Wir haben uns umgesehen in Plettenberg:

Was geht noch nach dem Lockdown in der Innenstadt?

Nach dem Lockdown ist in der Plettenberger Innenstadt nicht mehr viel los
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Während viele Geschäfte in der Innenstadt seit Mittwoch geschlossen haben, können Inhaber Paul Spreemann und seine Verkäuferinnen den Feinkost-Bereich im Eingang des Geschäfts Inspiration geöffnet lassen. Der Dekobereich ist mit Flatterband abgesperrt.

Plettenberg – Wer singt denn da so fröhlich ein Weihnachtslied? „Jingle bell, jingle bell, jingle bell rock“, schallt es leise, aber gut hörbar durch die Fußgängerzone.

Die Stimme kommt vom Obertor, ja, dahinten steht der Sänger und lässt zum Gesang auch noch die Hüften kreisen: ein lebensgroßer Weihnachtsmann vor dem Geschenkeladen Inspiration, der fast in Dauerschleife sein Liedchen trällert. Na immerhin ein bisschen gute Laune in ansonsten eher trostlosen Zeiten.

Echten Menschen begegnet man in der Fußgängerzone seit Mittwoch kaum noch, und wenn, dann tragen sie oft eine gelbe Kluft und verteilen Päckchen im Namen der Deutschen Post. Die Lieferungen nach Hause boomen, man sieht vielerorts an den Vormittagen in der Innenstadt die Postautos. Die Einzelhandelsgeschäfte dagegen haben seit dem Beginn des neuen Lockdowns am Mittwoch weitestgehend geschlossen. Das Modehaus Otto? Zu. Der Elektrohändler Reingen? Dicht. Die Bar Stadtleben? Geschlossen. Der Geschenkeladen Inspiration? Moment mal. Da brennt doch Licht und neben dem singenden Weihnachtsmann steht die Eingangstür offen.

Absperrbänder verhindern Durchgang

Drinnen bezahlt eine Kundin gerade eine Flasche Olivenöl. Tiefer im Ladeninneren verhindern Absperrbänder den Durchgang, sodass nur der vordere Bereich geöffnet ist. Hier verkaufen Ladeninhaber Paul Spreemann und seine Angestellten Feinkost wie Cookies, Pralinen oder Öle. Und weil Lebensmittel trotz des Lockdowns weiter verkauft werden dürfen, nutzt Spreemann dieses Schlupfloch, um sein Geschäft weiter geöffnet zu halten. „Wir verkaufen schließlich verderbliche Ware“, sagt der Einzelhändler.

Vereinzelte Kunden nutzen dieses Angebot – aber der Zulauf ist bei weitem nicht mit dem zu vergleichen, den die Inspiration-Verkäuferinnen noch Anfang der Woche erlebt haben. Seitdem feststand, dass die Geschäfte schließen müssen, sei „richtig viel los“ gewesen. Viele wollten vor dem Lockdown offenbar noch einmal Weihnachtsgeschenke shoppen.

Beim Blick in die Wilhelmstraße sieht man nur noch sehr wenige geöffnete Geschäfte-

Ein paar Häuser weiter kennen die Angestellten diese Situation. In der Stadtbücherei schmücken die Mitarbeiterinnen gerade den Weihnachtsbaum im Eingang ab, denn Kunden werden die Räume in diesem Jahr nicht mehr betreten. Am Dienstag, dem letzten Öffnungstag vor dem Lockdown, hatte es dagegen einen regelrechten Ansturm gegeben. Etliche Kunden sicherten sich noch ein paar Bücher, DVDs, Zeitschriften oder Tonie-Figuren für die Zeit vor und nach Weihnachten, bevor in der Bücherei am Dienstagabend die Türen abgeschlossen wurden.

Abhol- und Lieferdienste

Während die Bücherei-Mitarbeiterinnen nun auf die Onleihe hinweisen, also die Möglichkeit, sich digitale Medien mit der Büchereikarte im Internet auszuleihen, versuchen es die Geschäfte in der Nachbarschaft mit Abhol- und Lieferdiensten. Bei Schmuck Bitzhenner holt eine junge Mutter gerade eine Bestellung ab, an der Tür der Buchhandlung Plettendorff hängt ein großer Zettel, der auf den Bestell-, Liefer- und Abholservice hinweist.

Am Umlauf sind die Parkboxen gut gefüllt, aber weil zum Beispiel die Bäckerei Niehaves noch geöffnet hat, herrscht hier deutlich mehr Leben als in der Fußgängerzone. Auch am Maiplatz ist was los. Eine Gruppe älterer Männer steht am Hochbeet vor Sagui und plaudert über Gott und die Welt, vor der Engel-Apotheke hat sich eine Schlange gebildet und Modepark-Röther-Filialleiter Jochen Bastert unterhält sich vor dem Laden mit einem Bekannten. Drinnen im Modepark brennt Licht, in den Schaufenstern hängen Schilder mit den Aufschriften „Maximal 340 Personen“ und „20 Prozent Rabatt“. Hilft jetzt alles nichts mehr. Die Türen sind verriegelt.

Auf dem Maiplatz sorgen ältere Bürger, die einen Plausch halten, und die Engel-Apotheke, vor der sich gerne eine Schlange bildet.

Dafür ist nebenan bei Optik und Hörgeräte Lohmann was los. „Wir haben genug zu tun“, versichert Inhaber Jens Lohmann, der mit seinem Geschäftsbetrieb das nach seinen Worten „große Glück“ hatte, trotz des Lockdowns weitermachen zu dürfen – natürlich weiterhin unter Einhaltung aller bekannten Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Am Fußbodenzentrum nebenan steht die Tür ebenfalls offen – allerdings nur, weil die Handwerker gerade die Sachen für ihren nächsten Außentermin zusammenpacken. Das Geschäft ist geschlossen, aber wie bei vielen anderen können die Kunden über das Telefon oder per

E-Mail Artikel bestellen und diese dann abholen.

Der Blick vom Maiplatz in die Grünestraße zeigt: Hier pulsiert weiterhin das Leben. Auch wenn der Schuhhändler Deichmann geschlossen hat, haben die Metzgerei Baetzel oder der Drogeriemarkt Rossmann noch geöffnet. Und am Busbahnhof Grünestraße ist sowieso immer Betrieb.

An der Kaiserstraße herrscht ein ähnlich belebtes Bild. Die Parkboxen sind hier nicht nur wegen der Arztpraxen weiterhin heiß begehrt, sondern auch wegen der Metzgerei Steinhoff und des Post-Shops Henkel. Letzterer hat gerade Hochsaison, weil die Internetbestellungen zurückgesendet oder die Weihnachtspäckchen so langsam auf die Reise geschickt werden. Hat Corona hier positiven oder negativen Einfluss auf die Kundenzahlen? „Vom Gefühl her ist genau so viel los wie in den letzten Jahren“, sagt Inhaber Horst Henkel.

Immerhin. Dieses und die Beispiele anderer geöffneter Geschäfte zeigen, dass die Plettenberger Innenstadt alles andere als verwaist ist. Es herrscht durchaus noch Leben im Zentrum – trotz des Lockdowns.

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