Serie: „Schwerhörigkeit“

„Ich habe Sie nicht verstanden“

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Wie das Implantat funktioniert. 

Plettenberg -  In diesem dritten Teil zur Schwerhörigkeit kommt Cornelia Pallas zu Wort, die unter einer auditiven Verarbeitungsstörung leidet und über ihre Behinderung spricht.

Die Betroffene wird auch beim ersten Plettenberger Forum für Menschen mit Hörstörung am 13. April zu Gast sein.

 „Dass ich nicht alles mitbekam, machte sich schon im Kindesalter bemerkbar. Eine Diagnose bezüglich einer Hörschädigung gab es nicht. Ich war halt ein wenig anders als die anderen Mädchen – und dazu noch blond – das ließ auch andere Rückschlüsse zu... Dass es sich bei mir um eine auditive Verarbeitungsstörung (AVS) handelt, sollte sich erst später herausstellen. Damit war dann auch klar, warum ein Gespräch unter vier Augen machbar war und die Kommunikation in der Gruppe und bei Störgeräuschen scheiterte. Hinter-dem-Ohr (HdO) und Im-Ohr-Hörgeräte (IO) brachten keinen Erfolg im Verstehen. Im Laufe der Zeit kam dann noch ein Hörverlust hinzu, der die Kommunikation zusätzlich erschwerte.“ 

Cornelia Pallas hat einen hohen Anspruch an sich und die Umsetzung ihrer Fähigkeiten, insbesondere im beruflichen Alltag. Durch viel Engagement und Eigeninitiative und mit Unterstützung des regionalen Integrationsfachdienstes, schaffte sie selbst den ersten Schritt, ihre Kommunikationsbehinderung aktiver anzugehen. Nach einer Rehabilitationsmaßnahme im Reha-Zentrum für Hörgeschädigte in Rendsburg lernte sie ihre persönlichen Möglichkeiten und Grenzen kennen und in Alltagssituationen umzusetzen. Insbesondere die Gestaltung der Kommunikation am Arbeitsplatz stand für Pallas im Vordergrund. Neben der Aufklärung über die Hörschädigung war ein weiterer Schwerpunkt, wie sie Grenzen der Belastbarkeit wahrnimmt und damit angemessen umgehen kann. „Alle diese Punkte haben dazu beigetragen, dass die Hörschädigung mich nicht in eine soziale Isolation gedrängt hat, sondern ich meine kommunikativen Probleme lösen kann.“ Innerlich gestärkt ging Pallas verschiedenste Wege, um ihre Kommunikation weiter zu festigen und auszubauen. 

Eine Versorgung mit technischen Hilfen in Form von Hörgeräten und/oder einem Cochlea Implantat (CI*) sind auf Grund der Diagnose AVS zunächst nicht erfolgversprechend. Erst Jahre später eröffnet ein Besuch der Uni-Klinik in Freiburg eine neue Perspektive für die Betroffene. „Der Professor im Implantinstitut erklärte mir, dass eine Möglichkeit besteht, mit einem CI besser zu verstehen. Diesen Strohhalm habe ich, trotz der 50/50 Chance ergriffen.“ Cornelia Pallas erhielt ein CI im Alter von 50 Jahren. In der Zwischenzeit hat sie gelernt, mit dem Implantat zu hören und zu verstehen. Es erleichtert die Arbeit im Büro sehr: „Ohne Kommunikation geht es natürlich nicht, intern wie extern. Intern besteht wenig Einschränkung. Ich kann mich mit meinen Mitarbeitern oder Kunden ganz natürlich unterhalten. Mir ist es schon in Fleisch und Blut übergegangen, einen Platz für Gespräche zu suchen, bei denen ich mein Gegenüber gut sehen kann. Ich habe in Rendsburg auch ein Abseh-Training absolviert. Neben dem Hören ist das Absehen des Mundbildes eine wichtige Stütze für meine Kommunikation. Dabei sollte der Mund nicht übertrieben bewegt werden. Die normalen Lippenbewegungen genügen vollkommen.“

 Einzig bei Telefonaten ist sie auf die Hilfe einer Mitarbeiterin angewiesen. Sonst sind die Kommunikationswege über das Internet und den normalen Schriftverkehr voll ausreichend. 

Im Gespräch mit der Heimatzeitung entsteht nicht der Eindruck, dass Cornelia Pallas eine Person ist, die Schwierigkeiten beim Hören hat. Einmal waren es wohl übertriebene Lippenbewegungen am Anfang des Gespräches und in der anderen Situation war es das abgewandte Gesicht. Cornelia Pallas ist es wichtig, über diesen Weg anderen Betroffenen Mut zu machen. Sie wird auch beim „ersten Plettenberger Forum für Menschen mit Hörstörung“ am 13. April beim Diakonischen Werk im Paul-Gerhardt-Haus dabei sein und gerne Fragen von Interessierten beantworten.

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