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Kinderarzt völlig überlastet: „Auf Dauer ist dies nicht zu leisten“

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Von: Georg Dickopf

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Im Kreis Soest werden ab Freitag auch Kinder geimpft.
Ein Kinderarzt impft ein 7-jähriges Mädchen. © Jan Woitas/dpa

Der Ärztenotstand im Kinderarztbereich sorgt mittlerweile für bedrohliche Situationen. Wie Kinderarzt Michael Achenbach mitteilt, kam es am Montag zu einer völligen Überlastung seiner Praxis, in der früher zwei bis drei Ärzte tätig waren, jetzt nur noch ein Kinderarzt praktiziere.

Plettenberg - Die Auswirkungen einer starken Grippeinfektionswelle (Bericht unten) hätten in Kombination mit weiteren Vorsorgeuntersuchungen dazu geführt, dass die Sprechstunde fast zwei Stunden überzogen werden musste. Laut Achenbach musste für ein extrem krankes Kind sogar der Rettungsdienst angefordert werden.

U-Termine müssen abgesagt werden

„Da dies auf Dauer nicht zu leisten ist, werden wir ab sofort an Tagen mit vielen Infektpatienten immer wieder kurzfristig U-Termine absagen müssen“, bedauerte Achenbach in einer Patientenmitteilung.

Notwendig werde der Schritt auch aus arbeitsrechtlicher Sicht, um die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen einhalten zu können.

Hilfreich wäre laut Achenbach ärztliche Verstärkung, doch damit sei mittelfristig nicht zu rechnen, da im Lüdenscheider Klinikum mehrere Assistenzstellen in der Pädiatrie unbesetzt seien. Die Klinik kämpfe angesichts der A45-Sperrung mit massiven Personalproblemen. Die fehlende Zahl an Nachrückern werde sich deshalb auch negativ auf die Nachfolgesituation in den Praxen auswirken. „Ein einziger Kinderarzt kann nicht die komplette Versorgung aller Kinder und Jugendlichen in Plettenberg leisten“, gibt Achenbach zu bedenken.

Ein kleiner Lichtblick sei die demnächst geplante Eröffnung einer Kinderarztpraxis in Werdohl. Wer bei der Kinderarztsuche auf der Seite der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe die Stadt Werdohl eingibt, stößt auf die noch nicht eröffnete Praxis von Kleopatra Kanellopoulou am Friedrich-Keßler-Platz 5.

Eröffnung in Werdohl

Laut Achenbach werde mit der offenbar demnächst geplanten Eröffnung in erster Linie der Versorgungsengpass in Werdohl und in Teilen auch in Herscheid aufgefangen, wo am Jahresende Kornelia Hauswald altersbedingt die Behandlung von Kindern und Jugendlichen aufgibt und dort zuletzt pro Quartal laut Achenbach rund 1000 junge Patienten behandelte.

Möglicherweise wirke sich die Neueröffnung in Werdohl auch positiv auf Plettenberg aus. „Das allein wird aber nicht reichen“, ist sich Achenbach sicher. Auch deshalb hat er sich für ein Projekt beworben, bei dem zehn Praxen in Westfalen-Lippe einen sogenannten Arzt-Assistenten zur Seite gestellt bekommen.

Dabei handelt es sich laut Achenbach um Medizin-Studenten mit Bachelor-Abschluss, die auch selbst Untersuchungen vornehmen dürfen und den Arzt dadurch entlasten können. „Ich greife nach jedem Strohhalm und würde mich freuen, wenn unsere Praxis bei dem Projekt berücksichtigt würde“, betonte Achenbach.

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