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Die „Geburt“ von Ritter Rost: Jörg Hilbert steht Schülern Rede und Antwort

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Von: Dirk Grein

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Der Autor und seine bekannteste Figur: Jörg Hilbert hatte Ritter Rost mit nach Plettenberg gebracht.
Der Autor und seine bekannteste Figur: Jörg Hilbert hatte Ritter Rost mit nach Plettenberg gebracht. © Grein, Dirk

Die meisten Leute würden beim Anblick des leckeren Kuchenstückes zur Gabel greifen und dieses genüsslich verspeisen. Das hat Jörg Hilbert zwar später auch getan, aber weil ihn der Kuchen an ein Gesicht erinnert hat, griff er zunächst zur Kamera, machte ein Foto und später davon eine Skizze. „Das könnte der Anfang einer Geschichte sein“, verriet der Autor den Ohler Schülern.

Plettenberg - Aus einer Anhängerkupplung wird ein Dino, aus einem Betonklotz mit Absperrgittern ein stöhnendes Gesicht: In vielen Alltagssituation sammelt der 57-Jährige Inspirationen für seine Werke. Die bekannteste seiner Kreationen brauchte er in Ohle nicht vorzustellen: Denn die Geschichten über Ritter Rost kannten alle Kinder. Wie diese entstehen, das verriet der Erfolgsautor in entspannter Atmosphäre, mit privaten Einblicken.

Im zarten Alter von sieben Jahren habe er seine ersten Piratengeschichten gemalt. Zu den Bildern erfand er passende Geschichten – das habe ihm große Freude bereitet. Mit zehn Jahren habe er begonnen, eine Ritterburg zu malen. Diese ergänzte er mit immer mehr Details. „Und in einer der Nachfolgeburgen wohnt Ritter Rost“, erzählte Hilbert.

Das erste Kinderbuch über den völlig untypischen Ritter kam 1994 auf den Markt. Bereits damals war Hilbert in dreierlei Hinsicht beteiligt: als Diplom-Designer, der Text und Bilder geschaffen und das Layout erstellt hatte. Inzwischen sind mehr als 30 Bücher über Ritter Rost erschienen, es gibt eine TV-Serie und sogar Kinofilme.

Doch Hilberts Schaffen ist weitaus vielfältiger: Insgesamt habe er rund 200 Bücher für Kinder, aber auch für Erwachsene geschrieben; weltweit seien mehr als zwei Millionen seiner Werke verkauft worden. „Bist du ein echter Millionär?“, fragte ein Grundschüler ganz unverblümt, angesichts dieser imposanten Aufzählung. „Das nicht, aber ich bin in der glücklichen Lage, gut von meiner Arbeit leben zu können“, sagte Hilbert.

Dazu passend lieferte er ein Rechenbeispiel: Gut 20 Euro koste ein großes Ritter-Rost-Buch. Abzüglich der Anteile von Händlern und Verlag verbleiben etwa zehn Prozent dieser Summe beim Autor. „Und die teile ich noch mit einem Musiker, denn Ritter Rost ist auch wegen der Lieder so beliebt“, sagte Hilbert.

Mit seinem Enthusiasmus verstand es der Bücherprofi, die Kinder zu begeistern. Kurze Videosequenzen und Bilder gaben Einblicke in Hilberts „Werkstatt“ in Essen, wo zwei Bildschirme zu den wichtigsten Werkzeugen gehören. „Früher habe ich noch alles von Hand gemalt, heute funktioniert vieles digital.“

Das gilt allerdings nicht für die anfänglichen Skizzen auf Papier, die Hilbert als „Überlegungen in Linien“ bezeichnet. Erst entstehen dabei die großen Dinge, später die kleineren. Mindestens fünf Skizzen von einem Motiv fertigt er an, ehe Pinsel und Farbe zum Einsatz kommen; bis zu diesem Punkt könne aber auch schon mal ein Arbeitstag vergehen, verriet Hilbert.

Der Weg einer Skizze über das Kolorieren bis hin zum fertigen Bild in einem Buch verdeutlichte der Illustrator per Beamer. Die Schüler reagierten mit lautem „Wow“ auf diesen kreativen Prozess.

Nach kurzem Abstecher in die Themen Layout und Typografie stellte sich Hilbert den Fragen der Schüler, ehe er Pixi-Bücher verteilte und Karten signierte. Zum krönenden Abschluss durften die Schüler Ritter Rost noch die Hand schütteln – Hilbert hatte eine große Figur mit nach Plettenberg gebracht, die er einst nach seinen Bildern für sich hatte anfertigen lassen: „Ein bisschen bleibt man eben Kind, das bringt mein Beruf mit sich“, erklärte er mit einem Lächeln.

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