„Das war nicht die feine englische Art“

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Bürgermeister Christian Pospischil (2. von links) stellte sich mit Christian Springob (Mitte), Vorsitzender der Attendorner Werbegemeinschaft, den Fragen von Teamleiter Georg Dickopf. Am Gespräch nahmen auch Medienberater Florian Ahlers (li.) und Regional-Verkaufsleiter Moritz Klein (re.) teil.

Plettenberg – Der Streit um die Größe des Modeparks Röther und die fehlende Auswirkungsanalyse waren im Spätsommer letzten Jahres das Dauerthema in Plettenberg. Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt, der Modepark hat geöffnet und der Attendorner Bürgermeister Christian Pospischil stellte sich beim Redaktionsbesuch den Fragen von Teamleiter Georg Dickopf.

Herr Pospischil, was haben Sie gedacht, als Sie vom Eingeständnis des Bürgermeisters Ulrich Schulte gelesen haben, dass eigentlich die Plettenberger die bösen Jungs waren beim Modepark-Streit? 

Erst mal war ich nicht überrascht, dass es wirklich so gelaufen ist. Ich habe mir selbst schon so etwas gedacht, da die Plettenberger eine große Chance für sich gesehen haben, den Leerstand dort mit etwas Sinnvollem zu füllen, und das natürlich auch nutzen wollten. Für den Teil habe ich auch Verständnis. 

Es herrschte seinerzeit ein großer Zeitdruck bei der Entscheidungsfindung... 

Ja, das hörte ich auch. Da würde wohl jeder Bürgermeister versuchen, das Ding zu retten. Das kann man schon verstehen, aber wenn man dann schon weiß, was eigentlich nötig gewesen wäre und das Vorgehen nicht ganz astrein ist im rechtlichen Sinne und dann trotzdem mit dem Finger auf andere zeigt, ist das nicht ganz die feine englische Art. 

Sicherlich ist es legitim, die von der Stadt Plettenberg ganz bewusst ausgelassene Auswirkungsanalyse nachzufordern, aber mussten die Städte das vor dem Verwaltungsgericht austragen? Und bei der Entscheidungsfindung schien Attendorn auch nicht mit höchsten Nachdruck aktiv gewesen zu sein...? 

Sie spielen auf den Hauptausschuss an. Es gab vorher einen Vertragsentwurf. Dem haben wir nicht zugestimmt, weil die Rückmeldung der Röther-Kanzlei fehlte. Es war ein Kommunikationsproblem von beiden Seiten. 

Würden Sie heute noch einmal genauso handeln? 

Im Großen und Ganzen ja. 

Auch mit dem Verwaltungsgericht? 

Ja, das haben wir deshalb eingeschaltet, weil es eine Frist gibt, bis zu der man Klage erheben kann, sonst ist der Zug abgefahren und es gibt keine Möglichkeit mehr, seine Interessen zu wahren. Wir haben vorher auch mit der Stadt Plettenberg gesprochen, ohne befriedigende Antworten zu bekommen. 

Ist es denn kriegsentscheidend, ob es 6 000 oder 7 000 Quadratmeter Fläche sind? 

Wir haben letztlich eine Änderung herbeigeführt, dass allgemeine Textilien statt auf 7 000 Quadratmeter Fläche nur auf 4 700 Quadratmetern angeboten werden – das ist schon ein erheblicher Unterschied. Das ist jetzt eine Größenordnung, bei der wir schlucken müssen, aber damit können wir leben. Das ist im Wesentlichen die gesamte Verkaufsfläche aller Modeläden in Attendorn zusammengerechnet.

Um die Größe des Modeparks Röther drehte sich der Streit zwischen Attendorn und Plettenberg.

 Es wurde viel an Ihrer Position festgemacht. Wie war das letzte Jahr für Sie?

Das gehört mit zum Job dazu, ist aber nicht alltäglich und ich finde es auch bedenklich. Diese persönlichen Anfeindungen sind kein guter Umgang und natürlich auch nicht förderlich, um Leute für Ämter in der Kommunalpolitik zu begeistern. So etwas führt weg von der Sache.

 Wie hätte man denn eine Lösung finden können ohne Gericht?

