1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Mehr Zeit für die Impfung gegen Corona: Kinderarzt im MK sagt Termine für kleine Patienten ab

Erstellt:

Von: Johannes Opfermann

Kommentare

Impfen hat absoluten Vorrang: Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach wird ab kommender Woche nur noch vormittags seine übliche Sprechstunde anbieten. Die Nachmittage sind dem Impfen vorbehalten.
Impfen hat absoluten Vorrang: Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach wird ab kommender Woche nur noch vormittags seine übliche Sprechstunde anbieten. Die Nachmittage sind dem Impfen vorbehalten. © Archivfoto

Die Corona-Lage spitzt sich immer weiter zu. Noch sind Infektionszahlen und Inzidenzen in Nordrhein-Westfalen nicht auf dem Niveau wie in Österreich, Bayern oder Sachsen, doch für Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach ist das nur eine Frage der Zeit. Deswegen müssen in seiner Praxis nun andere Behandlungen hinter dem Impfen zurückstehen.

Plettenberg - „Auf uns rollt eine heftige vierte Welle zu“, sagt Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach. Ihm werde beim Blick auf die eingefärbten Landkarte, die die Inzidenzwerte in Deutschland und den Nachbarländern anzeigen, „angst und bange“, was aus Richtung Osten und Südosten auch auf NRW zukomme. „Das Einzige, was wir noch tun können, ist vorbeugen: Und das bedeutet Impfen, Impfen, Impfen!“

In seiner Praxis erhalte er eine solche Vielzahl von Impfanfragen, dass diese zeitlich gar nicht zu bewältigen seien. Übers Wochenende habe er deswegen eine Entscheidung getroffen, die einigen seiner Patienten möglicherweise missfällt: „Ab kommender Woche werden wir die Sprechzeiten ändern“, kündigt er an.

Nur noch vormittags können in seiner Praxis dann Patienten zur Behandlung kommen; auch die Vorsorgeuntersuchungen können nur noch vormittags stattfinden. „Alle Nachmittagstermine müssen wir bis auf Weiteres absagen, weil wir am Nachmittag nur noch impfen werden“, sagt Achenbach. „Das wird nicht allen gefallen, vor allem denen, die lange auf einen Nachmittagstermin gewartet haben.“ Er hofft allerdings auf das Verständnis seiner Patienten. „Es müssen jetzt andere Sachen hinter dem Impfen zurückstehen.“

Er verweist auch auf die Hausarztpraxis Hauswald in Herscheid, die wegen Quarantäne immer noch geschlossen sei, und die Tatsache, dass es in Werdohl weiter keinen Kinder- und Jugendarzt gebe. All das trägt ebenfalls zu dem enormen Arbeitspensum bei, auf das Impfungen dann noch oben drauf kommen. „Deswegen muss ich priorisieren, und die höchste Priorität hat das Impfen. Wir haben keine andere Möglichkeit, als aufs Tempo zu drücken“, so Achenbach eindringlich. „Auch so wird es verdammt knapp, bis wir ähnliche Infektionszahlen wie in Bayern und Sachsen haben.“

Ablauf der Corona-Impfungen wird geplant

Noch könne man gegensteuern, indem die Impfung weiter in die Bevölkerung getragen werden. Dabei müssten alle Ärzte an einem Strang ziehen, denn es sei unerheblich, wo jemand seine Impfung erhalte, ob beim Hausarzt, einem Kollegen oder in einem Impfzentrum.

Im Moment müsse man daher wieder mit einem weiteren Lockdown und allem was dazugehört rechnen. Er wolle mit der Ausweitung der Impfmöglichkeiten in seiner Praxis sein möglichstes tun, um so eine Situation zu verhindern. „Ob das möglich ist, weiß ich nicht“, sagt Achenbach.

Aktuell plant Michael Achenbach mit seinem Praxispersonal den Ablauf. „Wir werden an den Tagen Zweit- und Drittimpfungen ohne Termin durchführen – man stellt sich an und wartet, bis man dran ist.“ Auch Erstimpfungen werde man weiter durchführen, da diese jedoch wegen der auszufüllenden Unterlagen zeitaufwendiger seien, müsse man diese etwas steuern.

Was seine dann nur noch vormittags stattfindende Sprechstunde angeht, betont Achenbach auch die Wichtigkeit, Kranke und Gesunde zu trennen. „Auf keinen Fall sollten Kranke ohne Voranmeldung in die Praxis kommen, sonst können wir das nicht gewährleisten.“

Medizin sei „am Rand der Kapazitäten“

Angesichts der Belastungen für das Gesungheitssystem in der vierten Welle sieht Achenbach keine Alternative dazu, dem Impfen Vorrang einzuräumen. „Die vierte Welle bringt die Medizin an den Rand der Kapazitäten.“ Auffällig sei, dass viele Intensivpatienten jünger seien als in der dritten Welle der Pandemie. Sie würden länger mit der Krankheit kämpfen und die Betten somit länger belegen.

Die Auslastungsspitze erreichten die Intensivstationen immer erst zeitlich versetzt nach der Spitze der Infektionszahlen, so sei es schon vergangenes Jahr gewesen. Man dürfe nicht den Fehler begehen, zu lange abzuwarten, ehe man sich entscheide zu handeln. Deswegen habe Achenbach sich entschieden mehr zu impfen: „Ich möchte mir nicht hinterher vorwerfen, zu spät das Richtige getan zu haben.“

Auch interessant

Kommentare