Holländer kämpfen sich durch den Schlamm

Hunderte Tonnen Schlamm aus Teichen der Kläranlage in Elhausen geholt

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Plettenberg - An der Elhauser Kläranlage stecken zurzeit Holländer im wahrsten Sinne im Schlamm: Seit gut 27 Jahren wurden die Schönungsteiche zur Wasserreinigung nicht entleert. In dieser Zeit hat sich viel Schlamm am Boden abgesetzt. Die Zahl ist gigantisch: In den letzten zweieinhalb Wochen hat die Firma Kurstjens aus den Niederlanden gut 750 Tonnen entwässerten Schlamm aus dem Wasser geholt.

Es handelte sich um rund 2 500 Kubikmeter Schlamm. Zum Vergleich: Rund 1 000 Milch-Tetrapacks bilden einen Kubikmeter. So groß diese Zahl auch ist – schädlich ist der Schlamm nicht. „Das ist reine Biomasse“, erklärt Harro Feckler, Leiter des Regionalbereichs Süd des Ruhrverbands.

Die Schönungsteiche sind die letzte Station in der Wasserreinigung. Hier setzten sich in der Feinreinigungsstufe die letzten Partikel ab – und bilden zusammen mit den über die Jahre von den Bäumen hingefallenem Laub den Schlamm. Es gibt nur ein Problem: Diese Biomasse war bis zu 1,20 Meter hoch. „Dann verringert sich das Volumen“, sagt Betriebsgruppenleiterin Nicole Stenzel. „Es passt weniger Wasser in die Teiche.“

Mit den Arbeiten wurde die Firma Kurstjens aus den Niederlanden beauftragt, die sich auf die Schlammentwässerung spezialisiert hat. „Die Niederländer können es mit Wasser“, meinte Feckler. Die Mitarbeiter rückten mit schwerem Gerät an, um den Schlamm aus dem Wasser zu pumpen und diesen dann zu entwässern.

Das Prinzip ist einfach, aber aufwändig. Ein Mitarbeiter sitzt in einem sogenannten Schneidkopfsaugbagger. Den kann man sich wie ein kleines Boot vorstellen, das mit einer Art Riesen-Staubsauger ausgestattet ist. „Der fährt den Teich ab und saugt den Schlamm ein“, erklärt Kurstjens-Verkaufsleiter Stefan Brück. Über eine 500 Meter lange Leitung wird diese Masse dann zu einem Sieb geführt. Hier werden größere Stücke wie Holz, Laub und kleinere Steine ausgesiebt. Der Rest des Schlamms ist noch flüssig und wird in einer Zentrifuge entwässert. „Wie beim Schleudergang einer Waschmaschine“, veranschaulicht Feckler.

Gewicht verringert sich um das Vierfache

Dadurch, dass das Wasser herausgeschleudert wird, verringert sich das Gewicht um fast das Vierfache. Dementsprechend erhöht sich der Trockenmassenanteil des Schlamms von gut zwölf Prozent auf über 40 Prozent. Der Vorteil: Mit dem geringeren Gewicht werden Transportkosten gespart. Denn der entwässerte Schlamm wird abschließend zur Verbrennung in die Wirbelschichtfeuerungsanlage nach Werdohl-Elverlingsen gebracht. Hier wird der Klärschlamm – zusammen mit anderen Klärschlämmen des Ruhrverbandes – verbrannt. Der erzeugte Dampf wird energetisch verwertet.

Nach etwas mehr als zwei Wochen werden die Arbeiten in Elhausen in diesen Tagen beendet. „In der nächsten Woche bauen wir ab“, erklärt Kurstjens-Projektleiter Wolfram Danneberg. Das Unternehmen ist nicht nur in Deutschland unterwegs. Unter anderem reinigen die Mitarbeiter Teiche in den Niederlanden, Schweden oder Belgien.

Übrigens: Die Arbeiten waren eigentlich schon für das Frühjahr geplant. „Wir haben aber die Brutzeit abgewartet“, erklärt Feckler. Der Teich ist Heimat für viele Wasservögel, Larven und andere Kleinstlebewesen. Beim Besuch unserer Zeitung schwammen Vögel auf dem Teich. „Die stören sich nicht an den Arbeiten“, sagte Danneberg und zeigte auf die Tiere. Und in den nächsten Tagen kehre ja auch wieder Ruhe ein – bis zum nächsten Jahr, da plant der Ruhrverband die Entschlammung des mittleren der drei Schönungsteiche.

Der Ruhrverband

Der Ruhrverband ist verantwortlicher Träger der umfassenden Wasserwirtschaft im gesamten Flussgebiet der Ruhr. Der Ruhrverband hat ein System von Talsperren zur Bewirtschaftung der Wassermengen und ein flächendeckendes Netzwerk von Abwasserbehandlungsanlagen und Ruhrstauseen. Das Ziel ist die Reinhaltung der Gewässer für 60 Kommunen.

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