Plettenberg fehlen 34 ha Industriefläche

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Die Reserven an industriellen Flächen im Märkischen Kreis.

Der Stadt Plettenberg dürften bis zum Jahr 2035 rund 34 Hektar an Industrieflächen fehlen – dieses schockierende Ergebnis für die heimische Wirtschaft geht aus dem Bericht der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen hervor.

„Wir nehmen sicher Rücksicht auf die Natur, aber wir leben nunmal von der Industrie. Daher kann es nicht sein, dass alle potentiellen Flächen abgelehnt werden“, erklärte Ausschussvorsitzender Klaus Ising mit Blick auf die unterschiedlichen Restriktionen. Das Planungsbüro hatte Suchräume und Weißflächen im Märkischen Kreis untersucht. Diesem würden bis 2035 Industrieflächen in einer Größenordnung von 142 Hektar fehlen. Ein Ausgleich hierfür sei nur schwer realisierbar. „Nur Balve, Neuenrade, Nachrodt-Wiblingwerde, Herscheid und Meinerzhagen weisen mehr industrielle Flächen auf, als an industriellem Bedarf errechnet ist“, heißt es in dem Bericht der Planer.

Für eine gewerbliche Nutzung gebe es in Plettenberg noch eine faktische Reserve von zwei Hektar. „Auch Plettenberg [wird] langfristig den prognostizierten Bedarf anhand der gewerblichen Reserven nicht decken.“ Das Büro Dr. Jansen hat die untersuchten Flächen nach Prioritäten eingeteilt, wobei für die Vier-Täler-Stadt lediglich der Bereich Mühlhoff /Frelinghausen die Priorität 1 genießt.

„Wir sind erfreut über die Verabschiedung des Gewerbeflächenkonzepts“, erklärte Uwe Meister (CDU). Viele in Plettenberg ansässige Firmen hätten bereits heute Probleme mit der Erweiterung. „Es ist aber wichtig, auch mit den Nachbarkommunen zu sprechen“, forderte Meister. Bürgermeister Ulrich Schulte erklärte, dass man mit der Gemeinde Herscheid bereits in Kontakt getreten sei.

Meister regte außerdem an, bereits jetzt auch mit den Eigentümern von Flächen zu sprechen, die zur Zeit noch in der Prioritätenstufe 3 stehen – wie beispielsweise im Bereich Leinschede. Man habe bereits mit einigen, aber nicht allen Eigentümern in diesem Bereich gesprochen, wie Bürgermeister Schulte sagte. Denn: „Es handelt sich um einen sehr langen Verfahrensschritt. Die heutigen Eigentümer könnten bis zur möglichen Realisierung längst nicht mehr Eigentümer sein.“ Darüber hinaus könnten Flächen während des laufenden Verfahrens auch noch aus den Planungen herausfallen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Fehlens von Erweiterungsmöglichkeiten für heimische Betriebe seien kaum absehbar. Umso ernüchtender wirkt das Fazit des Büros Dr. Jansen. Zwar dürfte es kurz- bis mittelfristig noch gelingen, kleineren Handwerks- und Gewerbebetrieben eine geeignete Fläche zur Verfügung zu stellen.

Der Mangel an neuen Industrieflächen sei aber gravierend. „Die Mehrzahl der Reserveflächen kann aufgrund der Eigentumsverhältnisse und betrieblichen Bindungen (betiebseigene Reserven), aber auch aufgrund naturräumlicher Restriktionen (z.B. Artenschutz, Überschwemmungsgebiete) nicht entwickelt werden“, schildert der Bericht einen Umstand, der die derzeitige und künftige Situation noch verschärfen dürfte.

Daher sei es aus der Sicht der Planer wichtig, mehr restriktionsarme und ausreichend große Flächen im Regionalplan darzustellen. Außerdem sei ein erhöhtes Angebot an Flächen notwendig, die einen gewissen Spielraum geben würden, um durch Einschränkungen wegfallende Flächen asugleichen zu können. Kommunen sollten darüber hinaus bereit sein, vorhandene Brachflächen „verstärkt in den Fokus der Reaktivierung zu nehmen.“ Es gehe letztendlich aber nicht darum, mehr Flächen vorzuhalten, als benötigt würden; viel wichtiger sei es, Kommunen und Betrieben Planungssicherheit zu geben.

Mit Hilfe eines einfachen Vergleichs verdeutlichen die Planer die angebliche Platznot im Kreis: Denn 52 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im produzierenden Gewerbe im Kreis würden 54 Prozent der Bruttowertschöpfung auf gerade einmal 2,1 Prozent der Fläche erwirtschaften.

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