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Jagd auf den Fuchs: Kritik von PETA am Plettenberger Hegering

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Von: Georg Dickopf

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Die Jagd nach Füchsen ist umstrittenen - und die Ausbildung von Hunden dafür auch, so wie jetzt in Sönnern.
Die Jagd nach Füchsen ist umstrittenen. Eine solche ist am Wochenende in Plettenberg geplant. © Alexander Heinl dpa

Nach PETA-Kritik: Ansitzjagd des Hegerings steht an diesem Wochenende besonders im Fokus

Plettenberg – Wenn der Hegering Plettenberg am Wochenende zur Jagd bläst und am Sonntagmorgen vor dem Köbbinghaus die Strecke legt – also dem erlegten Wild auf Fichtenzweigen gebettet die letzte Ehre erweist –, dann ist das den Anhängern der Tierrechtsorganisation PETA ein Dorn im Auge.

Mehr noch, die Mitglieder des 1993 in Deutschland gegründeten Vereins werfen „den Hobbyjägern“ in Plettenberg vor, dass die Füchse „hauptsächlich als lebendige Zielscheibe“ dienen. Die Jagd würde unter dem „Deckmantel des Artenschutzes“ erfolgen. Und ein weiterer Grund für die Jagd auf den Rotrock wird angeführt: „Jegliche Jagdkonkurrenz wie die Füchse wird meist gnadenlos verfolgt.“

Ein Fuchs, wie ihn die Jägerschaft mit der „Rollenden Waldschule“ präsentiert. Die mobile Schau ist mit Präparaten heimischer Wildtiere bestückt, um sie vor allem Kindern in Schulen oder Kitas näher zu bringen.
Ein Fuchs, wie ihn die Jägerschaft mit der „Rollenden Waldschule“ präsentiert. Die mobile Schau ist mit Präparaten heimischer Wildtiere bestückt, um sie vor allem Kindern in Schulen oder Kitas näher zu bringen. © Kröger

Auch sei das Argument, dass Füchse Krankheiten übertragen, längst widerlegt, da die Tollwut in Deutschland seit 2008 ausgerottet sei.

Beim Hegering Plettenberg erzeugte das Schreiben, das nicht an den Hegering selbst, sondern bundesweit an die Presse versandt wurde, für Kopfschütteln und Unverständnis. So gab Oliver Thole als Obmann des heimischen Hegerings zu verstehen, „dass die Jägerschaft alles andere ist, als ein mordender Mob.“

Im Gegenteil: So sei der Fuchs kein gehasster Konkurrent, der ausgerottet werden müsse, sondern „eine Bereicherung der heimischen Fauna“. Da er allerdings selbst keine natürlichen Feinde habe und bestimmte Krankheiten, die vom Fuchs übertragen würden, durchaus gefährlich seien, müsse der Bestand reduziert werden. In Frage stellt Thole in seiner Stellungnahme die von der PETA angeführten Zahlen und Quellen.

Anders als die PETA kann er sich aber durchaus Themen vorstellen, bei denen man zusammenarbeiten könnte.

Das sagt die PETA: Fuchsjagdverbot ist überfällig

Die international tätige Tierrechtsorganisation PETA (Anm. der Redaktion: Der Name PETA steht für „People for Ethical Treatment of Animals“, auf Deutsch: „Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“) übt wegen sinnloser Tötungen bei der Fuchsjagd scharfe Kritik am Hegering Plettenberg:

Ab dem 6. Januar findet der sogenannte Fuchsansitz des Hegerings Plettenberg statt. Dabei wollen die Jäger und Jägerinnen unter dem Deckmantel des Artenschutzes zwischen dem 6. und 8. Januar revierübergreifend möglichst viele Füchse töten. Die erschossenen Tiere sollen dann beim „Streckelegen“ am 8. Januar am Köbbinghaus zur Schau gestellt werden. PETA übt scharfe Kritik an dem Jägerverein, da laut Tierschutzgesetz ein „vernünftiger Grund“ für das Töten eines Tieres vorliegen muss. Bei der flächendeckenden Jagd auf Füchse ist ein solcher nach Auffassung der Tierrechtsorganisation jedoch nicht gegeben.

