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Kalter Whirlpool dank staatlichem Heizverbot - Das sagt ein Whirlpool-Hersteller dazu

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Von: Georg Dickopf

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Christoph Armstark, Chef des Whirlpool-Fachhändlers Armstark, sieht das (Whirl-)Pool-Verbot kritisch.
Christoph Armstark, Chef des Whirlpool-Fachhändlers Armstark, sieht das (Whirl-)Pool-Verbot kritisch. © Arnstark

Die Energiekrise schlägt sich auch in Plettenberg nieder. Dort gibt es einen großen Anbieter von Whirlpools und Swimspas. 

Plettenberg - Georg Dickopf sprach mit dem Deutschland-Chef der Firma Armstark über das seit September geltende Pool-Heiizverbot.

Herr Armstark, wo stehen Sie im Vergleich der Spa- und Whirlpoolanbieter bundesweit?

Im Premiumbereich sind wir in Deutschland sicherlich Marktführer. Es gibt viele Händler mit einzelnen Filialen. Wir haben uns auf Whirlpools, Swimspas und Infrarot-Kabinen spezialisiert und haben für jedes Fachgebiet entsprechende Experten.

Wie sind Sie filialtechnisch aufgestellt?

Deutschlandweit betreiben wir 25 Filialen. In Nordrhein-Westfalen sind wir in Krefeld, Koblenz, Plettenberg und neuerdings auch in Münster vertreten.

Die Corona-Krise hat Ihnen ein wenig in die Karten gespielt, oder?

Corona war für uns – anders als in der Gastronomie – kein Nachteil. Wir mussten bis dato auch keine Förderungen beantragen. Unser Geschäft hat sich in der Zeit eher positiv entwickelt, weil die Leute viel in ihre Gärten investiert haben. Die Krise hat eher dazu beigetragen, dass wir unser Geschäft gut weiterlaufen lassen konnten.

Seit September gibt es die Maßnahmen der Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung durch kurzfristig wirksame Maßnahmen. Sagt Ihnen EnSikuMaV etwas?

Die Abkürzung sagt mir nichts, aber den Inhalt kenne ich. Dort steht unter Paragraf 4 ein Poolheizverbot.

Der Plettenberger Filialleiter Jörg Schmellenkamp merkt eine Zurückhaltung bei den Kunden.
Der Plettenberger Filialleiter Jörg Schmellenkamp merkt eine Zurückhaltung bei den Kunden. © Schmelllenkamp

Genau. Und das ist ausgeweitet worden auf Whirlpools und Swimspas – also Ihr Geschäftsgebiet. Was ist Ihre Meinung dazu?

Grundsätzlich greift die Verordnung schon sehr weit in das Privatleben der Bürger in Deutschland ein. Ich denke, dass – wenn man die Verordnung im Detail liest – die darin enthaltenen Grundlagen zur Berechnung des Stromsparens absolut nicht korrekt sind. Es werden falsche Zahlen angeführt. In unserem Fachbereich wird geschrieben, dass es 115 000 Swimspas in Deutschland gibt. Es liegen aber keine Marktforschungszahlen zu der Anzahl vor. Wir gehen von 15 000 bis 20 000 aus. Eher allerdings von 15 000 Swimspas. Bei Whirlpools solle es 245 000 sein. Zählen auch aufblasbare Whirlpools aus dem Baumarkt dazu? Solche Geräte sind einfach nicht für den Winter gemacht, werden zwar oft genutzt, aber jetzt auch weniger.

Was ist denn der Unterschied bei den Whirlpools?

Der Stromverbrauch bei unseren Produkten ist nicht übertrieben groß. Die durchschnittlich acht Wasserpumpen benötigen täglich je 0,25 Kilowattstunden und das gleiche noch einmal für die Heizung. Das macht vier Kilowattstunden Stromverbrauch pro Tag. Wenn man das mit 50 Cent Stromkosten rechnen würde, wäre man bei zwei Euro pro Tag. Ein Raucher bekommt dafür sechs Zigaretten. Und die sind weniger gut für die Gesundheit.

Aber einige Geräte sind auch Stromfresser, oder?

Bei günstigen Pools liegt der Verbrauch fünf bis sechs Mal so hoch. Da ist der Verbrauch im Winter wirklich höher und dann wird es schwieriger mit dem guten Gewissen. Ein Swimspa ist übrigens immer energiesparender als ein normaler Pool, denn man kann ihn immer abdecken, er hat weniger Wasser und ist so gut isoliert wie sonst kein Schwimmbad.

