Mehrere Schulen betroffen

Kaum Tablets, schlechtes WLan: Schulleiter senden ein Alarmsignal an die Politik

WLan-Versorgung Schulen Plettenberg Corona Distanzunterricht
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Die WLan-Versorgung innerhalb der Schulgebäude in Plettenberg ist ein Problem, um Videokonferenzen und digitales Lernen in Corona-Zeiten zu ermöglichen.

Die Situation ist schwierig: Ausgerechnet in den Schulen hapert es gewaltig mit der Digitalisierung. Tablets sind noch immer nicht geliefert, das WLan ist schlecht. Jetzt schlagen Schulleiter Alarm.

Plettenberg - Bei dem, was Politiker da gerade gehört hatten, mussten sie erst mal schlucken. „Mir war die Dramatik der Situation vorher gar nicht so bewusst“, sagte Jürgen Beine, seines Zeichens Vorsitzender des Plettenberger Bildungsausschusses. So wie ihm schien es vielen Ausschussmitgliedern am Donnerstag zu gehen. Schonungslos hatten die Schulleiter ihnen zuvor die derzeitige Situation in den weiterführenden Schulen aufgezeigt. Und die ist, um es mit den Worten von Gymnasiums-Leiterin Elisabeth Minner zu sagen, schwierig.

Sie war im Bildungsausschuss diejenige, die in einer Wortmeldung aufzeigte, wie sich die derzeitigen Unterrichtsformen mit Digital- und Präsenzstunden umsetzen lassen – nämlich nur „unter erschwerten Arbeitsbedingungen“. Noch immer warten die Schulen auf die Tablet-PCs. Diese hat die Stadt Anfang November für Schüler und Lehrer aller Plettenberger Schulen bestellt, die für den digitalen Unterricht kein Endgerät zuhause haben. 587 iPads an der Zahl. Liefertermin: ungewiss.

Allein am Albert-Schweitzer-Gymnasium seien 20 Kinder betroffen, die ohne Endgerät derzeit nicht adäquat arbeiten können. In anderen Schulen, zum Beispiel der Zeppelin-Hauptschule, sind diese Zahlen noch viel höher. „Alle Schulen versuchen sich da irgendwie zu behelfen“, berichtete Elisabeth Minner und unterstrich die Wichtigkeit der Endgeräte: „Sie sind so vordringlich für das Arbeiten!“

Aber die Lieferverzögerungen bei den Tablets sind nicht das einzige Problem. Elisabeth Minner plädierte zudem für eine deutlich bessere WLan-Ausstattung in den Klassenzimmern. In vielen Räumen des Gymnasiums können sich die Lehrer nicht kabellos mit dem Internet verbinden, was die Mischung aus Präsenz- und Online-Unterricht zusätzlich erschwere. Die Plätze für Videokonferenzen sind begrenzt, weil teilweise auch Schüler in der Notbetreuung die wenigen WLan-Punkte der Schule nutzen müssen. Den Online-Unterricht wie zuletzt von Zuhause aus durchzuführen, ist für viele Lehrer nicht mehr möglich, weil sie nun auch wieder den Präsenzunterricht für Jahrgangsstufen 11 und 12 im Schulgebäude geben müssen. Seit diesem Freitag steht zusätzlich fest, dass ab dem 15. März weitere Klassen in Präsenz folgen werden, die Modalitäten werden derzeit geklärt, nächste Woche will die Schule dazu weitere Informationen geben. So oder so: „Wir sind gerade in einer Organisationsform, die sich vor zwei Monaten noch keiner vorgestellt hat“, sagte Minner. Wie unter einem Brennglas werden nun die Versäumnisse bei der Digitalisierung aufgezeigt.