PETA fordert die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen auf, im Landesjagdgesetz ein Verbot der Fuchsjagd zu ergänzen. Zudem appelliert die Tierrechtsorganisation an die Vereinsmitglieder, die Fuchsjagd aus Tierschutzgründen umgehend zu stoppen und Respekt vor dem Leben zu zeigen.

400 000 Füchse durch Jäger getötet

„Bundesweit werden jährlich rund 400 000 Füchse durch Hobbyjäger sinnlos getötet, allein in Nordrhein-Westfalen sind es über 50 000 Tiere. Viele von ihnen sterben sogar einen langsamen Tod durch Fehlschüsse oder bei der grausamen Fallenjagd“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Es gibt keinen Grund, die nützlichen Tiere zu töten. Die Politik muss endlich handeln.“

Füchse dienen den Hobbyjägern hauptsächlich als lebendige Zielscheibe, denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht besteht ein Grund für die massenhafte Bejagung der Beutegreifer.

Die teilweise noch immer geäußerten Vorurteile gegenüber den Tieren beruhen auf längst widerlegten Annahmen: So ist die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Füchse nahezu auszuschließen. Deutschland ist seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut, und der Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas.

Die Jagd auf Füchse hat keinerlei regulierenden oder reduzierenden Auswirkungen auf die Population, weil Verluste rasch durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen werden. Auch das von den Jägern vorgeschobene Argument des Artenschutzes ist Augenwischerei.

Füchse ernähren sich vornehmlich von Mäusen. Untersuchungen zufolge ernährt sich jeder Fuchs von rund 3000 bis 5000 Mäusen pro Jahr. Populationsrückgänge betroffener Arten wie beispielsweise dem Feldhasen sind überwiegend auf den Lebensraumverlust und das schwindende Nahrungsangebot zurückzuführen. Hinzu kommt, dass die Jägerschaft bundesweit selbst jedes Jahr mehr als 100 000 Feldhasen tötet. Jegliche Jagdkonkurrenz wie die Füchse wird meist gnadenlos verfolgt.

Das Beispiel Luxemburg zeigt: Fuchspopulationen regulieren sich selbst

Verbot In Luxembourg

Aufgrund dieser Fakten hat die Regierung in Luxemburg bereits im April 2015 ein Verbot der Jagd auf Füchse durchgesetzt. Das Fazit nach sieben Jahren: Keine Probleme. Fuchspopulationen regulieren sich aufgrund von Sozialgefügen sowie Nahrungsverfügbarkeit und Krankheiten selbst.

Als Gesundheitspolizei sind Füchse zudem ein wichtiges Glied im Kreislauf der Natur. Sie sichern nicht zuletzt auch ihren Beutearten das Überleben, indem sie schwache und kranke Tiere erbeuten und Krankheitsherde somit sofort eliminieren. Ein Verbot der Fuchsjagd ist längst überfällig. Dazu hat PETA eine Petition ins Leben gerufen. Das Motto: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Das sagt der Hegering: „Es ist sinnvoll, Füchse zu bejagen“

Zu den Vorwürfen bezieht Oliver Thole, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Hegering Plettenberg, Stellung:

Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert die Jagd im allgemeinen und im Besonderen die revierübergreifende Fuchsjagd, die am Wochenende von einigen Hegeringen in ganz Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird.

Rollende Waldschule an der Realschule
Hegering-Obmann Oliver Thole befürwortet die Jagd auf Füchse. © Dirk Grein

Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation fehle der vernünftige Grund für solch einen „massenhaften Abschuss“. Weiter wird das Beispiel Luxemburg angeführt, wo es keine Fuchsbejagung gibt und es werden die durch Füchse und anderes Raubwild übertragbaren Krankheiten (und zwar auf Mensch und Haustier) generell in Frage gestellt.

