuer Anstrich, neue Smartboards. „Dazu kommen neue höhenverstellbare Tische. Letztes Jahr gab es 300 Stühle, jetzt kommen 150 Tische dazu“, erklärt der Hausmeister. Die Koordination der Bauarbeiter (momentan im Einsatz: Maler, Elektriker und Trockenbauer) ist aber nur eine von unzähligen Aufgaben von Ben Klinker. Er betreut neben der Martin-Luther-Schule ebenfalls das Grundschulgebäude im Oestertal und die beiden städtischen Kindertagesstätten in Himmelmert und im Oestertal. Ab und zu legt er auch für kleine handwerkliche Arbeiten selber Hand an. „Handwerkliche Fähigkeiten waren Voraussetzung für meine Einstellung damals. Ich bin gelernter Schreiner, also wenn mal etwas geleimt werden muss oder Ähnliches, mache ich das natürlich selbst“, verrät Klinker.

Ordnungs-Hüter

 „Mein Tag fängt eigentlich damit an, dass ich alle Standorte abfahre und mir die Außenbereiche anschaue. Leider gibt es immer wieder Treffen von Jugendlichen auf den Schulhöfen und oft bleibt viel Müll übrig, den ich wegmachen muss“, ärgert sich Klinker. Besonders schlimm sei es, wenn Flaschen kaputt geschlagen werden und die Glasscherben liegen bleiben. „Das ist besonders schlimm, denn daran könnten sich die Kinder beim Spielen verletzen – so etwas macht mich wütend“, ergänzt Klinker. Glücklicherweise komme so etwas nicht allzu häufig vor. „Ich habe ja nichts dagegen, wenn sich die Jugendlichen hier aufhalten und friedlich zusammensitzen. Sie sollen nur einfach die Müllbehälter nutzen oder ihren Kram wieder mitnehmen!“, appelliert er. Generell seien die Jugendlichen aber nicht uneinsichtig oder gar respektlos. „Wenn ich bei meiner Abendrunde hin und wieder Gruppen antreffe, weise ich sie freundlich daraufhin, sie mögen doch bitte ihren Müll entsorgen – und meistens klappt das dann auch!“

Grünpfleger 

Nicht nur die Müllentsorgung, auch das Rasenmähen gehört zur Schulhofpflege und muss erledigt werden – auch bei heißen Temperaturen. „Die Gartenarbeit mache ich aber gerne“, erklärt Ben Klinker. Der große Schulgarten der Martin-Luther-Schule, zähle beispielsweise zu seinen Lieblingsorten. Dort stehen prächtige Obstbäume, Blumenbeete und Brombeer-sträucher, die von den Schülern und Betreuern der OGS gepflegt werden. „Hier kümmere ich mich vorwiegend um den Rasen und schneide, wenn nötig, hin und wieder die Gewächse etwas zurück. Ich mag die Gartenarbeit“, erzählt er. Um die übrigen Bäume rund um die Kitas oder Schulen kümmert sich der Bauhof. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend, auch mit dem Schulamt“, betont Klinker. Die zuständigen Mitarbeiter im Rathaus seien sehr bemüht und wenn der Hausmeister Hilfe benötige, würde sich schnell darum gekümmert.

Kurierfahrer 

Klinker übernimmt im Übrigen auch Kurierfahrten von Post ans Schulamt oder auch von Möbeln oder anderen Dingen, die er kurzerhand in seinem Oldtimer „Herbert“ von A nach B transportiert. „Ich fahre am Tag durchschnittlich um die 50 Kilometer von Objekt zu Objekt in Plettenberg, oder bringe Post weg. Das macht mir Spaß – auch im Sommer ohne Klimaanlage.“, erklärt er lachend. Autofahren sei für ihn pure Entspannung.

Wartungsarbeiten

 Dieser Tage standen auch Wartungsarbeiten der Brandmeldeanlagen auf Klinkers To-do-Liste. Auch das liegt in seinem Zuständigkeitsbereich – nicht die Wartungsarbeiten an sich, sondern die Betreuung des Mitarbeiters. „Mittlerweile habe ich die Zuständigen aber so erzogen, dass sie regelmäßig vorbeikommen, ohne dass ich da hinterherrennen muss. Das klappt eigentlich super“, so Klinker. Der Hausmeister hat natürlich den Gesamtüberblick über alle Anlagen und weiß, wann welche turnusmäßigen Wartungsarbeiten anstehen.

Familienvater

 Irgendwann hat aber auch ein fleißiger Hausmeister wie Ben Klinker einmal Feierabend. Er ist froh, dass er nicht in einem seiner Objekte wohnt, wie es früher für Hausmeister üblich war. In Plettenberg wohnen die meisten Hausmeister in unmittelbarer Nähe zu ihren Arbeitsplätzen – außer Ben Klinker. „Ich fahre nach Feierabend nach Hause zu meiner Familie. Wenn ich den Schlüssel abends rumdrehe und die letzte Tour beendet habe, lasse ich Schulen und Kindergarten hinter mit und dann kommt das Privatleben“, ist Klinker froh. Dann geht er seinem Lieblingsjob nach – dem als Vater von drei Kindern und als Ehemann.

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