 Man konnte nicht vorher reagieren. Selbst als wir in Plettenberg nachgefragt haben, war überhaupt nicht klar, welche Größe der Modepark haben würde. Erst hieß es, es wären 6 000 Quadratmeter und dann waren es 7 000 Quadratmeter. Man ist da sehr hemdsärmelig mit umgegangen und wir haben keine befriedigenden Antworten bekommen, obwohl der Umbau schon lief. 

Haben Sie eigentlich Angst vor Karneval und den Motivwagen?

Nein, ich freue mich sogar darauf. Aber ich weiß, dass es einen Motivwagen gibt, der mit mir zu tun hat.

 Geht es um den Modepark oder um ein Fahrrad?

Um das Fahrrad. Das liegt den Leuten näher als so eine komplizierte rechtliche Materie. 

Für die Plettenberger war Ihr Radunfall damals ein gefundenes Fressen. Wie sehen Sie es heute und haben Sie sich einen neuen Helm gekauft?

Nein, ich hatte ja einen, den ich aber an dem Tag nicht mit hatte und der deshalb unbeschädigt ist. Ich hab eigentlich ziemlich Glück gehabt. Deshalb setze ich den Helm jetzt regelmäßig auf. Und zu Schützenfesten und dergleichen komme ich entweder nicht mehr mit dem Fahrrad, oder ich trinke alkoholfrei. 

Das ganze Verfahren ist später eingestellt worden, oder?

Ja genau. Es gibt eine Grenze für Fahruntauglichkeit und die liegt bei 1,6 Promille. Ich lag deutlich darunter. Und man müsste mir nachweisen, dass es alkoholbedingte Ausfallerscheinungen gab. Eine Zeugenaussage bestätigte aber, dass genau das nicht der Fall war, sondern eine Baustellenkante den Sturz verursachte.

 Herr Springob, Sie sind Vorsitzender der Werbegemeinschaft Attendorn. Was ist das für ein Konstrukt?

Wir sind ein eingetragener Verein mit 115 Händlern und Dienstleistern und stimmen uns bei vielen Themen mit der Stadtverwaltung ab. 

Wie ist das Thema Modepark bei Ihnen aufgenommen worden?

Also erst einmal haben wir das Vorgehen der Stadt Attendorn grundsätzlich unterstützt. Letztlich ging es ja auch um uns und unsere Stadt und den zu erwartenden höheren Kaufkraftverlust. Wir haben uns bei dem Thema damals bewusst zurückgehalten, zumal es genug böses Blut gab. 

Gab es negative Kundenreaktionen?

Wir haben schon vereinzelt Emails von Plettenberger Bürgern bekommen, die sich beschwert haben. Bitter fand ich es persönlich aber, dass von einem Plettenberger Politiker der Aufruf kam, „Kauft nicht mehr in Attendorn ein“.

 Ist es denn deshalb zu massiven Umsatzrückgängen gekommen?

Das kann man so nicht sagen. Ich als Apotheker habe mit der Plettenberger Kundschaft aber auch weniger zu tun. Aber ich kann nicht konkret festmachen, dass es einen massiven Rückgang gab. Allerdings gab es wohl öfter solche Sätze wie: „Eigentlich darf ich ja nicht mehr bei Euch einkaufen.“ 

Apropos einkaufen: Herr Pospischil, waren Sie mittlerweile mal im Modepark Röther einkaufen?

Nein, ich war bislang noch nicht da, bin aber auch noch nicht dazu gekommen. Der Streit hat sich ja sehr auf meine Person fokussiert und deshalb hatte ich keine Lust, mich schief von der Seite ansprechen zu lassen. 

Jetzt stehen die Zeichen aber auf Deeskalation, wenn ich Sie richtig verstanden habe?

Ja, das stimmt und ich habe das auch oft betont. Es gab zwar die Auseinandersetzung, aber das ändert nichts daran, dass wir Wert auf ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis legen. Ich habe immer die Chance gesehen, dass wir eine außergerichtliche Einigung hinbekommen. Und das haben wir ja am Ende auch geschafft. Von daher ist die Sache für mich auch erledigt.

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