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Katholische Pfarrei bricht ins Ungewisse auf: „Volkskirche ist vorbei“

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Von: Nina Scholle

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Generalvikar Klaus Pfeffer (Mitte) ernannte Thomas Bartz (rechts) in der Laurentiuskirche zum neuen Pfarrbeauftragten. Patrick Schnell (links) ist ab sofort moderierender Priester.
Generalvikar Klaus Pfeffer (Mitte) ernannte Thomas Bartz (rechts) in der Laurentiuskirche zum neuen Pfarrbeauftragten. Patrick Schnell (links) ist ab sofort moderierender Priester. © Scholle

In der katholischen Pfarrei St. Laurentius Plettenberg-Herscheid wurde am Sonntag ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Plettenberg - So bezeichnete es Generalvikar Klaus Pfeffer in dem feierlichen Gottesdienst, mit dem Thomas Bartz offiziell zum Pfarrbeauftragten und Patrick Schnell zum moderierenden Priester ernannt wurden.

Die Kirche in Deutschland, vor allem die katholische Kirche, stecke in einer Krise: Zum ersten Mal seien weniger als 50 Prozent der Bevölkerung Mitglied einer Kirche, erklärte Pfeffer. Klar sei: ein „weiter so“ könne es nicht geben.

„Wir tragen unseren Teil dazu bei, um etwas in Bewegung zu bringen“, so Pfeffer. Für die Katholiken vor Ort bedeutet das: Ein Laie übernimmt fortan die Leitung der Kirchengemeinde. Im Bistum Essen kommt dies erst zum dritten Mal vor, dass ein Pfarrbeauftragter, also ein Laie, anstelle eines Priesters die Pfarrei leitet.

Im Plettenberg komme zudem noch etwas „ganz Neues und Ungewöhnliches“ hinzu, wie Pfeffer erklärte. Ein Ehepaar arbeite innerhalb einer Gemeinde gemeinsam: Thomas Bartz‘ Frau Laura arbeitet bereits seit einigen Jahren als Gemeindereferentin in St. Laurentius.

Keine Schablone vorhanden

Es gebe „keine Schablone“, sagte Pfeffer. „Wir wissen nicht richtig, wie es gehen kann. Wir probieren es aus.“ Dabei dürfe man sich „nicht unterkriegen lassen“, so Pfeffer. „Wir haben keine Chance zu überleben, wenn wir nicht zusammenrücken.“

Auch Thomas Bartz gab zu, keinen „fertigen Pastoralplan in der Tasche“ zu haben; zudem zweifelte er die Sinnigkeit eines solchen, einseitig ausgearbeiteten Plans an. Für ihn ist das „Zusammen“ von entscheidender Bedeutung.

„Die Volkskirche ist vorbei“, sagte Bartz. Es sei an der Zeit, Gewohntes hinter sich zu lassen und einen Aufbruch ins Unbekannte zu wagen. „Mutig und offen sich der Zukunft zu stellen – darauf wird es ankommen!“

Zum Abschluss seiner leidenschaftlich vorgetragenen Predigt griff Bartz die Idee von Generalvikar Pfeffer auf: In Zeiten einer „extremen kirchlichen Krise“ müsse man etwas Neues wagen: „Lassen Sie uns etwas ausprobieren!“

Respekt vor der Schnell-Entscheidung

Schon vor der Einführung eines Pfarrbeauftragten hatte sich manches in der Pfarrei St. Laurentius geändert: Erst wurden mehrere Gemeinden zusammengelegt, dann einige Kirchen für immer geschlossen. Änderungen, die schmerzhaft aber notwendig waren, wie Berthold Repgen vom Kirchenvorstand bemerkte.

„Wir müssen diesen Weg der Transformation vorangehen“, sagte Repgen. Seinen Dank richtete er an Pastor Patrick Schnell für das bisher Geleistete. Er zollte dem nun moderierenden Priester seinen Respekt vor der Entscheidung, sich auf die Seelsorge konzentrieren zu wollen.

Man werde „mit einem neuen Modell in die Zukunft gehen“, so Repgen und an Bartz gewandt: „Sie haben die Unterstützung von uns allen!“ Er sei „mit Freude und Elan in die Gemeinde“ eingetreten und werde „diese Gemeinde in die Zukunft führen“.

Drei Musikgruppen spielten

Tatsächlich arbeitet Bartz bereits seit März als Pfarrbeauftragter in der Kirchengemeinde, doch die offizielle Einführung hatte bisher noch nicht stattgefunden. Einen würdigeren Rahmen als am Sonntag hätte es dafür kaum geben können: Gleich drei Musikgruppen, die Boni-Band, der Kirchenchor sowie Sound and Vision, gestalteten den Gottesdienst feierlich mit und das prachtvolle Wetter tat sein Übriges.

Bei Sekt und kühlen Getränken blieben die Gemeindemitglieder im Anschluss an den Gottesdienst noch auf dem Kirchplatz beisammen, tauschten sich aus und kamen mit dem neuen, nun auch offiziellen, Pfarrbeauftragten ungezwungen ins Gespräch.

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