Neue Parkregeln

Kameras machen Parkscheiben überflüssig: So funktioniert das Parken am Action-Markt

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Plettenberg - Auf den „massiven Druck“ von Toom- und Action-Markt haben die Vermieter des Gebäudekomplexes an der Alten Ziegelei in Plettenberg reagiert und neue Parkregeln eingeführt. Das Besondere daran: Die Kennzeichen werden per Videokameras erfasst, Parkscheiben sind nicht mehr nötig.

Etwas ungläubig rieben sich einige Passanten und Autofahrer die Augen, als sie am Montag die neuen Parkregel-Schilder vor dem Toom- und dem Action-Markt erblickten. „Höchstparkdauer 1,5 Stunden, 25 Euro Nutzungsentgelt bei Verstoß. Ihre Parkdauer wird automatisch erfasst. Sie müssen nichts weiter tun“, steht dort unter anderem geschrieben.

Verantwortlich für die neue Beschilderung ist ein Unternehmen aus Stuttgart mit dem Namen Betterpark. Man beschreibt sich selbst als „Servicepartner für digitale Parkraumkontrolle“ und hat ein Scanner-System entwickelt, durch das Parkscheiben überflüssig werden. Zwei Videokameras erfassen die Kennzeichen der Fahrzeuge an der Ein- und Ausfahrt des Parkplatz-Geländes; sozusagen wie mit einem Blitzer wird so jedes ein- und ausfahrende Auto mit einem Zeitstempel fotografiert. Wer den Parkplatz mit seinem Wagen erst nach den angegebenen anderthalb Stunden verlässt, begeht eine Vertragsstrafe und bekommt eine Rechnung.

„Es war aus unserer Sicht das fortschrittlichste System“, sagt Roland Dreger. Er ist Projektentwickler des Düsseldorfer Bauunternehmens Tecklenburg, dem das Gelände gehört. Mehrfach hätten sich die Mieter des Toom-Getränkemarktes und des Action-Marktes wegen der Parksituation vor ihren Türen beschwert. Tecklenburg als Vermieter sei von den Mietern massiv unter Druck gesetzt worden und habe Abhilfe schaffen sollen. Das Problem sei gewesen: Rund die Hälfte aller Parkplätze sei dauerhaft durch Autos belegt gewesen. Kunden, die nur schnell ihren Einkauf erledigen wollten, hätten öfter keine Parkplätze mehr finden können. Roland Dreger von Tecklenburg: „Der Toom-Getränkemarkt berichtete sogar von Umsatzeinbußen im zweistelligen Prozentbereich.“

Die Firma Betterpark soll die Situation für die Geschäfte an der Alten Ziegelei nun deutlich verbessern. Am Wochenende und damit unmittelbar vor dem Monatswechsel ließen die Verantwortlichen die neuen Schilder für die Parkregelung anbringen. Laut Betterpark-Geschäftsführer Sebastian Löffler sollen die ersten zwei Wochen als Testphase genutzt werden. „Wir wollen zunächst analysieren, wie viel Prozent der Fahrzeuge die Parkzeit überschreiten“, erklärt Löffler und versichert, dass in dieser Phase noch niemand mit Geldstrafen rechnen muss. Erst nach diesen zwei Wochen werde das System scharf geschaltet.

Treffen könnten die neuen Regelungen vor allem diejenigen, die den Parkplatz bisher auch für andere Zwecke genutzt haben. Viele Patienten des Ärztehauses am Grafweg stellen hier gerne ihr Auto ab. Aber auch die Besucher des Friedhofs Hirtenböhl nutzen diesen Parkplatz. Dafür gibt es eigentlich eine Vereinbarung zwischen der Stadt Plettenberg und dem Vermieter, auf die auch weiterhin ein Schild am Rand des Parkplatzes hinweist. „Diese Vereinbarung“, sagt Roland Dreger, „wurde allerdings vor unserer Zeit geschlossen. Wir sind da in der Klärungsphase“, sagt Dreger.

Durch die anderthalbstündige Parkzeit dürfte zwar der Friedhofsbesuch weiterhin zu schaffen sein, allerdings verbietet die neue Beschilderung das Parken „außerhalb der Öffnungszeit“. Heißt: Wenn Toom- und Action-Markt zum Beispiel sonntags geschlossen haben, dürften auch keine Autos auf dem Parkplatz abgestellt werden.

In Stein gemeißelt ist dieses Parkverbot außerhalb der Öffnungszeiten aber nicht, wie sowohl Roland Dreger von der Vermieter-Seite als auch Betterpark-Chef Sebastian Löffler deutlich machen. Dreger wolle sich Freitag ein Bild vor Ort machen und sagt: „Ich gucke mir das an. Wir sind derzeit noch in der Justierungsphase und schauen, was möglich ist.“ Löffler ergänzt, dass es schon jetzt fünf Parkplätze gebe, die nicht von der neuen Parkregelung betroffen sein werden.

Neues Parken am Toom- und Action-Markt in Plettenberg: Datenschutz und die Geldfrage

Grundsätzlich gilt: Wer sein Fahrzeug auf einem Kundenparkplatz abstellt, schließt damit einen Vertrag mit dem privaten Grundbesitzer ab und akzeptiert die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Im Fall Alte Ziegelei stimmt der Fahrer damit auch der neuen Parkraumkontrolle zu, die rund um die Uhr per Videoüberwachung funktioniert. Weil laut Betterpark ausschließlich die Kennzeichen erfasst werden, sei die Überwachung konform mit der Datenschutz-Verordnung. Das bedeutet aber auch: Es gibt keine Ausnahmen für Besitzer von Behindertenausweisen. Mitarbeiter dagegen können zum Beispiel im System mit einer Dauerparkberechtigung vermerkt werden.

Geld verdienen wolle das Baunternehmen Tecklenburg mit dieser Maßnahme nicht. „Wir haben keine Einnahmen und werden auch die Miet-Nebenkosten nicht erhöhen“, betont Projektentwickler Roland Dreger. Das System von und mit Betterpark werde sich allein durch die Bußgelder tragen.

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