Nichts los an Weiberfastnacht

„Die Lebenfreude fehlt“: Eine Karnevalistin aus Plettenberg zwischen Wehmut und Hoffnung

Weiberfastnacht Karneval Plettenberg fällt wegen Corona aus
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Kein Weiberfastnachts-Karneval in diesem Jahr in Plettenberg: Die Frauengemeinschaften von St. Laurentius und St. Johann Baptist haben ihre Veranstaltungen abgesagt.

Karneval in Corona-Zeiten? Vielerorts ist daran nicht zu denken, so war es auch am sonst so belebten Weiberfastnachts-Tag an diesem Donnerstag. Aktionen und Veranstaltungen wurden abgesagt.

Plettenberg - – Kai Hagen trug an diesem Donnerstag eine seiner guten Seidenkrawatten, natürlich in rot, ganz in den Farben des Geldinstituts also, für das er arbeitet. Ausnahmsweise musste sich der Sparkassen-Chef nämlich diesmal keine Sorgen machen, dass seine Krawatte der Schere zum Opfer fallen würde. Denn die Weiberfastnacht wird für gewöhnlich mit Sekt, Berliner Ballen und der Schlips-Kürzung durch die verkleideten Mitarbeiterinnen begangen. Aber wegen der Corona-Pandemie fiel das karnevalistische Treiben an diesem Donnerstag aus.

Es sei zwar sehr bedauerlich, weil „es immer dazu gehört“, aber es sei einfach nicht die passende Zeit für solche Aktionen, hieß es aus der Sparkasse. Dem schlossen sich die Mitarbeiterinnen der übrigen Plettenberger Weiberfastnachts-Hochburgen an: Die sonst verkleidete Belegschaft der Wieden-Apotheke kam wie an allen anderen Tagen im Jahr in zivil, bei der Volksbank trugen die Damen auf eigenen Wunsch lieber die gewohnt vornehme Kleidung statt Piraten- oder Tierkostüm und nebenan im Friseur-Salon Hairline, sonst bekannt für seine bunt verkleideten Mitarbeiterinnen, darf in diesen Tagen wegen Corona ja gar nicht erst gearbeitet werden.

Dass die Weiberfastnacht in Plettenberg in diesem Jahr komplett ins Wasser fällt, betrübt vor allem eine Frau: Kläre Großmann (83) gebürtig aus dem rheinländischen St. Goarshausen, den Karneval mit der Muttermilch aufgesogen, wie sie selbst sagt. Jahr für Jahr organisiert Kläre Großmann die großen Weiberfastnachtsnachmittage der KFD St. Johann Baptist in Eiringhausen mit, bei denen immer die Hütte voll war. Mit Wehmut erinnert sie sich angesichts des coronabedingten Ausfalls in diesem Jahr an die zurückliegenden Veranstaltungen, an die Gäste, die zum Teil trotz schwerer Schicksalsschläge für einen Tag das Lachen über ihren sonst schwierigen Alltag stellten. „Diese Lebensfreude fehlt“, sagt Kläre Großmann.

Einen digitalen Ersatz, zum Beispiel per Videochat oder dergleichen, wird es bei der KFD Eiringhausen nicht geben. Warum? „Wir sind eine reife Truppe von 60 Jahren bis 80 plus“, lacht Kläre Großmann. Entsprechend sei der Hang zur Videotelefonie nicht so stark ausgeprägt, stattdessen telefoniere man lieber miteinander.

Durch das „reife“ Alter der Organisatoren könnte sich aber laut Kläre Großmann ein anderes Problem ergeben, nämlich das der Motivation. „Wenn jetzt einmal ein Knacks drin ist, dann könnte es schwierig werden“, befürchtet die Eiringhauserin, dass sich die Verantwortlichen vielleicht aus der Organisation zurückziehen könnten, womöglich auch bis nächstes Jahr aus gesundheitlichen Gründen und der Nachwuchs fehle bei der KFD Eiringhausen völlig.

„Et kütt wie et kütt“, sagt Kläre Großmann. Sie selbst steht kurz vor ihrem 84. Geburtstag und möchte im nächsten Jahr gerne die Eiringhauser Weiberfastnachtsfeier fortsetzen. „Wenn ich dann noch den Schnee wegmachen kann, dann kann ich auch noch den Karneval mitorganisieren“, sagt sie und lacht dabei.

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