Unicef-Aktion

Tag der Kinderrechte: Schüler diskutieren mit Bürgermeister Schulte

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Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule sprachen mit Bürgermeister Ulrich Schulte über einige ihrer Anliegen.

Plettenberg – Anlässlich des Tags der Kinderrechte besuchten Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Realschule gestern das Rathaus, um mit Bürgermeister Ulrich Schulte über ihre Anliegen zu sprechen.

Schon im Vorfeld des Tags der Kinderrechte hatten sich die Schüler mit dem Thema auseinandergesetzt. „Wir haben in der Schule eine Ausstellung zum Thema Kinderrechte aufgestellt und mit den Schülern über das Thema gesprochen“, sagte Gundel Blanke, die gemeinsam mit Monika Raymann – beide vom Plettenberger Unicef-Team – den Religionskurs von Lehrerin Heike Swiadek ins Rathaus begleitet hatte.

Freizeitangebote wichtiges Thema

Dabei ging es unter anderem um den Unicef-Fragebogen „My place, my rights“ – engl. Mein Ort, meine Rechte – , den auch die Schüler ausgefüllt hatten. Die laut Umfrage wichtigsten Themen – attraktivere Freizeitangebote, eine attraktivere Gestaltung der Schule und die Renovierung/Sanierung von Schulen, Kitas und Spielplätzen – spielten auch in der Diskussion mit dem Bürgermeister eine Rolle.

Sowohl am Skatepark als auch an den Fußball-Kleinspielfeldern sei es zu dunkel, um sie spätnachmittags und abends noch zu nutzen, merkten mehrere Schüler an und regten eine Beleuchtung an.

Angesprochen auf fehlende Sitzgelegenheiten auf dem Schulhof, sagte der Bürgermeister, dass eine Aufwertung geplant sei. „Ideal wäre es, wenn die Schulleitung euch dabei miteinbezieht.“ Auch dass die Schultoiletten nur mit separatem Schlüssel und nicht frei zugänglich seien, wurde kritisch angemerkt. Hier verwies Schulte auf das Vandalismus als großes Problem an den Schulen. „Dadurch fehlt dann Geld für andere Dinge“, sagte er. Die Schüler müssten sich auch gegenseitig dazu anhalten, pfleglich mit dem Mobiliar umzugehen.

Warum es an den meisten Plettenberger Schulen keine Fahrstühle gebe, fragte außerdem Schülerin Emily. Dadurch könnten Kinder mit körperlichen Behinderungen gar nicht aufgenommen werden und wenn sich jemand schwer verletze, müsse der möglicherweise die Schule wechseln. An Schulen und weiteren Gebäuden habe man sich beim Bau noch keine Gedanken über Barrierefreiheit gemacht, sagte Schulte. Die Nachrüstung mit Fahrstühlen koste allerdings viel Geld.

Der ÖPNV wurde ebenfalls thematisiert. Schülerin Malisha wollte etwa wissen, ob sich nicht bei den Busverbindungen etwas verbessern ließe. „Nach der vierten und fünften Stunde müssen wir 40 Minuten warten“, kritisierte sie. Man müsste mit der MVG diskutieren, ob da etwas machbar sei, sagte Schulte. Angesprochen wurde auch die Schulbuslinie von Himmelmert, die laut einer Schülerin auch noch über Kersmecke fahre und so spät an der Schule eintreffe, dass dadurch häufig mehrminütige Fehlzeiten entstehen. Da es sich bei dem Schulbus um Spezialverkehr handle, sehe er eher eine Chance auf Verbesserung, so Schulte.

Der Bürgermeister sprach mit den Schülern auch darüber, wie sie sich Gehör verschaffen können. Sie könnten an Rats- und Ausschusssitzungen teilnehmen oder in die Bürgermeistersprechstunde kommen, und das nicht nur bei den Terminen zweimal im Jahr, die im Jugendzentrum stattfinden. Jede Altersgruppe könne in die normale Bürgermeistersprechstunde kommen, um auf Probleme, Sorgen und Nöte hinzuweisen, sagte Schulte. Auch Anträge könnten sie stellen, ob als Einzelne oder in der Gruppe. So hätten sich etwa Kinder für den Erhalt des Bolzplatzes an der Kersmecke gesammelt, der kürzlich neu eröffnet wurde.

Jugendliche sollen sich einbringen

„Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe“, sagte Schulte und appellierte an die Schüler, sich für ihre Interessen einzusetzen. Sie sollten dabei keine Angst haben mit Erwachsenen zu diskutieren. „Man muss sich melden, laut werden und mitdiskutieren“, sagte Schulte. Er legte den Schülern zudem nahe, sich auch beim nächsten Bürgerforum am 19. Februar zum Thema Klimaschutz einzubringen. Viele würden sich eine stärkere Beteiligung der Jugendlichen wünschen, sagte Schulte: „Sonst diskutieren nur die Älteren über Plettenberg. Es ist aber auch eure Heimatstadt, die man euch irgendwann übergibt.“

Unicef-Umfrage unter Plettenberger Kindern und Jugendlichen: Wunsch nach mehr Freizeitangeboten und Mitbestimmung

Zwischen Mai und September hatte Unicef in Plettenberg insgesamt 25 Jugendliche und Kinder nach ihrer Einschätzung zur Situation in der Kommune und der Schule befragt. 72 Prozent der Teilnehmer waren weiblich, das durchschnittliche Alter betrug 11 Jahre.

Was würdest du als Bürgermeister für Kinder und Jugendliche verändern?

1. attraktivere Freizeitangebote.

2. Schule attraktiver gestalten.

3. Renovierung/Sanierung von Schulen, Kitas und Spielplätzen.

Der Wunsch nach politischer Mitbestimmung ist bei der Plettenberger Jugend hoch (38 Prozent; deutschlandweit: 23 Prozent). Die Möglichkeiten seien aber sehr gering. Am wichtigsten sei: Mehr Mitbestimmung bei der Einrichtung neuer Freizeitangebote. 

Das Angebot an Spielplätzen erhält eine befriedigende Note (ø 2,9); noch besser wird aber das Angebot an Sportplätzen bewertet (ø 2,7). Eher kritisch sieht die Plettenberger Jugend die Sauberkeit von Spiel- und Sportplätzen (ø 3,5). Befriedigend (ø 3,2) sei das Freizeitangebot.

Was würdest du als Schulleiter für Kinder und Jugendliche verändern?

1. Mobbing-/ Gewaltprävention.

2. weniger bis keine Hausaufgaben.

3. Unterrichtszeiten. 

Die meisten Plettenberger Schüler (76 Prozent) fühlen sich in der Schule sicher und respektiert.

Die Erfahrungen mit Mobbing sind in Plettenberg hoch: 28 Prozent der Schüler haben demnach schon einmal Mobbing in der Schule oder auf dem Schulweg erlebt.

Die Plettenberger Jugend fordert eine größere Mitbestimmung in der Schule.

Nur 20 Prozent der Befragten haben sich bereits im Unterricht mit Kinderrechten befasst.

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