Jacqueline Feldmann und ihr glückliches Händchen

Sie holt die Comedy nach Plettenberg und schenkt ihr hier ein neues Zuhause

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Gut gelaunte Gastgeberin mit einer erotischen Erkältungsstimme: Jacqueline Feldmann

Plettenberg - Wenn Plettenbergs Vorzeige-Komikerin Jacqueline Feldmann zur Comedy-Nacht einlädt sind zwei Dinge gewiss: die Hütte wird voll und die Stimmung bestens sein. So auch im Gemeindesaal in Eiringhausen.

Schon früh waren fast alle Plätze belegt. Alle wollten dabei sein, wenn Feldmann gewissermaßen nach Hause kommt. Doch sie kam nicht allein: Im Gepäck hatte sie vier Comedians, die sich bereits auf zum Teil internationalen Bühnen die Hörner abgestoßen hatten.

Die Plettenbergerin selbst führte mit erotischer Erkältungsstimme durchs Programm, war um keinen Gag verlegen und plauderte fröhlich drauf los. Ihr neues Leben als Veganerin war nur eins der Themen, die sie dabei anschnitt. Auch sie habe sich damit erst auseinandersetzen müssen, bis sie festgestellt habe: Veganer sind normale Menschen, nicht in Jute gehüllt und an Baumrinde lutschend. Doch dem gegenüber stehen die passionierten Fleischesser Mett-Marion und Fleisch-Jochen; gut zu erkennen an den einschlägigen T-Shirts: großformatige Tierdrucke von Wölfen, die den Mond anheulen sowie Sprücheshirts. 

Im Gegensatz zum Körperwelten-Publikum einer Kreuzfahrt durchs Nordpolarmeer waren die Zuschauer in Eiringhausen leicht zu haben. Besonders Feldmanns Kommentare zum Plettenberger Stadtgeschehen lösten wahre Sturzfluten der Erheiterung aus. Mit Anlauf und beiden Beinen ins Fettnäpfchen sprang Feldmann, als sie sich über das frühmorgendliche Parkverbot im neuen Parkhaus und „die bräsige Alte vom Ordnungsamt“ ausließ. Was Feldmann kaum wissen konnte: einige Mitarbeiter des Plettenberger Ordnungsamtes saßen im Publikum und kriegten sich vor lachen nicht mehr ein.

Die Zuschauer im voll besetzten Gemeindehaus Eiringhausen sparten nicht an Applaus.

Auch Feldmanns Gäste wussten zu überzeugen. Den Auftakt machte der Amerikaner John Doyle. Er gab dem Publikum einen Einblick, wie es ist, als Ami in Deutschland zu leben, ganz nach dem Motto „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – oder zumindest ungewöhnliche Sprache. 

Denn was auf deutsch funktioniert, bekommt ins englische übersetzt plötzlich einen sonderbaren Beiklang. Das Gericht „Strammer Max“ zum Beispiel. Bestelle er in seiner Heimat „Stiff Max with two big balls“ komme er ins Gefängnis, orakelte Doyle. Dort bekomme er dann jeden Tag einen strammen Max, aber nicht von der Art, die er bestellt habe. Das Publikum schmiss sich weg. In Köln würde man an dieser Stelle fragen, wo das Problem sei, meinte Doyle und erntete erneute Lachsalven. 

Aufregerthemen und lebensbejahende Geschichten gab Lennard Rosar zum Besten. Roter Faden seiner rund 30-minütigen Darbietung: die Sinnfreiheit von Werbung und deren Wahrheitsgehalt. Dabei kamen 72-Stunden-Deos genauso schlecht weg wie parfümiertes Klopapier. „Mein Arschloch kann nicht riechen; und die meisten Arschlöcher, die ich kenne, die riechen können, tun das auch mit ihrer Nase.“ 

Auch zur Elektro-Roller-Manie hatte Rosar eine Meinung: der E-Roller sei „das Vehikel für die letzte Meile, das Hufflepuff unter den Fortbewegungsmitteln“ und Plettenberg könne sich froh schätzen, bisher davon verschont worden zu sein. Ein „schmissiger“ Vortrag des jungen Mannes aus Köln. 

Nach der Pause wurde es magisch: Zunächst zeigte Feldmann ihr Können, eine Bierflasche mit einem Feuerzeug zu öffnen; eine erst kürzlich erworbene Errungenschaft, zu der sie sich musikalische Untermalung wünschte. Dem in der ersten Reihe sitzenden Holger Schelper wurde flugs ein Mikrophon in die Hand gedrückt und er musste loslegen. Seine walgesangartigen Klänge ließen Feldmanns Zaubertrick blass aussehen und auch die Komikerin zeigte sich beeindruckt: „Du sprichst ja perfekt walisch!“

Den Auftritt von Timon Krause erlebten die Zuschauer mit gemischten Gefühlen: einerseits waren sie sehr angetan von der Show, die der Mentalist aus den Niederlanden bot, andererseits war Mitmachen angesagt und plötzlich richteten sich viele Blicke merklich auf die eigenen Füße. Doch geholfen hat es wenig. 

Mentalist Timon Krause holte sich Verstärkung auf die Bühne. Fünf Zuschauer erlebten am eigenen Leib die Kraft des Energiebandes.

Schnell hatte Krause vier Menschen aus dem Publikum ausgewählt, denen er die gewählte Farbe ihrer Unterwäsche eines hypothetischen Barbesuchs ins Berlin weis-sagte. Anschließend kam mehrmals das „Energieband“ zum Einsatz. Vier Menschen, die eine weitere Person mit jeweils nur zwei Fingern hochheben? – „Unmöglich“ so die einhellige Meinung des Publikums. „Sehr wohl möglich“ so das Versuchsergebnis; natürlich Dank Energieband – beziehungsweise der Macht der Suggestion.

Krönender Abschluss und selbsternannter „Augenschmaus des Abends“ war der Auftritt des Briten Johnny Armstrong. Hinter jedem zweiten Halbsatz lauerte eine Pointe: „Ich habe irisches Blut – an meinen Händen. Ich habe die Kelly Family niedergemetzelt – nichts zu danken.“ Dabei drehte er mädchenhaft die Haare seines üppigen Bartes um den Finger. 

Wie auch sein amerikanischer Kollege beschäftigte Armstrong sich mit der deutschen Sprache und Esskultur. Bierschinken, so glaubte er, werde „nur hergestellt, um Muslime zu provozieren“ und beim Genuss eines Blasentees habe er sich die Eichel verbrüht. Armstrongs Gags waren mitunter bitterböse und derb, aber auch stets gekonnt platziert; manchmal in einer stakkatoartigen Abfolge. Sein Schlusssatz gibt es wohl am besten wieder: „Das war englischer Humor. Wenn es euch nicht gefallen hat, hättet ihr den Krieg gewinnen sollen.“ 

Gefallen hat es dem Publikum ausnahmslos. Nicht nur der Auftritt von Armstrong, auch die von Krause, Rosar und Doyle. Feldmann hat ein geschicktes Händchen bei der Auswahl ihrer Gäste bewiesen und auch selbst auf ganzer Linie überzeugt. Der langanhaltende Beifall nach drei Stunden Programm war ein guter Indikator dafür.

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