Bei dem Argument, dass kein Krankheitsrisiko besteht, muss ich widersprechen, denn dass die Tollwut hierzulande ausgerottet ist, ist den Jägerinnen und Jägern zu verdanken, die maßgeblich durch Maßnahmen wie die Bejagung und Impfaktionen, die nicht nur per Helikopter, sondern gezielt durch die Jägerschaft unter erheblichem Aufwand und Kosten durchgeführt wurden.

Was passiert, wenn die Jägerschaft nicht mit eingebunden wird, hat man in den 70ern gesehen, als angebliche Fuchsbaue begast wurden, um die Ausrottung der Füchse zu erreichen. Ende vom Lied war, dass der Dachs an den Rand der Ausrottung gebracht wurde, weil er tagsüber viel Zeit im Bau verbringt und der Fuchs nur sporadisch unter der Erde lebt.

Tödlicher Fuchsbandwurm

Eine Ansteckung durch den Fuchsbandwurm ist in der Tat recht selten, aber verläuft nahezu immer tödlich.

Da der Fuchs ein ausgesprochener Opportunist und Allesfresser ist und prima von unserem Wohlstandsmüll leben kann, ist er uns auch näher als je zuvor. Er streift durch die Stadt auf der Suche nach Fressbarem und hinterlässt überall seine Duftmarken und seinen Kot – dies meist an exponierter Stelle wie in Sandkästen, Erdhügeln, Randsteinen und an Komposthaufen.

Die Räude, unter der vor ein paar Jahren viele Füchse in Südwestfalen litten, ist, wenn auch behandelbar, auf alle Säugetiere übertragbar. Wer schon mal einen Fuchs, ein Reh, eine Katze oder einen Hund mit starkem Räudebefall gesehen hat, wird das nie vergessen. Zudem können auch Menschen von Räude befallen werden, sie heißt dann nur Krätze.

Bei Räude/Krätze handelt es sich um eitrige Entzündungen der Haut, die durch sogenannte Grabmilben hervorgerufen werden. Diese „graben“ sich durch die Haut und legen dabei Eier ab. Es ist also durchaus sinnvoll, den angestiegenen Bestand an Rotfüchsen zu bejagen.

Am Samstag wird gejagt rund um Halver
Am Wochenende wird gejagt rund um Pletenberg. © Florian Hesse

Zum Argument, dass es in Luxemburg keine Fuchsjagd braucht, kann ich sagen, dass die sogenannte Regulierung durch Abwandern nur so lange funktioniert, bis andere Lebensräume gesättigt sind. Wir sind hier so lange fast seuchenfrei, weil der Rotfuchs bejagt wird.

Zum langsamen Tod durch Fehlschüsse ist anzumerken, dass jedes Wildtier ordentlich durch ausgebildete und geprüfte Nachsuchenführer und ihre Gespanne gesucht wird. Gleiches gilt für die Wildtiere, die im Straßenverkehr verunfallen.

Der Fuchs ist für den Jäger sicher kein gehasster Konkurrent, den es auszurotten gilt, sondern eine Bereicherung der heimischen Fauna. Der Fuchs hat allerdings keinen natürlichen Feind und sein Bestand wird deshalb besser durch die Jägerschaft, als durch Seuchen und Parasiten reguliert und keineswegs ausgerottet.

In fast jedem Schreiben der PETA wird mit teilweise völlig aus dem Kontext gerissenen Zahlen und internationalen Quellen eine Scheinwahrheit geschaffen, die Stimmung gegen die Jägerschaft machen soll. Es gibt wahrlich andere Themen, wo Jäger und auch PETA vielleicht an einem Strang ziehen könnten.

Zuletzt noch eine Anmerkung zum Vorwurf, dass die Füchse beim Strecke legen zur Schau gestellt werden.

Es ist nun mal alter Jägerbrauch, dem erlegten Wild die letzte Ehre zu erweisen und es soll zeigen, dass die Jägerschaft alles andere ist als ein mordender Mob.

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