Kleinkind am Samstag beerdigt

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Die leiblichen Eltern (nicht im Bild) aus Gelsenkirchen nahmen an dem Gedenkgottesdienst in Plettenberg teil und bestatteten ihren Sohn am Samstag letzter Woche.

Plettenberg - Fast genau  vor drei Wochen gab die Polizei-Pressestelle den Tod eines Kleinkindes bekannt. Der Pflegevater aus Plettenberg steht seitdem in Verdacht, den gewaltsamen Tod des 19 Monate alten Kleinkindes verursacht zu haben.

Wie der ermittelnde Staatsanwalt Michael Burggräf  auf Anfrage betonte, ist der 29-Jährige weiterhin nicht geständig und sitzt in Hagen in Untersuchungshaft. „Wir prüfen derzeit, die Mordkommission einzustellen“, sagte der Staatsanwalt. Irritationen gab es nach dem Besuch der leiblichen Eltern in Plettenberg. 

Die Gelsenkirchener besuchten am Mittwoch letzter Woche die Gedenkfeier in der Christuskirche und ließen Bürgermeister Ulrich Schulte im Vorfeld der Gedenkfeier wissen, dass sie die Kosten für die Bestattung ihres Kindes selbst tragen müssten. Der Plettenberger Bürgermeister initiierte daraufhin eine Spendenaktion. 

Wie Recherchen unserer Zeitung ergaben, hatte das Jugendamt Gelsenkirchen den leiblichen Eltern im Beisein eines Anwalts bereits fünf Tage vor der Gedenkfeier verbindlich mitgeteilt, die Bestattungskosten zu übernehmen.

 „Mittlerweile liegen uns sämtliche Rechnungen der Bestattung vor“, bestätigte Martin Schulmann, Sprecher der Stadt Gelsenkirchen. „Die Beerdigung des Kindes war am Samstag und wird von uns wie angekündigt komplett bezahlt“, sagte Schulmann und ergänzte, dass es „deutlich mehr war als eine Sozialbestattung.“ Man sei bei der Einzelfallentscheidung auf die „besondere Situation der Familie eingegangen“, so Schulmann.

Michael Schröder, Sachgebietsleiter Allgemeiner Sozialer Dienst

 Beim Plettenberger Jugendamt wäre in einem vergleichbaren Fall ähnlich gehandelt worden. Wie Michael Schröder, Sachgebietsleiter Allgemeiner Sozialer Dienst, erklärte, trage man für Pflegekinder alle Behandlungskosten und dementsprechend komme man auch für die Bestattungskosten auf, was bisher glücklicherweise noch nie vorgekommen sei. Wer bei einem Todesfall bei der Organisation und Gestaltung der Bestattung „den Hut aufhabe“ versuche man im Vorfeld abzustimmen. 

„Es macht natürlich einen Unterschied, ob ein Kind 10 oder 15 Jahre lang bei den Pflegeeltern war, oder nur ganz kurz“, sagte Schröder. Das sei dann eine Einzelfallentscheidung. Die Stadt kümmere sich aber in jedem Fall um ein angemessenes Begräbnis für das Pflegekind. Da es sich aber um Steuergelder handele, versuche man die Kosten über den Verursacher erstattet zu bekommen.

 Heißt im Klartext: Wird der Angeklagte strafrechtlich verurteilt, dürfte ein zivilrechtliches Verfahren folgen. Und dann versucht möglicherweise auch die Krankenkasse, die durch die Gewalttat entstandenen Kosten für die notärztliche Versorgung und den Rettungsflug von Lüdenscheid nach Essen zumindest teilweise erstattet zu bekommen. Ob das Jugendamt Gelsenkirchen so verfährt, ließ Martin Schulmann offen. Darüber habe die Rechtsabteilung zu entscheiden.

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