Bundestagskandidaten zeigen bei Jugendforum Einigkeit

Jugendforum: "Wir brauchen mehr Polizei auf den Straßen"

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Die Bundestagskandidaten beim Jugendforum.

Plettenberg - Steuern, innere Sicherheit und soziale Gerechtigkeit – über diese drei Themen unterhielten sich am Mittwoch die Bundestagskandidaten mit den Jugendlichen beim Jugendforum. Die Meinungen der Politiker unterschieden sich dabei hauptsächlich in Nuancen.

Sechs Stehtische waren im Saal und dem Vorraum des Jugendzentrums aufgebaut, an dem sich die Jugendlichen gleichmäßig verteilten. Dann hatte jeder Politiker jeweils drei Minuten Zeit, mit jeder Gruppe zu sprechen, bevor es mit dem nächsten Thema weiterging.

Innere Sicherheit

Das Publikum, das hauptsächlich aus der 10. Klasse der Realschule bestand und somit noch gar nicht wählen darf, hatte zum Punkt innere Sicherheit trotzdem etwas zu sagen. „Wir können abends nicht mehr alleine rausgehen. Wir haben Angst“, berichteten einige Mädchen an verschiedenen Tischen. Die Begegnung mit anderen Kulturen sei nicht immer einfach gewesen.

Konrad Maier, parteiloser Bundestagskandidat, sagte dazu: „Wir müssen die Aufnahme von Flüchtlingen stoppen. Wir wissen noch gar nicht, wer hier ist und es muss auf die Struktur der Länder geguckt werden, aus denen die Menschen kommen.“ Zum Einwand einer Schülerin: „Aber die Menschen brauchen doch auch ein Zuhause“, erklärte Konrad Maier, man könne nicht mehr aufnehmen als möglich, da man ihnen sonst auch nicht helfen könne.

CDU-Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser meinte hingegen: „Die Menschen kommen aus anderen Kulturkreisen und haben andere Werte als zum Beispiel die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Flüchtlinge müssen unsere Werte kennenlernen und wir müssen auch einfordern, dass sie die Werte akzeptieren. Von uns wird das in anderen Ländern auch erwartet.“ Außerdem müsse man sichern, welche Menschen ins Land kämen, wofür bessere Technik benötigt wird, sodass die Polizeibehörden die Daten verdächtiger Personen schneller überprüfen können. Datenschutz sei zwar wichtig, aber der Schutz der Menschen sei wichtiger, als die Daten einzelner Personen, die möglicherweise kriminell sind.

Das die technische Ausrüstung besser seien müsste, sahen die Kandidaten von SPD und FDP ähnlich, um eine Identität schneller feststellen zu können. Allerdings waren die SPD, FDP, Linke und Grüne auch der Meinung, dass in Deutschland mehr Polizei nötig sei. „Eine Kameraüberwachung hilft nicht immer. Selbstmordattentätern ist es egal, ob sie dabei gefilmt werden, wenn sie andere Menschen mit in den Tod reißen“, sagte Christian Kißler (Linke). Zudem würden durch mehr Polizeibeamte nicht nur die Straßen sicherer, sondern auch mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und dies hänge wiederrum mit der sozialen Sicherheit zusammen. Diejenigen, die sozial abgesichert seien, würden weniger in die Kriminalität rutschen.

Steuern

Das Thema Steuern war für die meisten Jugendlichen noch weit weg. Trotzdem setzten sie sich damit auseinander. Zu Beginn machten die Politiker den Schülern deutlich, dass Steuern nötig seien, da unter anderem Schulen und Kindergärten davon bezahlt würden. „Straßenausbau, Breitband, Netzausbau, Bildung, Digitalisierung – all das wird mit Steuern bezahlt. Und mit einem Teil der Steuern wollen wir auch die Schulden senken“, sagte beispielsweise FDP-Kandidat Michael Schulte.

Einig waren sich, bis auf die CDU-Kandidatin, alle Parteien darin, dass es bei den Steuersätzen gerechter zugehen müsse. „Wir müssen das System ausgleichen. „Superreiche“ die 250 000 Euro im Jahr verdienen, zahlen genauso hohe Steuern wie jemand, der 60 000 Euro im Jahr verdient“, sagte Konrad Maier und auch Christian Kißler befand: „Reiche sollten mehr zahlen, um gering und mittel Verdienende zu entlasten.“ Dagmar Freitag, die sich ebenfalls für das Anheben des Spitzensteuersatzes aussprach, der nur bei sehr hohen Einkommen greift, war zudem der Meinung, dass da, wo Kinder sind, mit der Steuerentlastung begonnen werden müsste und nicht bei ledigen Personen.

Christel Voßbeck-Kayser schilderte, dass auch die CDU wolle, dass die Bürger mehr von ihrem Lohn behalten sollen und man daher die Steuern senken wolle. Reiche würden allerdings schon den höchsten Steuersatz zahlen und das Geld, was diese einnähmen, bräuchten sie als Unternehmer schließlich auch, um in ihr Unternehmen wieder investieren zu können. Zusammengefasst möchte die CDU die Schulden, die Deutschland hat, tilgen, gleichzeitig investieren und trotzdem die Steuern senken.

Soziale Gerechtigkeit

Neben dem Punkt gerechtere Steuersätze war für die Kandidaten auch Bildung ein Thema. Christian Kißler, der selbst sein Studium 2015 mit dem Bachelor in Biologie und Erziehungswissenschaften abschloss, bietet Lernvideos bei Youtube an, weil er die Meinung vertritt, Bildung sollte kostenlos sein. Konrad Meier sagte, dass nicht nur die Schulbildung kostenlos sein sollte, sondern auch an Universitäten. Zudem betonte er, dass sich Privatschulen komplett selbst finanzieren sollten. Dagmar Freitag unterstrich ebenfalls, dass Bildung kostenlos sein sollte, aber auch Eigenverantwortung der Schüler dazu gehöre, also die Chancen die man bekommt zu nutzen. Die Chancengleichheit sollte am besten schon in der Kita mit der Sprachförderung beginne.

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