Warum der November der beste Monat für den Shutdown ist

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Die City-Pension am Umlauf profitiert von den weiterhin erlaubten Übernachtungen von Monteuren. Trotz des Shutdown könne man wohl auf staatliche Hilfen verzichten.

Der neuerliche Shutdown sorgt bei vielen Gastronomen für Existenzängste. Doch auch heimische Hoteliers, Pension-Betreiber und Ferienhaus-Vermieter zeigen sich betrübt über die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die unter anderem auch touristische Reisen untersagen. Doch bei allen – vor allem finanziellen – Problemen, die aus dem Verbot erwachsen: Ein Shutdown im August oder September hätte die meisten stärker getroffen.

Plettenberg - Grundsätzlich müsse etwas gemacht werden, meint Sabrina Mai, die gemeinsam mit ihrem Mann eine Ferienwohnung in Kückelheim betreibt; aber die jetzt beschlossenen Maßnahmen setzten an der falschen Stelle an. In der Tourismuswirtschaft, die jetzt vom Shutdown betroffen ist, seien die hygienischen Standards sehr hoch. Geputzt würde sowieso, sagt Mai, aber nun würde eben auch viel mehr auf Desinfektion geachtet. 

Für Mai besteht das Hauptproblem in den privaten Feiern: „Wenn die Leute weiter so uneinsichtig sind mit den privaten Feiern, dann wird sich nicht viel ändern.“ Die Mais hatten ihre Ferienwohnung für die erste Novemberwoche eigentlich vermietet. Die spontane und erzwungene Stornierung sei für die potentiellen Gäste „richtig blöd“ gewesen, denn die Reise sei als Geburtstagsgeschenk gedacht gewesen. Leer stehe die Ferienwohnung aber dennoch nicht, denn kurz nach der Stornierung sei eine Anfrage für den entsprechenden Zeitraum gekommen – allerdings nicht von privat, sondern von einer Firma, die einen Mitarbeiter einquartieren wolle. Glück im Unglück für das Ehepaar Mai. 

„Der November ist immer so ein Monat, wo im Vorfeld recht wenig gebucht ist“, sagt Sabrina Mai. Anfragen für die Unterbringung von Monteuren kämen eher spontan rein. Von daher sei der November „der beste Monat, in dem das hätte passieren können“, so Mai. Bei dem Shutdown im Frühjahr habe man noch deutlich mehr Buchungen umlegen oder Gutscheine ausgeben müssen. Mai hofft, dass es im Dezember wieder normal weitergehen kann, denn für die Weihnachtsfeiertage und Neujahr habe sie bereits die nächsten touristischen Buchungen in ihrem Kalender stehen. 

„Es ist nicht so einfach zur Zeit“, sagt Bruno Schneider von der „Ferienwohnung Ohle“, obwohl er und seine Frau Ingelore bisher „gut über die Runden gekommen sind“. In den Herbstferien hätten sie noch Stammgäste beherbergt, ab Montag würde bis Mitte Dezember ein Forstarbeiter die Ferienwohnung beziehen. Schneider berichtet, „sehr viele Anfragen von Firmen für Monteure“ gehabt zu haben, die er aber aufgrund von Belegung hätte wieder abweisen müssen. „Man macht natürlich alles unter Corona-Umständen“, sagt Schneider. Das bedeutet: Eintritt nur mit Maske, bereits an der Haustür steht Desinfektionsmittel bereit, genauso wie in der Ferienwohnung selbst.

 Dank der Monteure stehe auch die City-Pension zurzeit noch ganz gut da: „Wir haben diesmal echt Glück gehabt“, sagt Heike Cirotzki. Tatsächlich sei die City-Pension die kommenden 14 Tage ausgebucht. Touristische Reisen hätten zwar storniert werden müssen, doch dafür seien Arbeiter auf Montage nachgerückt. „Davon leben wir schon lange Zeit recht gut“, so Cirotzki. Sie sei erstmal froh, keine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. „Es beruhigt uns ungemein, dass wir das aus eigener Kraft heraus schaffen.“

 Das liege nicht zuletzt daran, dass die Monate September und Oktober, für die City-Pension traditionell die besten Monate im Jahr, vom Shutdown verschont geblieben sind. Sollte dieser jedoch über den November hinaus verlängert werden, sehe auch die City-Pension schwierigeren Zeiten entgegen. 

Für das Haus Battenfeld sei der Shutdown „eine Katastrophe“. Denn hier würden sonst eher Touristen als Monteure übernachten.

Getrübte Stimmung herrschte am Samstag bei Sahbi Ben Zid, Inhaber des Haus Battenfeld. „Der neue Shutdown ist eine Katastrophe. Wir hatten viele Privatleute für die Zimmer“, so Ben Zid; diese Buchungen seien nun alle storniert. Übrig geblieben seien nur einige Übernachtungen von Monteuren. Inwiefern diese auch in der kommenden Zeit bestand haben werden, ist für Ben Zid fraglich, wenn aufgrund von Kurzarbeit die Firmen ihre Leute nicht mehr rausschicken. Die Ungewissheit sitzt dem Hotelier im Nacken: „Man kann nicht planen“, klagt dieser. Dennoch will er den Kopf nicht hängen lassen. Bereits beim Shutdown im Frühjahr hätten er und sein Team „aktiv weitergemacht“. Der seinerzeit eingeführte Abholservice des angeschlossenen Restaurants habe „sehr gut geklappt“ und soll auch weiterhin fortgeführt werden.

 Auch dem Hotel Lotus komme zugute, dass der Hotelbetrieb nicht das einzige Standbein ist, sondern das angeschlossene Restaurant ein bisschen etwas auffange. Der Abholservice habe bereits beim ersten Shutdown gut funktioniert und Besitzerin Kim Lee zeigt sich zuversichtlich, dass dies auch weiterhin klappt. Ausgelastet sei das Hotel nicht; auch bei ihr habe es in den vergangenen Tagen „bis auf ein paar Monteure“ viele Stornierungen gegeben. „Wir müssen das durchstehen. Die Situation ist schwierig für alle“, sagt sie und hofft, „dass noch Monteure kommen werden."

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