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Kein Qualitätsprodukt aus der Schweiz: Neue Bänke in Plettenberg weisen zahlreiche Mängel auf

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Von: Georg Dickopf

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Die bereits nachgebesserte Rundbank an der Graf-Dientrich-Straße ist kein Qualitätsprodukt aus Schweizer Herstellung, dabei hatte sich die Kommunalpolitik vor drei Jahren für diesen Hersteller ausgesprochen.
Die bereits nachgebesserte Rundbank an der Graf-Dientrich-Straße ist kein Qualitätsprodukt aus Schweizer Herstellung, dabei hatte sich die Kommunalpolitik vor drei Jahren für diesen Hersteller ausgesprochen. © Dickopf

In der folgenden Geschichte geht es um die Aufenthaltsqualität in der Plettenberger Innenstadt, um eine Bank aus Schweizer Herstellung, um den Tag, an dem die Kommunalpolitik das Pflaster und den Banktyp für die Innenstadt aussuchte, und um ein produktneutrales Ausschreibungsverfahren.

Plettenberg – Der 4. Dezember 2018 war gewissermaßen der entscheidende Tag für die Gestaltung der Innenstadt. Fast auf den Tag genau vor drei Jahren wurde in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses festgelegt, dass der Pflastervariante „Fürstensteiner Granit“ der Vorzug gegeben werde. Laut Sitzungsprotokoll habe es eine „gewisse Lebendigkeit, sei von der Farbe her leicht grünlich und zudem eigentlich günstig“.

Auch die Banktypen waren ein Thema: Neben dem Bank-Typ „Runge“ mit einer Teak-Lattung stehe die Variante „Burri“ mit einer Lärchen-Lattung und abgerundeten Sitzflächen zur Auswahl, die auch empfohlen werde. BBZ-Chefplaner Timo Herrmann lobte dabei die komfortable Armlehne des Schweizer Bankmodells. Letztlich beschloss der Ausschuss vor drei Jahren bei einer Gegenstimme, das Modell „Burri“ für die beschriebenen Baumstandorte als Rundbank zu verwenden.

Stadtverwaltung und Kommunalpolitik gingen mit dem Wissen aus der Sitzung, mit der Auswahl der Bank des Schweizer Herstellers Burri und dem Fürstensteiner Granit die richtigen Weichen gestellt zu haben.

Seit fast einem Jahr bilden diesen beiden noch unverbauten Rundbänke gemeinsam mit Baustellenmaterialien ein wenig schmuckes „Tor zur Innenstadt.“
Seit fast einem Jahr bilden diesen beiden noch unverbauten Rundbänke gemeinsam mit Baustellenmaterialien ein wenig schmuckes „Tor zur Innenstadt.“ © Dickopf

Erste Rundbänke Ende 2020 geliefert

Ein halbes Jahr später erfolgte im Juli 2019 an der Graf-Dietrich-Straße der Spatenstich für die Innenstadtsanierung. Im Winter 2020 wurden die ersten Rundbänke geliefert, die in Folie verpackt zunächst einmal im Baustellenlager am Alten Markt Platz fanden, weil viele Bereiche der Innenstadt noch gar nicht fertig gepflastert waren.

Noch bevor von Generalunternehmer Boymann die beiden ersten Rundbänke im Bereich der Graf-Dietrich-Straße mit Blickrichtung zur Offenbornstraße installiert wurden, fielen aufmerksamen Lesern Stockflecken auf der Holzbeplankung auf. Entstanden waren sie durch das feucht-warme Klima unter der Folie. Die Folie wurde entfernt, die Stockflecken blieben. Während zwei Bänke installiert wurden, warten zwei weitere Bänke seit nunmehr fast einem Jahr auf dem Kopf stehend auf ihre Installation im Bereich der Einmündung Offenbornstraße/Zimmerstraße.

Während der Schweizer Hersteller die Banklatten dampfgebogen aus einem Stück herstellt, ist das Holz bei dem „Plagiat“ in Plettenberg zunächst aus zwei Stücken keilförmig verklebt worden (roter und gelber Pfeil). Bei der Nachbesserung (blauer Pfeil) wurden die Hölzer horizontal verleimt.
Während der Schweizer Hersteller die Banklatten dampfgebogen aus einem Stück herstellt, ist das Holz bei dem „Plagiat“ in Plettenberg zunächst aus zwei Stücken keilförmig verklebt worden (roter und gelber Pfeil). Bei der Nachbesserung (blauer Pfeil) wurden die Hölzer horizontal verleimt. © Dickopf

Am 8. September 2021 fragte die Heimatzeitung den zuständigen Bauamtsleiter Sebastian Jülich, wie der Banktyp und Hersteller der Rundbänke heißt und ob es sich um den Typ Landi von Burri handele. Dies bejahte Jülich und ergänzte, dass er das der Heimatzeitung bereits vielfach mitgeteilt habe. Dass die Bestellung der Bänke über die mit der Innenstadtsanierung beauftragte Firma Boymann gelaufen sei, bejahte Sebastian Jülich seinerzeit ebenfalls. Die Bestellung sei im Zuge der Ausschreibung über das Planungsbüro BBZ erfolgt. Kurz zuvor hatte ein Plettenberger Bürger die Heimatzeitung auf Risse im Holz der Rundbänke hingewiesen und auf Rost an den Schweißnähten des Untergestells.

Da die Firma Boymann nach Auskunft des städtischen Bauamtsleiters keine Auskünfte gegenüber Dritten gebe, dokumentierte die Heimatzeitung die schadhaften Stellen an den Bänken und konfrontierte damit den Deutschland-Chef von Bankhersteller Burri.

