Rätselraten um Akku eines Aldi E-Bikes

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Der Plettenberger Jens Schumacher zeigt das Akkumodell eines Aldi E-Bikes, das er nur mit sehr viel Aufwand fachgerecht entsorgen konnte.

Plettenberg – Der Markt der E-Bikes explodiert. Die Händler in Plettenberg und anderswo haben schon Mühe, genügend Fahrräder mit den elektrischen Akkus bereitzustellen. Doch was passiert, wenn das E-Bike keinen Saft mehr hat und der Akku entsorgt werden muss? Dabei hat der Plettenberger Jens Schumacher eine regelrechte Odyssee erlebt, die er im Interview mit Georg Dickopf schildert.

Herr Schumacher, Sie haben Außergewöhnliches bei der Entsorgung eines Fahrrad-Akkus erlebt... 

Das kann man so sagen. Es geht dabei um den defekten E-Bike-Akku des sieben Jahre alten City-Bikes meiner Mutter und der verzweifelten Suche nach einer Entsorgungsstelle. Nachdem keine Antriebsleistung mehr vorhanden war und der Akku sich nicht mehr laden ließ, prüfte ich ihn durch einen Elektriker. Ergebnis: Komplett entladen und nicht mehr zu retten. Also habe ich einen neuen Akku bestellt, geladen und eingebaut. Super, funktioniert wieder!

Was haben Sie mit dem defekten Akku gemacht? 

Erste Anlaufstelle war beim Umweltverantwortlichen in unserer Firma, der gleich abwinkte und sagte, dass so etwas nicht in die Batterie-Entsorgungsboxen dürfe. Nun machte ich mich beim Bringhof in Werdohl schlau, die ebenfalls ablehnten, E-Bike-Akkus entgegen zu nehmen. Also probierte ich es beim Schadstoffmobil. Ein freundlicher Mitarbeiter empfing mich gleich mit dem Hinweis: „Sorry, aber diese Art von Akkus nehmen wir nicht entgegen“. Ich solle es beim E-Bike-Händler probieren, da dieser solche verkauft und verpflichtet ist, alte oder defekte Akkus nach dem Batteriegesetz zurückzunehmen. 

Wie erfolgreich war der Tipp? 

Zwei Plettenberger Händler habe ich angerufen und bekam die Antwort, dass sie keine Alt-Akkus annehmen, weil sie aktuell selber nicht wissen, wohin damit und das gleiche Problem hätten. Ich bekam aber den Hinweis, doch mal beim „Deutschen Akkuservice“ anzurufen. Ich dachte: Super, endlich habe ich jemanden gefunden! Auf deren Website war zu lesen: „Sie haben einen alten Akku und wissen nicht wohin damit – kein Problem, wir nehmen auch diesen an und bauen ihn fachgerecht zurück!“ (O-Ton). Voller Euphorie rief ich dort an und fragte, wann ich vorbeikommen könne. Die Frau am Telefon fragte nach dem Akkumodell. – „Samsung …“. Nach Rücksprache mit einem Kollegen sagte sie: „Tut mir leid, dieses Modell können wir leider nicht entgegennehmen“. 

An der Stelle hätten wohl viele aufgegeben...

 Ich probierte es danach im Rathaus, wo man sehr engagiert war und sich mit meinem Problem an den Entsorgungsfachbetrieb Lobbe wandte. „Die müssen eine Lösung anbieten“, hieß es. Ein paar Tage später kam aber auch hier eine Absage. 

Was passierte dann? 

Eine Idee hatte ich noch: Da das E-Bike damals in einer Plettenberger Aldi-Filiale gekauft wurde, dachte ich mir: ‚Frag‘ da doch mal nach‘. Ich probierte es direkt über den Hauptsitz in Essen und bekam den Hinweis, dass Aldi keine elektronischen Geräte oder auch Akkus zurücknimmt. Für diese Zwecke wurde die Firma take-e-way beauftragt, die sich auf die Rücknahme von Elektrogeräten spezialisiert haben. Dort musste ich diverse Dinge beantworten – auch zu der Frage, wer denn diese Aussage bei Aldi getätigt habe, dass Akkus zurückgenommen würden. Das stimme nicht. Es würden nur komplette E-Bikes zurückgenommen, die online gekauft wurden. Einzelne Akkus leider nicht. 

Das konnte Sie nun auch nicht mehr abschrecken..? 

Stimmt. Die Frau von take-e-way nannte mir die nächste Anlaufstelle, mit der sie Kontakt aufnahm. ‚GRS-Batterien‘ (Gemeinsames-Rücknahme-System, siehe Infobox) hieß der nächste Versuch. Und das war die Rettung bei der Akku-Odyssee? Fast. Drei Tage später meldete sich GRS. Nach Schilderung meiner Aktivitäten sagte der außerordentlich erstaunte Mann, dass die Rückgabe des Akkus nun doch über einen ortsansässigen Fahrrad-Händler abgewickelt werden könne. Dazu wurde mir mitgeteilt, dass die Hersteller von Elektrofahrrädern mit GRS Verträge über die Rücknahme und umweltverträgliche Verwertung von gebrauchten Industriebatterien geschlossen haben. Das Unternehmen bietet auf dieser Grundlage die kostenlose Rücknahme von gebrauchten E-Bike-Batterien an. Ich war skeptisch, aber auch optimistisch und fuhr ein paar Tage später mit diesem Hinweis zum Händler und fragte, ob er diesen Akku nun entgegen nimmt bzw. entsorgen kann? „Ja“, sagte er! Etwas ungläubig schaute ich ihn an, gab ihm den Akku. Unglaublich, ich hatte es geschafft!

 Was ist Ihr Fazit daraus?

 Man muss sich aus ökologischer Sicht die Frage stellen, wie sich das Ganze in ein paar Jahren gestaltet, wenn Tonnen an „Akku-Schrott“ entsorgt oder recycelt werden müssen.

Dank der Vorarbeit von Jens Schumacher wurden die heimischen Händler von der Stiftung GRS noch einmal auf die Akku-Rücknahmeverpflichtung hingewiesen. Georgios Chryssos, vom Vorstand der Stiftung GRS Batterien beantwortet dazu die folgenden Fragen. 

Was tut man mit einem alten Fahrrad-Akku, wenn man ihn entsorgen will? 

Private Endverbraucher können alte E-Bike-Akkus bei dem E-Bike-Akkus vertreibenden Händler kostenlos zurückgeben. Der vertreibende Händler ist auch verpflichtet diese zurückzunehmen. Die Abgabe ist auch bei jeder kommunalen Sammelstelle möglich. Allerdings hat diese keine Annahmepflicht für eine separate Batterie.

 Sind in den Akkus eigentlich wertvolle Rohstoffe verbaut und dürfte ich so einen Akku in der Restmülltonne entsorgen? 

E-Bike-Batterien sind meist sogenannte Lithium-Ionen-Akkus, die hochwertige Rohstoffe wie Cobalt oder Mangan enthalten. Diese Akkus gelten transportrechtlich als Gefahrgut und können bei unsachgemäßer Behandlung schwerwiegende Brände auslösen. Ein Lithium-Ionen-Akku darf unter keinen Umständen im Restmüll entsorgt werden. Er muss unbedingt der separaten Batterie-Entsorgung zugeführt werden.

 Was verbirgt sich hinter GSR?

 Die Stiftung GRS Batterien ist nicht gewinnorientiert und betreibt Batterie-Rücknahmesystem

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