Kotbeutel am Wegesrand sind nur ein Problem

Jäger und Landwirte appellieren an die Bürger: "Keine Erholung auf Kosten der Natur!"

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Wildtiere benötigen gerade in der jetzigen Zeit Ruhe.

Das besonders gute Wetter der vergangenen Wochen hat in Zusammenhang mit den Corona-Verboten auch eine Schattenseite: Der Erholungsdrang vieler Mitbürger gehe derzeit zu Lasten von Heuwiesen, Äckern, aber auch der Wildtiere. Daher richten Landwirte und Jäger einen dringenden Appell an die Bevölkerung – und hoffen auf Verständnis und Rücksichtnahme.

„Wir haben absolut Verständnis dafür, dass die Menschen in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie in der Natur Ablenkung und Erholung suchen. Uns freut das gesteigerte Interesse an unserer wundervollen Landschaft“, erklärt der Plettenberger Hegering.

Jedoch würden die heimischen Jäger zunehmend beobachten, dass sich einige Hundebesitzer, Mountainbiker und Wanderer nicht an das Wegegebot halten würden. „Wir müssen und wollen deshalb hier aufklären – zum Schutze der Feldfrucht, der Futterwiesen und der Wildtiere!“

Die heimische Pflanzenwelt würde derzeit ohnehin aufgrund der großen Trockenheit leiden. Daher sei es fatal, „wenn diese auch noch platt getrampelt werden“, erklärt der Hegering.

Groß sei auch die Sorge von Landwirt Friwi Schulz-Wiemann, wenn die frei laufenden Hunde dann auch noch in die Wiese gehen würden. Der Hundekot führe nicht nur dazu, dass der spätere Heuballen komplett faul wird und verworfen werden muss, was immerhin einen finanziellen Schaden von mindestens 50 Euro mit sich bringe. 

Viel schlimmer sei es jedoch, wenn der Kot unentdeckt bleibt und von Pferden und Kühen mit dem Heu gefressen wird. Die Tiere könnten dadurch schwer erkranken. Deshalb appelliert Schulz-Wiemann, der auch privat einen Hund führt, die Vierbeiner nicht mehr auf die Felder zu lassen und den Kot auch neben den Wegen bitte einzusammeln. Auch hier schleiche sich leider bei manchen Mitbürgern ein, den Kotbeutel ins nächste Gebüsch zu schmeißen. Diese Beutel gehören aber immer in den Mülleimer.

,,Wir möchten betonen, dass es uns nicht um Belehrungen geht, sondern wir wollen darauf aufmerksam machen, dass man mit fremden Eigentum respektvoll umgehen sollte‘‘, erklärt Schulz-Wiemann.

Brut- und Setzzeit

Mit dem Frühjahr beginnt die Brut- und Setzzeit der Jungtiere. „Zahlreiche Singvögel haben jetzt mit der Brut begonnen. Neben dem Hasen und Kaninchen, setzen zudem auch die Rehe bald ihre Kitze. Die Wildschweine sind bereits mit ihrem Nachwuchs unterwegs,“ erklärt Philip Plassmann, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit im Hegering Plettenberg.

Zur Zeit der Aufzucht bräuchten die Wildtiere viel Ruhe, um ihre Jungen groß zu ziehen. Stress und Störungen – vor allem durch frei laufende Hunde abseits der Wanderwege – wirke sich negativ auf die Tiere aus. „Wir bitten alle verantwortungsvollen Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und Hunde an der Leine zu führen.“ Denn leider komme es immer wieder zu Zwischenfällen mit tragenden Tieren oder Jungtieren durch freilaufende Hunde. „Dieses Tierleid wollen wir unter allen Umständen verhindern,“ so Plassmann.

Daher bittet man alle Erholungssuchenden um besondere Rücksichtnahme. Auch im vergangenen Jahr sei es in etlichen Revieren Plettenbergs wieder zu sehr unschönen Szenen gekommen, bei denen freilaufende Hunde im Feld oder im Wald trächtige Ricken oder bereits gesetzte Kitze angefallen oder getötet hätten. Diese Tiere hätten danach fast keine Überlebenschancen mehr. Was bleibt, ist ein leidendes oder totes Tier und Betroffenheit bei allen Beteiligten.

"Spiele ja auch nicht nachts bei Ihnen im Schlafzimmer Schlagzeug"

Auch die Ausfahrt mit dem Mountainbike sei jedem gegönnt – aber bitte nur auf den offiziellen Wegen. ,,Wer teils in der späten Dämmerung mit Stirnlampe noch querfeldein fährt, verhält sich absolut rücksichtslos. Solche Fälle sind sehr ärgerlich und störend fürs Wild. Ich spiele ja auch nicht nachts bei ihnen im Schlafzimmer Schlagzeug“, erklärt Plassmann.

Zudem würden sich Fälle falsch verstandener Tierliebe in den letzten Jahren immer mehr häufen, berichten die Jäger. Feldhasen und andere Jungtiere, wie beispielsweise ein vermeintlich verwaistes Kitz, würden aufgesammelt und mit nach Hause genommen.

„Jungtiere sollten unter keinen Umständen angefasst werden“, warnt Thomas Kroll-Bothe, Obmann für Naturschutz und Biotophege. „Es ist ganz normal, dass ein Jungtier alleine, gut versteckt im Gras oder Feld sitzt. Hier wird es in einem ruhigen Moment von seiner Mutter gesäugt.“ Wird ein Tier angefasst, müsse es verhungern, weil die Mutter nicht mehr zurück kommt. Wer sich unsicher ist, ob ein Tier verletzt oder verlassen ist, sollte sich an eine sachkundige Stelle wenden. Hierfür stünden der Hegering Plettenberg und seine Jäger gerne zur Verfügung.

Waldbrandgefahr

Landwirte, Jäger und Förster bitten zudem alle Erholungssuchenden in Wald und Feld um besondere Vorsicht, da die Waldbrandgefahr bereits wieder groß sei. ,,Der Waldboden und die Wiesenflächen sind wegen des Ausbleibens des dringend erhofften Regens staubtrocken. Eine unachtsam weg geworfene Zigarette kann bereits einen Brand auslösen‘‘, so Kroll-Bothe.

 In den letzten Tagen mussten in NRW bereits Waldbrände gelöscht werden, die durch Unachtsamkeit durch Personen entstanden sind. Es wird gebeten, kein offenes Feuer im Wald und in seiner Nähe anzuzünden. Zigaretten sollten definitiv erloschen sein und bitte auch im Mülleimer entsorgt werden.

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