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Kaum noch Last-Minute: Gestiegene Reiselust mit vielen Folgen

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Von: Johannes Opfermann

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Spanien gehört auch in diesen Sommerferien zu den beliebtesten Reisezielen der Plettenberger. Wer auf Last-Minute-Schnäppchen hofft, hat wegen der hohen Nachfrage aber das Nachsehen gegenüber denjenigen, die früh gebucht haben.
Spanien gehört auch in diesen Sommerferien zu den beliebtesten Reisezielen der Plettenberger. Wer auf Last-Minute-Schnäppchen hofft, hat wegen der hohen Nachfrage aber das Nachsehen gegenüber denjenigen, die früh gebucht haben. © Clara Margais/DPA

Viele Plettenberger sind in diesem Sommer wieder in Reiselaune, denn nach den Abstrichen in der Corona-Zeit gilt es Verpasstes nachzuholen. Doch anders als vor der Pandemie ist es in diesen Sommerferien nicht so einfach, Last-Minute-Schnäppchen zu ergattern.

Plettenberg - „Die Sehnsucht, nach zwei Jahren irgendwie in die Sonne zu fliegen, ist groß“, sagt Kerstin Völlmecke vom Reiseland Plettenberg. „Familien, die in Corona-Zeiten weniger verreist sind, sind jetzt auch wieder dabei.“

Der Mittelmeerraum steht bei den meisten Reisenden wieder hoch im Kurs. „Am Anfang war es so, dass die Leute hauptsächlich in Richtung Spanien und Griechenland gefahren sind, inzwischen weitet es sich auch auf Ägypten und die Türkei aus.“ Letztere seien auch wegen des Preises ins Rennen gekommen, denn Spanien und Griechenland hätten schon vor einiger Zeit die Preise angezogen.

Ein weiteres beliebtes Ziel – auch schon in Corona-Zeiten – seien die Malediven. Fernreisen seien im Sommer dagegen weniger ein Thema, weiß Völlmecke. Das liegt aber auch daran, dass zum Beispiel in Asien noch unklar ist, ob und wie die Einreise funktioniert. In den USA, die vorher auch strenge Beschränkungen wegen der Pandemie hatte, klappe die Einreise nun einwandfrei. Auch bei den Mittelmeerzielen ist der Wegfall der Einreisebeschränkungen – wie etwa Impfnachweisen – ein Grund für die hohe Nachfrage, die sich dann eben auch auf die Preise auswirkt.

Reise-Schnäppchen auf den letzten Drücker zu machen, ist angesichts der hohen Nachfrage nicht leicht. „Das heißt aber nicht, dass man nicht doch ins Reisebüro gehen kann: Vielleicht findet man doch noch etwas, das auch ins Budget passt“, sagt die Reisefachfrau. Das gilt gerade dann, wenn man auch bereit ist, ein paar Abstriche zu machen, also statt zwei Wochen nur zehn bis zwölf Tage zu verreisen oder auch ein Hotel mit „nur“ drei Sternen zu buchen. Und dazu seien tatsächlich viele Kunden bereit. „Dann ist viel möglich“, sagt Völlmecke. „Viele Kunden kommen auch zurück und bedanken sich. Ich hatte gerade erst ein Ehepaar, das ganz begeistert von seiner Kreuzfahrt berichtet hat. Das ist für uns natürlich gutes Feedback.“

Kreuzfahrten sind sowieso ein Dauerbrenner. Auch für 2023 hätten manche Kunden bereits Kreuzfahrten im Mittelmeer oder in Skandinavien gebucht und sogar in der Karibik für Weihnachten 2023/24.

„Obwohl Corona noch nicht durchgestanden ist, sind die Leute einfach urlaubsreif“, weiß auch Corinna Hüsken, Inhaberin des Tui-Reisecenters, zu berichten. Und sie sind reisefreudig, auch wenn sie dafür etwas tiefer in die Tasche greifen müssen.

Es sei sehr viel gebucht worden, und das zur Ferienzeit natürlich auch wieder verstärkt von Familien. Spanien und Griechenland stehen auch bei ihren Kunden ganz oben auf der Liste, ebenso Kreuzfahrten würden gut gebucht. Rundreisen durch Deutschland oder Österreich seien ebenfalls beliebt.

Es gibt fast keine Last-Minute-Angebote mehr – die Möglichkeiten sind hier minimal. Wer früh gebucht hat, hat den besten Kurs bekommen.

Corinna Hüsken, Inhaberin des Tui-Reisecenters

Fernreiseziele wie Asien und die Karibik würden erst im Winter wieder interessant. „Was gut gefragt ist, das sind die USA und Kanada“, sagt Hüsken und verweist auf Erleichterungen bei der Einreise. Geimpft müsse man zwar sein, aber nicht mehr zusätzlich einen Test vorlegen.

Die gestiegene Reiselust wirkt sich allerdings nachteilig für diejenigen aus, die auf Reiseschnäppchen hoffen. „Es gibt fast keine Last-Minute-Angebote mehr – die Möglichkeiten sind hier minimal. Und die Preise sind nicht so, wie man es vor Corona kannte“, weiß die Reise-Expertin. „Wer früh gebucht hat, hat den besten Kurs bekommen.“

Die Teuerungen in der Reisebranche beobachtet auch Hüsken. „Es ist durch die ganze Bandbreite teurer geworden“, sagt sie. So wird für die Fluglinien das Kerosin teurer, aber auch Hotels haben mit erhöhten Kosten zu kämpfen.

Die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise infolge des Ukraine-Kriegs spielen dabei eine Rolle, aber insgesamt sei es eine Mischung aus verschiedenen Faktoren, die sich auswirken, darunter eben auch die gestiegene Nachfrage. Die treibe, wie an der Börse, auch im Reisegeschäft die Preise nach oben.

Auswirkungen für diejenigen, die schon gebucht haben, hat das in der Regel nicht. „Für bestehende Buchungen gibt es eigentlich keine nachträglichen Erhöhungen“, so Hüsken, die nur von einer Ausnahme zu berichten wusste: „Ein Flussreiseanbieter hat einen Kerosin-Zuschlag genommen.“

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