Zweifel an Umsetzbarkeit

In Plettenberger Schulen und Kitas herrscht Skepsis gegnüber den Schnelltests

Noch ist die Umsetzung von Schnelltests in Kitas und Schulen unklar.
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Noch ist unklar, wie die Schnelltests in Kitas und Schulen umgesetzt werden sollen.

Plettenberg – Antigen-Schnelltests sollen nicht nur Seniorenheimen, sondern frühestens nach den Winterferien auch Schulen und Kitas zur Verfügung gestellt werden. Wir haben in mehreren Tageseinrichtungen und Schulen nachgefragt, wie das Thema Schnelltests dort ankommt.

Hallenschule

„Wir haben da große Bedenken“, sagt Nicole Friedrich, Leiterin der Hallenschule. Es sei nämlich nicht so einfach, die Schnelltests durchzuführen, bei denen ein Nasenabstrich vorgenommen werden müsse. Wer traue es sich zu, so einen Test bei anderen zu machen? Und wer übernehme die Verantwortung, wenn dabei jemand verletzt wird? Solche Zweifel gebe es im Kollegium.

„Keiner von uns hat eine medizinische Ausbildung“, sagt Friedrich. Eventuell wäre jemand aus dem Verwaltungsbereich der Schule bereit, nach einer entsprechenden Schulung die Tests durchzuführen. Doch selbst dann ist sich die Schulleiterin unsicher, ob die Kollegen den Test von einer laienhaften Person durchführen lassen würden.

Die Schulleiterin hält es dagegen für sinnvoller, wenn Tests von einem Arzt oder medizinisch geschultem Personal gemacht werden, so wie es bisher derFall ist. Vor den Herbstferien wurde das Kollegium alle zwei Wochen getestet. Nach den Herbstferien hat es drei weitere Tests gegeben, den letzten in dieser Woche. Jedes Mal sei das aber auch mit einem zusätzlichen Zeitaufwand verbunden, so Friedrich. Bei Schnelltests wäre das auch der Fall.

Zeppelinschule

An der Zeppelinschule sei das Kollegium gegenüber selbst durchgeführten Schnelltests skeptisch, berichtet Konrektor Dr. Eberhard Stroben. In Gesprächen im Kollegium habe er festgestellt, dass die meisten Lehrer nicht bei einem anderen einen Nasenabstrich machen möchten oder dass jemand aus dem Kollegium bei ihnen einen Abstrich vornimmt. „Das ist etwas für medizinisches Personal“, fasst er das Stimmungsbild zusammen. Am KBOP der Zeppelinschule waren nach einem Coronafall zahlreiche Schüler und mehrere Lehrer in Quarantäne geschickt worden. Auch eine Gruppe des Evangelischen Familienzentrums Mittendrin musste nach einem positiven Coronatest in Quarantäne.

Kita Stadtmitte

Bereits vor diesem Fall hatte die Heimatzeitung nachgefragt, wie in der Kita das Thema Schnelltests bewertet wird. Nach Aussage von Einrichtungsleiterin Sandra Becker seien Schnelltests noch kein großes Thema im Erzieherinnen-Team. Man habe dazu vom Träger noch keine genauen Angaben bekommen, sagt sie. Von den bereits bestehenden Möglichkeiten sich testen zu lassen, hätten Kollegen beim Verdacht auf eine Infektion in den vergangenen Monaten Gebrauch gemacht.

Mit den Schnelltests bietet sich nun die Möglichkeit frühzeitig eine Infektion auszuschließen, doch Becker ist bei dem Thema zwiegespalten. „Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist“, sagt Becker. Vor allen Dingen hält sie die Umsetzung für schwierig. „Es müsste jemanden geben, der geschult wird, und wer übernimmt die Tests, wenn diese Person mal nicht da ist?“ Hinzukomme, dass die Durchführung der Tests auch zusätzliche Zeit in Anspruch nehme.

Kita St. Johann Baptist

Auch in der Katholischen Kindertageseinrichtung St. Johann Baptist ist man noch zurückhaltend, was das Thema Schnelltests angeht. Auch dort wartet man auf Handlungsanweisungen seitens des Trägers, sagt Julia Herrmann, die kommissarische Leiterin der Kita. „Was da auf uns zukommt, kann man erst nach einer Schulung sagen.“ Und auch danach bleibe die Frage, ob man die Tests umsetzen könne.

Nach dem bisherigen Kenntnisstand seien die Testsnur aussagekräftig, wenn sie richtig durchgeführt werden. „Die Frage ist, ob wir das gewährleisten können“, sagt Herrmann. „Wir wollen erst einmal abwarten.“ Kita Eschen „Die Idee an sich finden wir nicht schlecht, um dadurch Klarheit zu haben”, sagt Ilka Trauzettel, Leiterin des Städtischen Familienzentrums Eschen. Die Kolleginnen würden sich sehr in Acht nehmen und bemühen, die Hygieneregeln zu beachten, auch im privaten Bereich. Aber weil man nicht wisse, wo man sich überall infizieren könne, sei eben auch viel Unsicherheit da.

„Ich habe das Gefühl, dass wir durch die Schnelltests etwas mehr Sicherheit bekommen können.” Über eine mögliche Umsetzung von Schnelltests kann Trauzettel allerdings noch nichts Näheres sagen und verweist auf die Stadt Plettenberg als Träger.

Stadt Plettenberg

Auch dort wartet man noch auf genauere Angaben von der Landesebene. Das Bundesministerium für Gesundheit habe in der letzten Woche die „Verordnung zur Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung im Rahmen der epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ verkündet, so Ordnungsamtschef Thorsten Spiegel, der den Corona-Krisenstab leitet Man erwarte, dass CoronaSchnelltests künftig auch an Schulen und Kitas abgegeben werden könnten. „Der Arztvorbehalt für diese Schnelltests ist grundsätzlich entfallen. Somit wäre beispielsweise denkbar, dass sich Lehrer nach einer Einweisung selbst testen dürfen oder durch medizinisch geschultes Personal getestet werden“, erklärt Spiegel.

Ein weiteres Ziel sei laut Bund-Länder-Beschluss, dass Kinder mit einem negativen Schnelltest früher wieder aus der Quarantäne in die Schule zurückzukehren könnten. „Für die Regelung der Details – die konkrete Organisation und Ausgestaltung der Testung, vielleicht zum Teil auch durch medizinisch geschultes Personal der Schulträger - sind die Länder zuständig“, erklärt Spiegel.

Diesbezüglich müssten von dort aus noch Regelungen folgen, bevor das Ganze dann vor Ort umgesetzt werden könne. Schnelltests seien jedoch nur eine Ergänzung der wichtigen etablierten Testund Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus.

„Zudem sind die Schnelltests nicht ganz unumstritten, da sie im Vergleich zur labordiagnostischen PCR-Test-Analytik gegebenenfalls erst ab einer höheren Viruslast positive Ergebnisse anzeigen“, sagt der Plettenberger Ordnungsamtschef. Man müsse die weitere Entwicklung abwarten. 

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