Prozess in Plettenberg

Illegales Rennen? Auto kracht in Supermarkt - Folgen für die Fahrer

Dem schweren Unfall am Hit-Markt in 2019 war ein Rennen auf der Bahnhofstraße vorausgegangen.
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Dem schweren Unfall am Hit-Markt in 2019 war ein Rennen auf der Bahnhofstraße vorausgegangen.

Von Autorennen hört man sonst häufig aus Dortmund oder Berlin, aber am 14. August 2019 fand nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ein solches in Plettenberg statt. Anfang letzter Woche fand der Prozess gegen die Beteiligten vor dem Amtsgericht statt.

Plettenberg – Die Fahrer der beiden Fahrzeuge – ein damals 19-jähriger Plettenberger und ein seinerzeit 20-jähriger Plettenberger – hatten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft stillschweigend beschlossen, ein Rennen auf der Bahnhofstraße auszutragen. Der hinterherfahrende Golf-Fahrer habe die Lichthupe betätigt. Danach sollen beide mit einer Geschwindigkeit von mindestens 80 bis 90 Stundenkilometern unterwegs gewesen sein.

Gegen 20.53 Uhr geriet der 19-jährige Plettenberger in einer leichten Linkskurve zunächst auf die Gegenfahrbahn und kam nach links von der Fahrbahn ab. Der Audi drehte sich, knallte gegen den Pfosten eines Vordaches und anschließend gegen die Fensterfront des Hit-Marktes. Der Fahrer wurde eingeklemmt, musste von der Feuerwehr herausgeschnitten werden und wurde schwer verletzt vom Krankenhaus per Nachtflug-Rettungshubschrauber nach Siegen verlegt. Die Beifahrer des Mannes (17, 21) mussten mit leichten Verletzungen versorgt werden.

Auto kracht in Supermarkt-Schaufenster: Gefährdung anderer in Kauf genommen

Aus der Sicht der Staatsanwalt nahm der Fahrer durch seine Tat die Gefährdung anderer und seiner beiden Mitfahrer in Kauf, sagte Bernhard Kuchler, Sprecher des Amtsgerichtes Plettenberg, im Nachgang des Prozesses. Bis zum Gerichtsverfahren, das auch coronabedingt erst 20 Monate nach der Tat stattfand, blieben die Führerscheine der beiden am Rennen beteiligten Fahrer eingezogen. Die Jugendgerichtshilfe hatte im Vorfeld die Anwendung des Jugendstrafrechts empfohlen, da beide Fahrer noch nicht das 21. Lebensjahr erreicht hatten. Dieser Empfehlung folgte das Gericht.

Berücksichtigt wurde bei der Schuldzumessung, dass der Audi-Fahrer selbst schwer verletzt wurde, sein Auto nur noch Schrottwert hatte und er ebenso wie der Fahrer des zweiten Autos 20 Monate auf seinen Führerschein verzichten musste.

Dem damals 19-Jährigen wurde eine Geldauflage von 1600 Euro erteilt, der damals 20-Jährige bekam eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro – beide Beträge sind zu zahlen an die Deutsche Luftrettung. Die Plettenberger, gegen die das Verfahren damit eingestellt wurde, müssen an einem Fahrsicherheitstraining teilnehmen. Die Führerscheine wurden beiden nach der Verhandlung zurückgegeben. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war, dass neben dem Fahrer und den leicht verletzten Mitfahrern niemand sonst verletzt wurde.

„Wenn an dem Abend ein Fußgänger ums Leben gekommen wäre, dann hätte es möglicherweise eine Anklage wegen versuchten Mordes gegeben“, sagte Kuchler. Da dies nicht der Fall war, hielt Richterin Kracht im Einvernehmen mit allen Beteiligten weitergehende erzieherische Einwirkungen für nicht notwendig.

Dem Audi-Fahrer, der vor dem Unfall am 27. Juli 2019 in Herscheid eine Körperverletzung begangen haben soll, wurde zugleich ein Anti-Aggressionstraining auferlegt.

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