Hochzeitsvorbereitungen in Zeiten von Corona

Wer Hochzeit feiern möchte, hat es nicht leicht: Ein Paar aus Plettenberg im Interview

Sophia und Sebastian Dorn aus Plettenberg haben sich bereits standesamtlich das Ja-Wort gegeben. Ende Oktober soll trotz Corona die kirchliche Hochzeit stattfinden.
+
Sophia und Sebastian Dorn aus Plettenberg haben sich bereits standesamtlich das Ja-Wort gegeben. Ende Oktober soll trotz Corona die kirchliche Hochzeit stattfinden.

Ja, nein, vielleicht? Wer in diesen Tagen Geburtstage in großer Runde oder Hochzeiten feiern möchte, verfolgt schon seit Monaten mit bangem Blick die Nachrichten. So geht es auch Sophia und Sebastian Dorn aus Plettenberg.

Anfang des Jahres, als die Corona-Pandemie Deutschland noch nicht erreicht hatte, war noch alles gut. Dann kam der große Lockdown, im Sommer besserten sich die Zahlen, jetzt sind in mehreren NRW-Städten wieder Rückschläge zu verzeichnen, erst diese Woche hat die Bundesregierung neue, verschärfte Regelungen besprochen. Wie lässt sich eine Hochzeit und damit der schönste Tag im Leben da überhaupt planen? Sebastian Schulz fragte bei Sophia und Sebastian Dorn nach – einem Pärchen aus Plettenberg, das Ende Oktober mit rund 90 Gästen kirchlich heiraten möchte.

Sophia und Sebastian, wie laufen angesichts der wechselnden Corona-Einschränkungen Ihre Planungen für die Hochzeitsfeier?

Sebastian: Diese Frage stellt uns in letzter Zeit irgendwie jeder. In den Planungen waren wir bis jetzt kaum eingeschränkt, weil wir da generell etwas lockerer sind. Ich würde sagen, wir sind zu 95 Prozent fertig.

Sophia: Ja, die wesentlichen Punkte wie DJ, Location oder Pfarrer sind natürlich schon lange fix. Jetzt geht es nur noch um Kleinigkeiten wie den Blumenschmuck oder ein letztes Gespräch mit dem DJ.

Die Einladungen haben Sie wahrscheinlich auch schon Anfang des Jahres verschickt...

Sophia: Ja, die Einladungen haben wir verschickt, bevor der ganze Wahnsinn mit Corona losging. Wir hatten die Gäste darum gebeten, bis zum 14. August zu- oder abzusagen. So gut wie alle hatten sich zurückgemeldet; es gab nur ganz wenige Absagen.

Seit Mitte August sind die Fallzahlen wieder drastisch gestiegen. Wie haben Sie darauf reagiert?

Sebastian: Wir haben unseren Gästen noch einmal über WhatsApp geschrieben, dass sie uns bitte bis zum 30. September eine endgültige Rückmeldung geben, ob sie grundsätzlich kommen möchten oder nicht. Wir kommen nun auf 89 Zusagen, was sich aber durch kurzfristige Absagen aufgrund von Krankheit oder familiärer Zwischenfälle noch ändern kann.

Sophia: ...und wir haben extra betont, dass wir nicht sauer sind, wenn jemand nicht kommt; jeder geht mit der Situation anders um. Es geht uns nur darum, Rückmeldungen zu bekommen und zu vermeiden, dass jemand drei Tage vor der Hochzeit aus Angst vor Corona absagt.

Haben Sie selbst Angst vor Corona?

Sebastian: Wir sehen das relativ locker.

Sophia: Ich habe keine Angst vor Corona, sondern mehr vor den politischen Einschränkungen und der daraus resultierenden Panikmache. Es ist ja ein ständiges Auf und Ab.

Wie meinen Sie das genau?

Sophia: Im März haben ja alle noch gedacht, dass das Thema Corona bis Oktober durch ist. Deshalb waren wir da auch ganz entspannt. Ende August, zwei Tage, bevor wir zu unserer standesamtlichen Hochzeit an die Nordsee gefahren sind, hieß es dann, dass private Feiern womöglich auf bis zu 50 Leute beschränkt werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich gedanklich schon damit abgefunden, dass wir unsere Hochzeit absagen müssen und sie dann in zwei Jahren nachholen.

Ist Ihnen dieser Gedanke schwer gefallen?

Sophia: Natürlich. Aber ich habe gedacht: Dann könnten wir die Hochzeit so feiern, wie wir uns das vorgestellt haben, ohne Auflagen. Und gerade, als ich mich damit abgefunden hatte, war die Feier im Oktober doch wieder möglich.