Haben Sie das Gefühl, dass das eine verkappte Reichensteuer ist?

Nun ja, es gibt auf jeden Fall ganz andere Möglichkeiten, um Strom zu sparen. Stattdessen wird jetzt auf so eine kleine Branche draufgeschlagen.

Merken Sie die aktuelle Krise und wie äußert sich diese?

Ja, natürlich merken wir es. Die Entscheidung der Kunden zieht sich nach hinten. Viele warten erst einmal ab. Ein Whirlpool ist kein Spaßprodukt, sondern ganz viele Kunden nutzen die Geräte zur Hydromassage und zum Stressabbau – also für gesundheitliche Zwecke. Die Hydrotherapie, also das warme Wasser, das den Menschen gut tut, haben übrigens schon die alten Römer genutzt.

Es soll eine Ausnahme bei der Verordnung geben?

Die Nutzung ist legal, wenn man einen Whirlpool zu Therapiezwecken nutzt. Dann fällt man nicht unter die Verordnung. Dazu benötigt man noch nicht mal ein Attest. Die Verordnung ist nach Meinung vieler Kollgen wie ein Tiger ohne Zähne. Sie wurde zu unüberlegt erstellt.

Ein Blick auf die Isolierung eines Whirlpools der gehobenen Preisklasse.
Ein Blick auf die Isolierung eines Whirlpools der gehobenen Preisklasse. © Schmellenkamp

Wie teuer ist denn nun der Betrieb eines elektrisch betriebenen Whirlpools angesichts der gestiegenen Stromkosten?

Ein Whirlpool mit guter Qualität kann trotzdem noch mit überschaubaren Kosten betrieben werden. Die Hydrotherapie, die Massagefunktionen und das Schwimmen in den Swimspas tragen viel zur Gesundheitsvorsorge bei. Und da die Gesundheit immer wichtiger wird, ist es der falsche Weg, solche Produkte aus dem Verkehr zu ziehen.

Wie stark schlägt die Energiekrise bei Ihnen durch?

Wir sind ein gesundes Unternehmen. Schwieriger wäre es, wenn wir jetzt ganz neu angefangen hätten. Der Umsatz ist jetzt nicht total eingebrochen, dass wir gar nichts mehr verkaufen, aber wir kämpfen natürlich damit. Man merkt schon, dass die Leute sich nun länger Zeit lassen bei der Entscheidung.

Man kann sich also trotzdem aus therapeutischen Gründen in seinen Whirlpool setzen und sich die Fußball-WM in klimatisierten Stadien anschauen?

Theoretisch ja, denn wir wissen, dass unsere Whirlpools wenig Strom verbrauchen. Das ist, wie wenn sie mit einem ganz sparsamen Auto unterwegs sind oder mit einem Spritfresser. Sie können mit beiden Autos fahren und gelangen ans Ziel, aber der ökologische Fußabdruck ist ein ganz anderer...

Sie arbeiten mit Sundance Spas, dem weltweit größten Whirlpoolhersteller, zusammen. Jetzt sind die Amerikaner nicht unbedingt für einen kleinen Fußabdruck bekannt...

Es ist tatsächlich so, dass diese Bedenken auch unsere Kunden haben. Aber Sundance Spas hat den Firmensitz in Kalifornien. Und dort gibt es in den USA die strengsten Umweltauflagen und höchsten Energievorschriften. Und in Skandinavien und Kanada gibt es auch einen großen Markt, weshalb die Amerikaner sehr bemüht sind, energiesparende Pools zu bauen. Es gibt jetzt auch noch einen neuen Isolierschaum, der noch einmal 15 Prozent mehr Energie einspart.

Ist es denkbar, dass man die Whirlpools nicht mehr mit Strom betreibt?

Viele Kunden kombinieren die Anlage schon heute mit ihrer Photovoltaik-Anlage und somit benötigt man fast gar keinen zusätzlichen Strom mehr. Man kann die Steuerung entsprechend einstellen. Ich denke, in solchen kombinierten Systemen liegt auch die Zukunft.

Wie whirlpool-verrückt sind die Plettenberger?

Die Plettenberger sind sehr Whirlpool- und Swimspa-affin – und in Plettenberg steht eine unsere besten Filialen, die wir in Deutschland betreiben.

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