Monika Storm, Leiterin der Realschule, und Sandra Noltsch, Rektorin der Zeppelinschule, bestätigten diese Aussagen im Ausschuss. Sandra Noltsch berichtete zudem von immer mehr Eltern, die bei den Anmeldegesprächen nach den digitalen Möglichkeiten der Schule fragen. Sie fürchtet, dass sich immer mehr Kinder und Eltern wegen der schlechten Voraussetzungen in Plettenberg für Schulen in umliegenden Kommunen entscheiden könnten. Elisabeth Minner appellierte: „Wir hinken als Schulen hinterher. Wir müssen dieser Situation Rechnung tragen – für die Kinder dieser Stadt.“

Das Alarmsignal der Schulleiter scheint bei den Bildungsausschuss-Mitgliedern angekommen zu sein. „Wir bleiben da energisch am Ball“, versprach der Vorsitzende Jürgen Beine. Den Kindern und Jugendlichen in Plettenberg müsse dringend eine Realität geboten werden, die Spaß mache und die guten Unterricht ermögliche.

Warum es so schleppend mit der Digitalisierung voran geht

Lösungen zu finden für eine bessere digitale Infrastruktur an den Plettenberger Schulen, ist Aufgabe der städtischen IT-Abteilung im Rathaus. Deren Mitarbeiter Frank Hormes erklärte im Bildungsausschuss, dass man sich ebenso im Wartestand befinde wie die Schulen.

Mindestens jede zweite Woche rufe er bei der verantwortlichen Firma wegen eines Liefertermins für die Tablets an – immer wieder erfahre er nur, dass es Lieferschwierigkeiten gebe. Diese sind darin begründet, dass es Ende letzten Jahres Fördermittel für Tablets gab und viele Kommunen fast gleichzeitig große Bestellungen aufgegeben haben. Einige Städte und Gemeinden, zum Beispiel Neuenrade, haben ihre Lieferungen schon bekommen, Plettenberg wartet noch. „Warum wir?“, wollte Kirsten Jütte (CDU) im Ausschuss wissen. „Vielleicht haben andere Kommunen schon vor uns die Bestellung beschlossen und in Auftrag gegeben“, antwortete Hormes. Der Stadtrat in Plettenberg musste die Bestellung am 3. November erst beschließen, tags darauf habe er die Tablets bestellt, versicherte Hormes.

Ähnlich ist die Situation mit dem WLan in den Schulen. Im Jahr 2019 hat das Land das Digitalpakt-Förderprogramm aufgelegt, um die Infrastruktur für das Internet an Schulen zu verbessern. Plettenberg greift eine beachtliche Summe in Höhe von 708 000 Euro über diese Förderung ab, doch die Maßnahmen können erst dann beginnen, wenn die Vorhaben vom Land bewilligt werden – sonst fließt das Geld nicht. Im Sommer letzten Jahres hat die Stadt bei einer WLan-Ausleuchtung ermitteln lassen, wo in welchen Klassenzimmern sogenannte Access-Points (vergleichbar mit handelsüblichen Internet-Routern) platziert werden müssen, um alle Räume mit kabellosem Internet versorgen zu können. Die Kostenermittlung läuft, zusätzlich mussten Zukunftskonzepte der Schulen erstellt werden. „Es steckt ein großer Aufwand dahinter, um die Fördergelder bewilligt zu bekommen“, erklärt Hormes.

Ob es denn bei einer Bewilligung sofort losgehen könne, bohrte Heiko Hillert (CDU) nach. „Ja“, antwortete Hormes, der davon ausgeht, dass das WLan-Problem in den Schulen in den Sommerferien, „vielleicht auch etwas eher“, gelöst werden kann.

Übrigens: Das Problem ist nicht etwa eine fehlende Internetleitung. An den meisten Schulstandorten liegen Glasfaserkabel, die auch zum Beispiel in Sekretariaten kabellos und in Klassenräumen an Smartboards oder anderen Geräten mit einer Netzwerkkabelverbindung genutzt werden. Was fehlt, sind die Geräte, um das Internet flächendeckend kabellos überall in die großen Gebäude zu bringen. Von solchen Access-Points hat die Stadt der Realschule und der Hauptschule jeweils zwei und dem Gymnasium als größter Schule Plettenbergs mehrere zur Verfügung gestellt. Für diese Unterstützung ist Gymnasiums-Leiterin Elisabeth Minner auch dankbar. „Wir haben mit Hilfe der IT-Abteilung immer Lösungen gefunden.“

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