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Immer mehr Nichtschwimmer: „Zahlen sind alarmierend“.

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Von: Christos Christogeros

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Die DLRG Altena kann die wichtigen Anfängerschwimmkurse derzeit nicht anbieten, weil das Dahler Bad aufgrund immenser Schäden nicht zur Verfügung steht. © dpa

Von „alarmierenden“ Zahlen spricht Jan Strauß, technischer Leiter der DLRG Plettenberg. Auch die heimischen Rettungsschwimmer beobachten in den letzten Jahren, dass immer weniger Menschen – vor allem Kinder – schwimmen können – mit allen negativen, ja sogar lebensbedrohlichen Folgen, die das haben kann. 

Plettenberg - Die DLRG fordert, es auch pädagogischen Fachkräften einfacher zu machen, den Nachwuchs im Schwimmen zu unterrichten.

Die Zahl der Kinder ohne oder nur mit unzureichender Schwimmfähigkeit sei laut Strauß in den letzten Jahren besorgniserregend gestiegen. Dies belegten zuletzt Zahlen einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG aus dem Jahr 2017. So lag der Anteil der der Sechs- bis Zehnjährigen, die ein Jugendschwimmabzeichen besitzen, bei 40 Prozent und der Anteil an Seepferdchen-Absolventen unter Grundschulkindern bei 77 Prozent. Die Tendenz sei sinkend, gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie in den letzten zwei Jahren.

„Die Gründe dafür sind vielfältig, am stärksten bemerkbar macht sich dabei die Serie von Schließungen städtischer Schwimmbäder und einem dadurch bedingten Hemmnis, Ausbildungsorte zu finden“, erklärt Strauß. Ein Umstand, der in Plettenberg und umliegenden Kommunen wie Werdohl, Neuenrade, Attendorn, Herscheid und Altena glücklicherweise nicht so schwer wiege, da die Kommunen bereit seien, größere finanzielle Mittel in die entsprechende Infrastruktur zu investieren.

Lange Wartezeiten auf Kurse

„Trotzdem müssen viele Eltern nicht erst seit Corona lange Wartezeiten für eine Seepferdchenkurs-Teilnahme ihres Nachwuchses in Kauf nehmen“, sagt Jan Strauß.

Die erzwungene Aussetzung des Ausbildungsbetriebes von Vereinen, Bädern und Schulen durch die Pandemie hätten das Problem allerdings zusätzlich verschärft, sodass momentan Wartezeiten beispielsweise in DLRG-Gliederungen von teilweise bis zu einem Jahr keine Ausnahme seien.

Auch DLRG-Präsident Achim Haag warnte bereits Mitte vergangenen Jahres in einem Interview mit der ARD vor „mindestens einem, wenn nicht sogar schon zwei verlorenen Jahrgängen in der Schwimmausbildung“. Auch der deutsche Schwimmverband (DSV) schlug unlängst Alarm und forderte mehr den Vereinen zugestandene Wasserzeiten seitens der Schwimmbäder.

Crash-Kurs

Um den Ausbildungsbetrieb auch außerhalb der DLRG zu unterstützen und so einer noch breiteren Anzahl Kindern eine fundierte Erstschwimmer-Ausbildung zu ermöglichen, hat sich der Bundesverband der DLRG in einem Kooperationsprojekt unter dem Namen „Seepferdchen für alle“ mit Nivea als Sponsor zusammengeschlossen.

Dieses Projekt soll die Erstschwimmer-Ausbildung in Kindergärten und Schulen stärken, indem interessierte pädagogische Fachkräfte wie Erzieherinnen (in Festanstellung oder in Ausbildung), Grundschullehrende (in Festanstellung oder im Studium), Lehrer für die Klassen 5 und 6, sowie Tagesmütter und -väter eine für sie und den schulischen Träger kostenfreie Ausbildung als Ausbildungsassistent Schwimmen im Rahmen eines Crash-Kurses erhalten. Damit sind sie zur qualifizierten Ausbildung und Abnahme des Seepferdchens berechtigt.

Dabei gliedert sich der Crash-Kurs in drei Teile. Das Rettungsschwimmabzeichen wird von der örtlichen DLRG abgenommen, während die Lehrgänge als Wochenendseminare im Bundeszentrum der DLRG mit Unterbringung im Hotel Delphin in Bad Nenndorf durchgeführt werden. Sämtliche Kosten (Unterkunft, Verpflegung, Lehrmaterial, anteilige Reisekosten) übernimmt der Projektsponsor.

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