Das Ordnungsamt kam nach dem Auftritt

Ein Auftritt unter schwierigen Bedingungen

Der Auftritt  fand auf dem Balkon von Andreas Böcker statt.
+
Die Subs-Tanz-Party-Band wollte mit ihrer Probe lediglich die Nachbarn erfreuen. Am Ende sorgte dies aber für einen Besuch des Ordnungsamtes.

Plettenberg – Es war deutlich nach 18 Uhr. Die Mitglieder der neuformierten SubsTanz-Party-Band packten gerade ihre Instrumente ins Auto, als eine Mitarbeiterin des Plettenberger Ordnungsamtes vorstellig wurde. 

Ein Nachbar hatte offenbar die Polizei verständigt, weil er eine Menschenansammlung vor dem Haus von Andreas Böcker sah. Dort hatte zuvor - noch vor dem Lockdown - ein zweistündiges Balkonkonzert stattgefunden. Da die Polizei durch die Suchaktion nach einem vermissten Plettenberger viele Kräfte gebunden hatte, wurde das Ordnungsamt um Amtshilfe gebeten. „Man hat mir gesagt, dass man das Ganze abgebrochen hätte, wenn es einen Veranstaltungscharakter gehabt hätte“, sagte Böcker im Gespräch mit unserer Zeitung. Das sei aber nicht der Fall gewesen.

Nach vorheriger Absprache mit Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel habe er auf eine breit angelegte Ankündigung im Vorfeld bewusst verzichtet. Die meisten Nachbarn hätten vom Balkon aus zugesehen und mit Taschenlampen geleuchtet. Weitere Nachbarn und einige wenige weitere Zuschauer hätten in einer Hofeinfahrt mit deutlichem Abstand zueinander gestanden und teilweise auch Mundschutz getragen. An diesem Beispiel lässt sich gut die Verwirrung erkennen, die die neusten Einschränkungen und Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verursacht haben. Denn letztendlich stellten sich auch die Band-Mitglieder die Fragen: „Was ist in diesen Zeiten noch erlaubt?

Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel hat vor allem das große Ganze im Blick. „Jeden Tag sterben 300 bis 500 Menschen und es liegen 4 500 Menschen auf der Intensivstation.“ Dem gelte es Rechnung zu tragen. Im besagten Fall sei es „unzweckmäßig gewesen, die Musik so laut aufzudrehen, dass sie Ansammlungen von Menschen hervorrief.“ Der Initiator habe den Auftritt nach dem Vorbild der Balkonkonzerte in Italien veranstaltet, um die Nachbarn zu erfreuen. „In dieser Zeit ist es aber wohl besser, auf solche Aktionen zu verzichten, damit sich solche Menschenansammlungen vermeiden lassen“, sagte Spiegel, dessen Mitarbeiterin keine Strafe verhängte.

Bewusst kein richtiges Konzert veranstaltet

Wie Andreas Böcker betonte, wollten die Musiker der neuformierten Band ihren Nachbarn nur eine Freude bereiten und sahen sich eigentlich auf der sicheren Seite mit ihrer Planung. Denn um ein richtiges Konzert hatte es sich dabei ganz bewusst nicht gehandelt. In der Nachbarschaft war lediglich im Vorfeld bekannt gegeben worden, dass es an dem Abend für zwei Stunden mal etwas lauter würde. „Auf Facebook haben wir nichts angekündigt“, sagte Böcker im Gespräch mit unserer Zeitung. Damit sollte verhindert werden, dass zu viele Menschen zur Probe kommen würden und damit die Corona-Regeln nicht mehr hätten eingehalten werden können. Der Rahmen war bewusst klein gehalten.

Der Balkon von Ralf und Kathy Böcker, Keyboarder und Sängerin der Band, erstrahlte in bunten Farben. Gut zwei Stunden gab es für die Nachbarschaft etwas auf die Ohren. Auf den Einfahrten um die „Bühne“ im Holthauser Birkensiepen herum konnten die Zuschauer die Abstände einhalten und Songs wie „An Angel“, „Amazing Grace“ oder dem südafrikanischen „Jerusalema“ lauschen. Um letzteres Lied ist in den letzten Wochen übrigens ein richtiger Internet-Hype entstanden. Passend zur Krisensituation tanzen sich Menschen in Videos den Frust von der Seele. „Den haben wir ganz aktuell eingeübt“, erklärte Böcker im Gespräch mit unserem Reporter. Böcker freute sich, mit der Probe einigen Plettenbergern ein wenig Abwechslung geboten zu haben.

Zusammen mit seiner Frau Kathy sowie mit Guido und Martina Schönfelder bildet Böcker den Kern der neuen Band. Die insgesamt sechs Musiker treten in verschiedenen Formationen auf – als Duo, Trio und Quartett. Die Subs-Tanz-Partyband ist aus der inzwischen nicht mehr existierenden Band Flashlight entstanden, die über 20 Jahre lang auf Hochzeiten, Schützenfesten und Feiern aller Art in der Umgebung gespielt hat. Immerhin gab es – trotz des Besuchs vom Ordnungsamt – am Ende auch schöne Nachrichten für die Musiker. Die Rückmeldungen aus der Nachbarschaft seien bis auf die Beschwerde bei der Polizei überwiegend positiv gewesen. „Sehr schön, endlich ein bisschen Weihnachtsstimmung“, lobte eine Anwohnerin im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das war eine gelungene Aktion!“ 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare