Polizei-Pressesprecher Dilling gibt Tipps zum Umgang mit Facebook

Kind vermisst - Foto zu veröffentlichen sinnvoll?

+
Viele Eltern veröffentlichen in sozialen Netzwerken, dass sie ihr Kind suchen, wenn dieses abgehauen ist. Die Polizei rät von der Veröffentlichung allerdings ab.

Plettenberg - Was würden Sie tun, wenn Ihr Kind plötzlich nicht nach Hause kommt? Einige Eltern aus Plettenberg sind bei dieser Frage zuletzt in die Offensive gegangen: Sie haben ein Vermissten-Bild ins Internet gestellt. Dabei ist das nicht gerade ratsam.

Vor dem Hintergrund, dass in Facebook-Gruppen wie „Du bist Plettenberger, wenn“ immer wieder Fotos von Jugendlichen beziehungsweise Kindern auftauchen, die von ihren Eltern gesucht werden, hat die Heimatzeitung mit Marcel Dilling, Pressesprecher der Polizei im Märkischen Kreis, über das Thema gesprochen. „Es gibt keine feste Regel. Die Eltern sind selbst dafür verantwortlich, wie sie in einem solchen Fall verfahren“, sagt dieser. Die Polizei rate den Eltern jedoch davon ab, die Fotos zu veröffentlichen, denn das Internet und vor allem Facebook vergesse nicht.

„Man sollte das aus dem Blickwinkel des betroffenen Kindes sehen, das sich später einmal bewerben möchte“, erklärt Marcel Dilling. Die Bilder seien schwer wieder aus dem Netz zu bekommen und wenn dann noch der Wohnort und der Name dazu veröffentlich würden, könne das Kind noch besser – und zwar auch später noch, wenn es schon längst wieder aufgetaucht ist – identifiziert werden. Wenn sich das Kind dann später für eine Arbeitsstelle bewerbe, könne schließlich auch der potenzielle Arbeitgeber, der womöglich ebenfalls aus Plettenberg kommt, auf die Meldung der Eltern im Internet stoßen.

Was hilft dann? Die Polizei sucht auf jeden Fall nach den vermissten Kindern. Bei Kindern sei das Gefahrenpotenzial generell höher als bei Erwachsenen, durch die geringere Lebenserfahrung und Reife. Eine öffentliche Fahndung sei trotzdem die letzte Option. „Bei jedem unter 18 Jahren werden wir tätig und nehmen eine Vermisstenmeldung auf. Allerdings wird jeder Fall einzeln begutachtet“, erklärt Dilling. Der Pressesprecher nennt das Beispiel eines dreijährigen Kindes, das sich mitten in der Innenstadt von der Hand der Mutter los reißt. Er zieht den Vergleich zu einem 17-jährigen Teenager, der schon häufiger bockiges Verhalten gezeigt habe. „Natürlich gehen wir bei einem dreijährigen Kind anders vor. Wir versuchen auch den 17-jährigen Teenager zu finden, aber nicht mit einem Großaufgebot“, führt Dilling aus. Der klassische Fall sei, dass der Jugendliche einfach keine Lust auf Zuhause hätte.

Bei den 16- bis fast 18-Jährigen müsse man genau hinsehen, warum sie verschwunden sind. Ist der Jugendliche schwierig oder unnahbar? Wie hat sich der Teenager vorher verhalten? Die Polizei schreibt den Jugendlichen in eine interne Fandungsliste aus. Das ist bundesweit und auch international möglich und wird von Fall zu Fall entschieden. „Sehen Polizisten in Hamburg zum Beispiel ein Mädchen alleine aus dem Zug steigen und es kommt ihnen komisch vor, überprüfen sie das Mädchen. Falls sie vermisst wird, stellen sie das dann durch die interne Fahndungsliste fest. Das Mädchen wird in Gewahrsam genommen und wieder nach Hause gebracht – in diesem Fall dann nach Plettenberg“, schildert Dilling.

Zuallererst werden Orte abgesucht, an denen sich die Jugendlichen oft aufhalten. Wenn das nicht hilft, gibt es weitere Maßnahmen: Hubschrauber oder Fährtenhunde, die an persönlichen Gegenständen riechen, zum Beispiel.

Hinzu komme, dass sich die Polizei bei einer Öffentlichkeitsfahndung immer zuerst das Einverständnis der Angehörigen hole. „Es ist ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.“ Etwas anderes sei die Veröffentlichung bei Straftätern, da es da um die Sicherheit der Öffentlichkeit gehe. Zu entscheiden habe in so einem Fall dann der Richter.

„Dass ein Kind verschwindet und man überhaupt nicht weiß, wo es sich aufhalten könnte, kommt sehr selten vor. Dass wir mit einem Großaufgebot suchen müssen, ist dann häufiger bei Senioren der Fall, wenn diese zum Beispiel im Schlafanzug aus dem Altenheim verschwinden“, berichtet der Pressesprecher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare