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Illegaler Welpenhandel: Verkäufer wollte 750 Euro pro Tier

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Von: Georg Dickopf

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Die vier illegal nach Deutschland importierten Beauceron-Beagle-Mischlinge wurden ihrer Hundemutter bereits kurz nach der Geburt in Bulgarien entrissen, um schließlich nach dem Transport nach Deutschland in Plettenberg-Eiringhausen für 750 Euro pro Tier verkauft zu werden.
Die vier illegal nach Deutschland importierten Beauceron-Beagle-Mischlinge wurden ihrer Hundemutter bereits kurz nach der Geburt in Bulgarien entrissen, um schließlich nach dem Transport nach Deutschland in Plettenberg-Eiringhausen für 750 Euro pro Tier verkauft zu werden. © Tierschutzverein

Für Fassungslosigkeit sorgte zu Jahresbeginn der Fall eines Hundehändlers in Plettenberg, der gerade einmal vier Wochen alte Mischlingswelpen zum Verkauf angeboten hatte.

Plettenberg - Aufgeflogen war der Handel mit den insgesamt vier Welpen durch eine aufmerksame Zeugin.

Die Heimatzeitung nahm mit der Plettenbergerin (Name ist der Redaktion bekannt) Kontakt auf. Die Frau, die mit dem bulgarischstämmigen Plettenberger Kontakt aufnahm, möchte ihren Namen nicht veröffentlicht sehen, da sie befürchtet aus dem Umfeld des Hundeverkäufers aus Eiringhausen Drohungen zu bekommen.

Mit dieser Kleinanzeige sollten die Welpen für je 750 Euro verkauft werden.
Mit dieser Kleinanzeige sollten die Welpen für je 750 Euro verkauft werden. © Dickopf

„Ich habe selber Hunde und schaue häufiger nach Artikeln zu Tierbedarf bei Ebay-Kleinanzeigen“, berichtet die Plettenbergerin. Und genau dort stieß sie am 30. Dezember auf eine Anzeige aus Plettenberg.

„Di Mutter ist boseron di vater ist bigel“

Zu sehen war dort ein kleiner Hundewelpe, der einem Rottweiler ähnelte. Weil der Hund sehr jung wirkte, nahm sie interessehalber Kontakt mit dem Besitzer auf, der unter die Anzeige geschrieben hatte: „Hallo wir suchen einen neuen Besitzer.“ Sie schrieb den Verkäufer mit der folgenden Frage an: „Hallo, wo haben Sie den Welpen her? Was sind die Eltern für Hunde? MFG“

Der Chatverlauf der Plettenbergerin mit dem Welpenhändler.
Der Chatverlauf der Plettenbergerin mit dem Welpenhändler. © Dickopf

Die Antwort lautete: „di Muter ist boseron di fater ist bigel.“ Gemeint waren damit der französische Hütehund Beauceron, der von der Statur und der Fellfarbe aussieht wie ein schlanker Rottweiler und ein Beagle, der im vergangenen Jahr zu den beliebtesten Hunderassen in Deutschland zählte. Während ein Beagle vom Züchter zu Preisen zwischen 1 300 und 2 000 Euro gehandelt wird, kostet ein Beauceron-Welpe rund 1 000 Euro.

Auf die Frage der Plettenbergerin, woher die Welpen kommen, sagte der 25-jährige Plettenberger offenbar die Wahrheit und antwortete: „bulgarien“. Als die Plettenbergerin fragte, ob die Welpen schon verkauft sind, brach der Kontakt ab.

3000 Euro für vier mutterlose Welpen ohne Papiere und Impfung

In der mittlerweile gelöschten Kleinanzeige verlangte der Welpenhändler 750 Euro für jedes der gerade einmal vier Wochen alten Tiere, die deutlich zu früh der Hundemutter in Bulgarien entrissen wurden und dem Händler in Plettenberg nun insgesamt 3 000 Euro einbringen sollten.

Was um sie herum passierte, bekam dieser Welpe hoffentlich nicht mit.
Was um sie herum passierte, bekam dieser Welpe hoffentlich nicht mit. © Dickopf

Kein schlechtes Geschäft, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der mühsamen Welpenaufzucht wegfiel und die Hunde ohne jegliche Papiere, ungeimpft, ungechipt und ohne Entwurmung abgegeben werden sollten.

Doch dazu kam es nicht, denn die aufmerksame Hundebesitzerin hatte frühzeitig ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Plettenberger Tierschutzvereins auf die Anzeige hingewiesen. Der Tierschützer nahm mit einem Vereinsmitglied Kontakt auf und auch die Polizei wurde nun eingeschaltet. Anhand der Telefonnummer konnte der 25-Jährige in Eiringhausen ermittelt werden. Als die Polizei den bulgarischstämmigen Plettenberger in seiner Wohnung aufsuchte, fanden sich dort die vier jungen Hundewelpen eingesperrt im Badezimmer.

Tiere von Polizei sichergestellt

Die Beauceron-Beagle-Mischlinge wurden von der Polizei mit dem Einverständnis des Besitzers sichergestellt und in die Obhut des Plettenberger Tierschutzvereins gegeben, der sich nun um die Welpen kümmert.

Wer dem Bulgaren einen Welpen für 750 Euro abgekauft hätte, hätte sich selbst strafbar gemacht, denn nicht nur der Verkauf und der Transport zu junger Welpen ist strafbar, sondern auch der Ankauf von offensichtlich illegal eingeführten Welpen

Laut Polizeisprecher Christof Hüls wird dem Plettenberger ein Verstoß nach Paragraph 31a der Tierschutzgesetzes zur Aufnahme, Weitergabe und Vermittlung von Tieren vorgeworfen. „Ein Verstoß kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren nach sich ziehen“, betonte Hüls. Ob noch weitere Vergehen hinzukämen, kläre sich nach der genauen Prüfung des Falls durch die Sachbearbeiter und die zuständige Staatsanwaltschaft.

Besitzer darf Tiere zurück verlangen

Was viele nicht wissen: Grundsätzlich kann der Welpenhändler die Tiere von der Polizei beziehungsweise dem Tierschutzverein zurückverlangen. „Rein rechtlich gehören ihm die Tiere, wenn er das glaubhaft machen kann“, sagt Hüls. Allerdings sei dann die Frage, ob die Staatsanwaltschaft zustimme, ob die Haltungsbedingungen erfüllt seien und welche Kosten ein Tierheim oder in diesem Fall der Tierschutzverein für die Verwahrung der Tiere in Rechnung stelle.

Wie Pia Sperber als Vorsitzende des Tierschutzvereins Meinerzhagen/Kierspe auf Anfrage erklärte, berechne man pro Hund und Tag zwischen 20 und 30 Euro für die Betreuung, Futter und Tierarztkosten. „Da kommt in vier Wochen schon etwas zusammen, deshalb hört man von den Besitzern später meist nichts“, so Sperber.

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