INTERVIEW mit Sonja Elle, der neuen Richterin am Plettenberger Amtsgericht

„Ich bin zu objektiv, um als Anwältin zu arbeiten!“

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Sonja Elle ist neue Richterin am Plettenberger Amtsgericht und übernimmt für ein Jahr das Büro von Vorgänger Dr. Schmidt.

Plettenberg - Ein neues Gesicht leitet seit Anfang Januar den Großteil der Strafverhandlungen vor dem Plettenberger Amtsgericht. Sonja Elle übernahm vor wenigen Tagen das Büro von Dr. Christopher Schmidt. Im Interview mit Redakteurin Felicitas Hochstein erzählt die 30-Jährige, was sie von der Zeit in Plettenberg erwartet und gibt einen kleinen Einblick in ihr alltägliches Berufsleben.

Frau Elle, herzlich willkommen in Plettenberg. Woher kommen Sie, und waren Sie schon einmal hier? 

Sonja Elle: Ich komme aus Dortmund, und ich muss gestehen, dass ich noch nie zuvor hier gewesen bin. Die nähere Umgebung vom Plettenberger Amtsgericht habe ich aber schon einmal erkundet und bin positiv überrascht. Was ich bis jetzt gesehen habe, gefällt mir aber schon sehr gut. Die Kollegen haben mir auch schon vom AquaMagis und den nahe gelegenen Einkaufsmöglichkeiten hier berichtet. Das werde ich mir auf jeden Fall vornehmen, diese Orte mal zu erkunden. Ich finde es sehr wichtig, immer ein bisschen kundig dort zu sein, wo ich tätig bin.

Sie werden sich in Zukunft viel mit Straftaten beschäftigen. Ist es nicht bedrückend, sich beinahe täglich mit den „dunklen Seiten und Abgründen“ im gesellschaftlichen Leben auseinander zu setzen?

 Elle: Na ja, es kommt schon hin und wieder eine Akte auf meinen Schreibtisch, die mich mehr beschäftigt als vielleicht eine andere. Ich kann mich, wie gerade schon erwähnt, immer auch in die Gedanken desjenigen hineinversetzte, der gegen das Gesetz verstoßen hat. Es gibt ja schließlich meistens einen Grund, warum er/sie etwas vor dem Gesetz „Falsches“ getan hat. Da muss man dann bei der Entscheidung ein Mittelding herausfinden, was manchmal nicht so einfach ist. Bei einer Entscheidung darf man daher meiner Meinung nach die Menschen, um die es geht, nicht vergessen, man muss sich gleichzeitig aber auch an Recht und Gesetz halten. Das macht Entscheidungen häufig auch sehr schwer. Es kommt natürlich auch hin und wieder vor, dass man Fälle mit nach Hause nimmt, das ist dann leider so. Das sind dann die ein oder anderen Gewissenskonflikte die man hat, weil man sich nicht immer zu hundert Prozent sicher sein kann, ob man wirklich alles bedacht hat bei der Urteilsfindung. Aber ich versuche natürlich stets, alle Aspekte des Falles zu berücksichtigen.

Hat man es als Frau in Ihrem Beruf schwerer, als ein gleichaltriger, männlicher Kollege? 

Elle: Ich habe zum Glück erst weinig schlechte Erfahrungen gemacht, was das Verhalten von Anwälten angeht. Ich höre natürlich häufig den Satz von Parteien: „Von einer Frau lasse ich mir sowieso nichts sagen!“ Das lässt mich aber ziemlich kalt. Letztendlich werde ich trotzdem am Ende die Entscheidung treffen – ob die Partei damit nun einverstanden ist oder nicht. Ich weiß aber durch Kolleginnen, dass es leider auch andere Fälle gibt und auch manchmal von Seiten männlicherAnwälte dumme Sprüche kommen. Da wird man als Frau gleich als hysterisch hingestellt, wenn man mal im Gerichtssaal lauter wird. bei Männern ist es natürlich in der gleichen Situation etwas vollkommen anderes. Aber ich denke, so etwas kommt nicht nur in unserer Branche vor...

Eine Frage zum Schluss: Was erwarten Sie sich von der Station in Plettenberg?

Elle: Da ich das letzte Jahr am Landgericht in Hagen tätig war und es sich hierbei um ein recht großes Gericht handelt, bin ich sehr gespannt, wie es ist, an einem kleineren Gericht, zu arbeiten. Bisher konnte ich schon feststellen und finde es sehr angenehm, dass hier eine sehr familiäre Atmosphäre herrscht. Außerdem freue ich mich darauf, Erfahrungen in der richterlichen Tätigkeit an einem Amtsgericht zu sammeln. Die Arbeitsweise ist doch eine andere als die, die ich am Landgericht kennen gelernt habe. Die Verfahren hier decken mehr Rechtsgebiete ab und sind teilweise auch vielfältiger. Das stellt eine Herausforderung dar, die ich gerne annehme. Abschließend freue ich mich daher sehr auf die Zeit hier am Amtsgericht Plettenberg. Danke für das angenehme Gespräch und alles Gute für die Zukunft – viel Spaß in Plettenberg.

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