Und in dieser Woche stand dann erneut die pauschale Maximalgrenze von 50 Gästen bei Hochzeiten zur Debatte. Haben Sie da wieder gezittert?

Sophia: Ja, dann hätten wir aber eine Gewissheit gehabt, denn das Zittern geht nun weiter. Wir müssen nun darauf hoffen, dass die Obergrenze von 35 Infektionen auf 100 000 Leute im Kreis nicht überschritten wird. Die Zahlen sehen aber im Moment gut aus.

Werden Sie denn die Hochzeit nun durchführen?

Sebastian: Ja, wir haben ja dem DJ und der Location unsere Zusage gegeben und haben gesagt: Wenn es geht, dann machen wir es auch. Wir hoffen nur, dass wir nicht noch kurzfristig absagen müssen.

Sophia, glauben Sie, dass die Hochzeitsfeier so wird, wie Sie sie sich als junges Mädchen immer vorgestellt haben?

Sophia: Man muss da realistisch sein. So, wie man sich die Hochzeit als Teenie erträumt, wird es sowieso nicht. Es läuft so oder so nicht alles perfekt. Das könnte uns genau so passieren, wenn wir die Hochzeit um zwei Jahre verschieben: Plötzlich regnet es den ganzen Tag oder – noch schlimmer – es verstirbt jemand aus unserem engsten Kreis wenige Tage vor der Trauung oder weiß der Geier. Irgendwas ist immer. Jetzt eben Corona.

Sebastian, wie ist Ihre Meinung dazu?

Sebastian: Ich war ohnehin viel angespannter vor der standesamtlichen Trauung, als jetzt vor der kirchlichen Hochzeit – weil das einfach unser Tag war. Die Kirche machen wir auch für uns, aber eben auch für die Gäste, damit wir gemeinsam feiern können.

Klingt das für Sie unromantisch, Sophia?

Sophia: Man stellt sich das immer so schön vor, aber viele Freunde haben uns schon erzählt, dass man sich als Brautpaar den ganzen Tag über Gedanken um alle anderen macht. Es ist wahrscheinlich schon etwas anderes, wenn man von außen dabei ist, als wenn man selbst im Mittelpunkt steht. Gäste können sich da entspannter fühlen, als die Gastgeber.

Nach aktuellem Stand dürfte Ihre Hochzeit möglich sein, sofern die Fallzahlen in Plettenberg nicht weiter ansteigen und Sie eine Teilnehmerliste an das Ordnungsamt schicken. Ist das für Sie ein Problem?

Sebastian: Nein, überhaupt nicht. Wir haben unsere Gäste mit Adressen für die Einladungen eh in einer Excel-Liste abgespeichert. Das ist ein Knopfdruck, dann kann ich diese Liste verschicken oder drucken.

Sollte jetzt im schlimmsten Fall doch noch kurzfristig die Einschränkung kommen, dass nur mit maximal 50 Gästen gefeiert werden darf, wie würden Sie dann entscheiden?

Sebastian: Dann würde ich absagen.

Sophia (zu Sebastian): Würdest du wirklich?

Sebastian: Ja, würde ich wirklich.

Sophia: Aber vielleicht passe ich dann nicht mehr in mein Kleid... (lacht)

Apropos Kleid: Hat Sie Corona eigentlich in irgendeiner Weise rund um die Hochzeit eingeschränkt, zum Beispiel beim Kleidkauf, bei den Junggesellenabschieden oder bei den Flitterwochen?

Sophia: Nein, zum Glück nicht. Es betrifft nur die Feier an sich.

Sebastian: Wir sind eh nicht die Disco- oder Kneipengänger, von daher hat uns das bei den Junggesellenabschieden nicht eingeschränkt. Und die Flitterwochen wollen wir ohnehin erst nächstes Jahr machen, weil Sophia direkt nach der Hochzeit noch ihre Bachelor-Arbeit schreibt.

Verspüren Sie denn trotz des Auf und Abs ein wenig Vorfreude auf Ihre große Hochzeitsfeier?

Sophia: Ich freue mich auf den Tag und bin mir sicher, dass wir das allerbeste daraus machen werden, sodass wir hinterher sagen können: Es war die richtige Entscheidung. Andererseits hat man natürlich Angst davor, dass jetzt noch mal irgendwas kommt. Mir wäre es lieber, wenn der Tag schon morgen wäre, denn dann weiß ich, dass es stattfinden kann. So ist man jetzt einfach froh über jeden Tag, der vorbeigeht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare