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Alle Kirchen gasbeheizt: Bibbern beim Beten?

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Von: Johannes Opfermann

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Schon im Frühjahr wurde die Heizung in der Johanniskirche heruntergedreht. Doch die Gaskrise wird noch weitere Einsparmaßnahmen erforderlich machen.
Schon im Frühjahr wurde die Heizung in der Johanniskirche heruntergedreht. Doch die Gaskrise wird noch weitere Einsparmaßnahmen erforderlich machen. © Opfermann

Durch die Gas- und Energiekrise wegen des Kriegs in der Ukraine rechnen auch die Kirchengemeinden mit deutlich höheren Heizkosten. Wie stark die Heizungen in Kirchen und Gemeindebüros heruntergedreht werden sollen, ist aber noch völlig offen. Wir haben bei mehreren Gemeinden nachgefragt.

Plettenberg - „Wenn eine vierköpfige Familie sich auf mehr als 1000 Euro zusätzlich an Heizkosten einstellen muss, möchte ich nicht wissen, wie viel mehr wir bezahlen müssten“, sagt Pfarrer Uwe Brühl von der Evangelischen Kirchengemeinde Eiringhausen, die er durch die Gas- und Energiekrise stark betroffen sieht.

„Alle unsere Gebäude, mit Ausnahme der Friedhofskapelle am Lechteickenweg, sind gasbeheizt.“ Positiv sei im Hinblick auf das Thema Energie zwar, dass die vor 18 Jahren auf dem Dach des Gemeindehauses installierte Photovoltaikanlage Strom ins Netz einspeise. Das helfe aber beim Beheizen der Räume kaum weiter. „Wir müssen uns massiv mit dem Thema beschäftigen“, so Brühl.

Schon vor den Appellen der Politik zum Energiesparen sei dem Presbyterium klar gewesen, dass es handeln müsse. Schon im Frühjahr habe man die Innentemperatur der Johanniskirche – sonst auf 18 Grad beheizt – um ein bis zwei Grad runtergestellt. Breit bekannt gemacht habe man dies nicht, das Presbyterium war allerdings informiert, so Brühl. Im Sommer heize sich die Kirche auf mehr als 20 Grad auf, denn sie sei gar nicht so alt wie sie aussehe und verfüge nicht über ein Stein-, sondern eher über ein Theatergewölbe.

Doch Richtung Herbst und Winter gibt es dringenden Handlungsbedarf. Nach der Sommerpause, also nun im August, werde sich das Presbyterium also mit weiteren Sparmaßnahmen befassen.

Brühl überlegt, ob das große Kirchengebäude in der Hauptheizperiode – also vor allem im Januar und Februar – überhaupt für Gottesdienste genutzt werden soll. Es gebe in der Evangelischen Kirche von Westfalen entsprechende Hinweise, die Kirchen im Januar und Februar geschlossen zu halten und eine Art „Winterkirche“ anzubieten, also andere Räume zu nutzen. Für Eiringhausen müsse laut Brühl nun bald im Presbyterium besprochen werden, im Januar und Februar mit Gottesdiensten in kleinere Räume auszuweichen, etwa den kleinen Saal unter der Kirche, der eine separate Heizung besitzt.

„Wir haben uns noch recht wenig damit beschäftigt“, sagt Thomas Bartz, Pfarrbeauftragter der Katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius Plettenberg-Herscheid. In Einzelgesprächen sei das Thema, wie hoch die Räume künftig geheizt werden sollen, aber schon mal aufgekommen. „Das gilt ja nicht nur für die Kirche, sondern auch für andere Räume wie das Gemeindezentrum.“ Ob etwa der Pfarrsaal auf 22 Grad oder nur noch auf 18 Grad geheizt werde – oder etwas dazwischen –, muss erst noch entschieden werden, aber die Energiekrise sei natürlich ein Thema, berichtet Bartz.

Nicht nur das Energiesparen an sich, sondern auch die Frage, wie sich die steigenden Energiepreise finanziell auffangen lassen, wird dabei die Gemeinde beschäftigen. „Wir werden sicherlich auf die Energiekrise reagieren, um Energie und Geld zu sparen, aber wir dürfen auch unserer Immobilien nicht verfallen lassen“, sagt Bartz. Er weist darauf hin, dass eine gewisse Grundwärme in den Bauten vorhanden sein müsse, um etwa Schimmelbildung vorzubeugen, doch auf wie viel Grad, das ist eben noch offen.

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