Volkstrauertag: Plettenberger gedenken der Gefallenen aus Weltkriegen

„Kein verstaubtes Ritual“

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Plettenberg - Der Volkstrauertag ist „kein Familientreffen für vergangenheitsorientierte Alte“ stellte Bürgermeister Ulrich Schulte in seiner Ansprache bei der zentralen Gedenkfeier im Böhler Park deutlich heraus.

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg, vor 73 Jahren der Zweite. Seit dem ist Deutschland von Kriegshandlungen verschont geblieben. Für die meisten jungen Menschen der heutigen Zeit sind Krieg, Terror und Vertreibung nur noch abstrakte Begriffe, mit denen sie in der Schule in Berührung kommen. Kein Opa, der nicht heimgekehrt ist, keine Oma, die die Kinder alleine großziehen musste. „Da schweigen Stimmen“, erklärte Schulte. 

Doch während man in Deutschland die letzten Jahrzehnte unbeschwert leben konnte, sah und sieht das in anderen Teilen der Welt ganz anders aus. Dabei muss man nicht weit über die europäischen Grenzen hinausgehen, sie mitunter nicht einmal hinter sich lassen: Ukraine, Syrien, Israel. Täglich setzen Menschen aus Afrika ihr Leben aufs Spiel, weil sie in Paddelbooten übers Mittelmeer fliehen, um dem Terror und der Not in ihren Heimatländern zu entkommen. Es sei „notwendig für unsere Zukunft“, sich mit dem Leid in der Gegenwart auseinanderzusetzen, erklärte Pfarrer Andreas Hirschberg, der ebenfalls als Redner auftrat. Er rief dazu auf, die Herzen für diejenigen zu öffnen, die vom Terror bedroht seien und sich aktiv für den Frieden einzusetzen. 

Kritisch äußerte sich Hirschberg zu den nationalsozialistischen Tendenzen, die heute vermehrt in Europa zu hören sind. Dort, wo andere abgewertet werden, so sagte er, entstehe eine „Vorstufe zum Krieg“. Laut Schulte gibt es „keine Alternative zu Frieden“. Wenn die Erfahrungsgemeinschaft derjenigen wegbräche, die die Weltkriege aus erster Hand erlebt hätten, müsse eine Verantwortungsgemeinschaft an ihre Stelle treten. Darum handle es sich beim Volkstrauertag um „kein verstaubtes Ritual“, sondern vielmehr um eine Besinnung darauf, wofür es sich einzustehen lohnt und das Gedenken an diejenigen hochzuhalten, die unschuldig ihr Leben lassen mussten: Kinder, Zivilisten und Soldaten, die an die Front berufen wurden, mitunter ohne hinter dem zu stehen, wofür sie kämpfen sollten. 

Abordnungen vieler Schützenvereine sowie der Reservisten hatten der Gedenkfeier einen würdigen Rahmen gegeben. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Plettenberg. Auch in Eiringhausen und im Oestertal wurde der Volkstrauertag begangen.

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