Unterstützung für Initiative

Kein Zölibat, eine gleichberechtigte Frau und kein Verständnis für Kardinal Woelki: Maria 2.0 findet auch in Plettenberg Gehör

Initiative Maria
 2.0 will Reformen in der katholischen Kirche anstoßen.
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Überall in Deutschland versuchen Vertreterinnen der katholischen Fraueninitiative Maria 2.0 tiefgreifende Reformen in der katholischen Kirche anzustoßen. Unterstützung erhalten sie dabei auch aus Plettenberg. (Symbolbild)

Bischöfe diskutieren bei ihrer Vollversammlung über Kirchenaustritte, Missbrauch und den Synodalen Weg, Frauen der Reformbewegung Maria 2.0 haben letztens ihre Thesen an vielen Kirchen platziert – sogar im erzkatholischen Olpe. Und wie sieht es in Plettenberg aus?

Plettenberg – An der Plettenberger Pfarrkirche St. Laurentius, die zurzeit weiterhin renoviert wird, finden sich die Thesen der Initiative Maria 2.0 zwar nicht, was aber nicht heißt, dass sie hier nicht unterstützt würden. Erika Schmidt-Boncek ist Vorsitzende im Gemeinderat von St. Laurentius und arbeitet im erweiterten Vorstand der KFD St. Laurentius mit. Sie befürwortet die Forderungen: „Über Maria 2.0 haben wir im Vorstand der KFD schon im vergangenen Jahr gesprochen. Wir stehen voll dahinter. Allerdings kam uns nach der Jahreshauptversammlung 2020 Corona dazwischen, bevor wir uns mit konzeptionellen Themen befassen konnten.“

Kein Verständnis für Kardinal Woelki

Die Thesen von Maria 2.0 unterstützt Schmidt-Boncek vollumfänglich. So zum Beispiel die Forderung nach einem gleichberechtigten Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern. „Ich bin dafür“, sagt sei und plädiert, Frauen in der katholischen Kirche weitere Türen zu öffnen. St. Laurentius sei in dieser Hinsicht schon recht weit: „Im Pfarrbüro arbeiten nur Frauen. Wir haben eine Küsterin, eine Organistin und eine Gemeindereferentin“, zählt Schmidt-Boncek auf.

Auch zum Thema Missbrauch in der Kirche bezieht sie persönlich klar Stellung: „So etwas finde ich ganz schlimm. Alles muss aufgeklärt werden. Was in Köln abgeht, dafür habe ich kein Verständnis“, kann sie die Kritik an Kardinal Woelki, der ein Gutachten über den Umgang mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester im Bistum Köln zurückhält, nachvollziehen. „Wenn das Gutachten in Ordnung ist, fragt man sich doch: Was wollen sie vertuschen und was darfst du nicht lesen? Wäre das Gutachten veröffentlicht worden, hätte es nicht solche Wellen geschlagen. Die Entscheidung von Kardinal Woelki halte ich im allerbesten Fall für unklug.“

Schmidt-Boncek betont, dass im Bistum Essen deutlich offener mit der Problematik umgegangen würde: „Da sind wir weiter als andere Bistümer. Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt. Es gibt einen jederzeit ansprechbaren Missbrauchsbeauftragten. Jeder, der in der Kinder- und Jugendarbeit tätig werden möchte, benötigt eine Präventionsschulung.“

Dass aber auch im heimischen Raum ein Geistlicher 2019 wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material suspendiert werden musste und zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, hat sie betroffen gemacht: „Man kann den Leuten nur vor den Kopf gucken. Man denkt, hier kann das nicht passieren, doch es passiert überall. Die Frage ist: Was kann man tun, damit sich so etwas nicht wiederholt?“

Pflichtzölibat abschaffen

Eine klare Meinung hat Erika Schmidt-Boncek auch zum Zölibat: „Das Pflichtzölibat sollte abgeschafft und niemanden aufgezwungen werden. Das sollte die freie Entscheidung jedes Geistlichen sein.“ Ob derlei umwälzende Reformgedanken indes ihren Weg bis nach Rom finden werden, das zieht sie in Zweifel: „Der Papst ist ziemlich alt. Da stellt sich die Frage, ob er die Energie und die Kraft besitzt, so etwas Neues durchzusetzen. Selbst ein progressiver Papst täte sich schwer, die Strukturen aufzubrechen. Doch diese Strukturen passen nicht mehr in die heutige Zeit“, ist SchmidtBoncek überzeugt.

Skandale um Veruntreuung

Auch das Wirtschaften nach christlichen Prinzipien, eine weitere Maria 2.0-Forderung, unterstützt sie: „Was für einen bestimmten Zweck gesammelt wurde, sollte auch nur dafür ausgegeben werden.“ Die Skandale um die Veruntreuung des Peterspfennigs und den prunkvollen Limburger Bischofssitz sind noch in guter Erinnerung.

Die Gefahr die SchmidtBoncek sieht, ist die, dass der Kirche die Menschen davonlaufen: „Irgendwann sind die Leute weg.“ Eine Befürchtung, die durch die wachsende Zahl der Kirchaustritte untermauert wird. „Doch schimpfen und austreten kann jeder“, hat sie für sich den anderen Weg eingeschlagen, redet und entscheidet stattdessen innerhalb der Kirche mit: „Die KFD ist beileibe keine unpolitische Vereinigung“. Das zeige der Einsatz für die Mütterrente für alle, „wofür wir Unterschriften gesammelt haben.“ Das zeige auch der Blick auf die Homepage des Bundesverbandes, wo die Thesen von Maria 2.0 ihren Niederschlag gefunden haben.

Die Wahl von Dr. Beate Gilles als erste Frau und erste Laiin zur neuen Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz wertete die KFD als deutliches Indiz, dass die Zeichen der Zeit erkannt worden sind. „Weltweite Frauensolidarität – trotz und wegen Corona“ lautet nun der Appell, dem sich die KFD und weitere Verbände anlässlich des Ökumenischen Weltgebetstags der Frauen am 5. März angeschlossen haben. „Der Gottesdienst wird als Livestream gesendet“, weiß Erika Schmidt-Boncek und wird sich die Übertragung nicht entgehen lassen.

Die Thesen der Initiative Maria 2.0

- Gleichberechtigter Zugang von Frauen zu kirchlichen Ämtern.

- Die Kirche sollte Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufklären und Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen.

- Die Kirche sollte eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft einnehmen.

- Eine zölibatäre Lebensform sollte keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes sein.

- Die Kirche sollte nach christlichen Prinzipien wirtschaften.

- Die Kirche müsse ihre Glaubwürdigkeit zurück erlangen, die längst verspielt sei. 

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