Das seit 1903 bestehende und in der fünften Generation in der Schweiz geführte Unternehmen ist ein Komplettanbieter von Einrichtungselementen des öffentlichen Raums. Deshalb wollten wir wissen, wie die Bank in Plettenberg zum Qualitätsanspruch des Unternehmens passt.

Überraschende Antwort von Hersteller Burri

Wir zeigten Heiko Welters, Geschäftsführer der Burri Deutschland GmbH, die Bilder und erhielten eine überaus überraschende Antwort: „Die Bank ist nicht von uns. So ein Schrott würde bei uns das Werk nicht verlassen“, stellte Welters unmissverständlich klar.

So sahen die Schweißnähte der Bank vor der Nachbearbeitung aus.
So sahen die Schweißnähte der Bank vor der Nachbearbeitung aus. © Dickopf

So sei beispielsweise die Unterkonstruktion komplett anders. Die Rohre seien einfach aufeinandergesetzt und nicht angepasst worden. Und vor allem liefere man keine Bänke mit schon rostigen Schweißnähten aus. „Derjenige, der das so nachgebaut hat, ist selbst gestraft. Ich würde ihm das Ding vor das Werkstor stellen“, sagte Welters unverblümt.

Beispielhaft zeigt er weitere Unterschiede auf. So werde das von Burri verwendete Holz aus Esche, Lärche oder Eiche in Dampf erwärmt und um die eigens zuvor gefertigten Schablonen gebogen. Durch das Erhitzen im Dampf werde der holzeigene Klebstoff weich und ermögliche die Biegung. Das Lignin härte während der mehrtägigen Trocknung wieder aus und das Holz bleibe somit für immer spannungsfrei in der gewünschten Form. Die in Plettenberg verwendeten Latten seien hingegen aus zwei Stücken keilförmig verleimt worden, was die Rissbildung beschleunige.

Das Stahlrohrgestell der Schweizer Bank sei komplett feuerverzinkt mit Schrauben aus Edelstahl. Über die Schweißnähte der in Plettenberg aufgestellten Bank, die nachgeschliffen und mit Zinkfarbe überpinselt wurden, verkniff sich der Burri-Geschäftsführer weitere Kommentare. Dafür schaute er in den Unterlagen nach und stellte fest, dass es 2018 zwar eine Anfrage für ein Musterexemplar aus Plettenberg gab, letztlich aber kein Vertrag zustande kam.

So sahen die überpinselten Schweißnähte nach der Nachbesserung aus.
So sahen die überpinselten Schweißnähte nach der Nachbesserung aus. © Dickopf

Überraschte Reaktion im Rathaus

Mit diesen Informationen konfrontierten wir Bürgermeister Ulrich Schulte, der sich selbst überrascht zeigte und im Haus recherchieren musste. Seine Stellungnahme lesen Sie links unten.

Nach dem Hinweis der Heimatzeitung hat das Bauamt mittlerweile reagiert und die schadhaften Sitzlatten austauschen lassen. Optisch heben sich diese deutlich von den stark ergrauten und teils durch Stockflecken verfärbten Original-Latten ab. Auch die Austausch-Variante besteht nicht aus einem dampfgebogenen Stück, sondern aus übereinander verleimten Holzlatten. Im Bereich der Unterkonstruktion verschwinden die zuvor sichtbaren Rostflecken nun unter einer Schicht Zinkfarbe.

Was die Rundbank angeht, lieferte die Stadt bisher keine Antwort, wer der Hersteller ist. Immerhin: Die vier Rundbänke wurden von der Stadt noch nicht endgültig abgenommen und sind auch noch nicht bezahlt.

Das sagt der Bürgermeister

Ulrich Schulte: „Qualität der Bänke ist zu bemängeln

Laut Bürgermeister Ulrich Schulte hat die Stadt Plettenberg die Bänke in der Innenstadt produktneutral ausgeschrieben. „Ansonsten hätte die zentrale Vergabestelle des Märkischen Kreises, die für uns die europaweiten Ausschreibungen durchführt, die Ausschreibung wegen formeller Fehler auch nicht angenommen. Das Leistungsverzeichnis enthält keinerlei Markenvorgaben hinsichtlich der Bänke, nur Größenangaben. Dass die gelieferten Bänke letztlich der Bank Landi von der Firma Burri entsprechen, geht vermutlich auf eine Nachfrage des Anbieters Boymann beim Planungsbüro BBZ, das das Leistungsverzeichnis erstellt hat, zurück“, sagte Schulte.

Anders als Bauamtsleiter Sebastian Jülich am 8. September erklärte, habe die Firma Boymann laut Schulte in ihrem Angebot nicht die Bank Landi von Burri angeboten, sondern eine Sonderanfertigung eines anderen Herstellers. „Sie haben uns also nicht getäuscht“, sagt Schulte und ergänzt. „Boymann hat als wirtschaftlichster Anbieter den Zuschlag erhalten. Einen Grund, Boymann auszuschließen, weil er nicht die passenden Bänke angeboten hat, gab es wegen der Produktneutralität nicht.“

Ob das Imitieren der Bank Landi ein Verstoß gegen Markenrecht oder ähnliches sei, könne er nicht sagen. Dies müsste Burri mit dem Lieferanten klären. Vergaberechtlich sei das Verfahren aber nicht zu beanstanden.

„Ungeachtet dessen ist die Qualität der Bänke zu bemängeln“, findet auch der Bürgermeister. Dies sei der Firma Boymann auch bereits vorgetragen werden. „Bislang sind die Bänke aber von uns weder abgenommen noch bezahlt“, so Schulte. Dies unterstrich auch Bauamtsleiter Jülich. So würden die Bänke erst abgenommen und bezahlt, wenn sie mangelfrei dem Bauvertrag entsprechen würden. Die Gewährleistung beginne erst nach erfolgter Abnahme und betrage vier Jahre..

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