Schützen, Besucher und Freunde erstaunt

Warum diese Hochzeit gar keine war

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Die vermeintliche Hochzeit beim Eiringhauser Biergericht mit Trauzeugen, heiratswilligem Paar und einem dem Standesbeamten und Bürgermeister Ulrich Schulte.

Plettenberg – Eines muss man dem Eiringhauser Biergericht lassen: Die Hochzeits-Nummer hätte auch bei „Verstehen Sie Spaß“ laufen können und war sehr gut gemacht.

Damit landeten die Schöffen um Präses Carsten Göbel einen Punktsieg. Ganz viele Schützen, Besucher und auch Freunde des Hochzeitspaares glaubten am Montag, Zeugen einer echten – wenn auch stark verkürzten – standesamtlichen Hochzeit zu sein.

Denn zunächst wurde Lambrini Bitziou zur Bühne geführt, wo ihr langjähriger Freund Detlev Nowak wartete, der ihr schon vor fünf Jahren auf dem Schützenfest einen Antrag gemacht hatte. Perfekt gemacht wurde die Inszenierung durch den Auftritt von Bürgermeister Ulrich Schulte, der tatsächlich auch Standesbeamter ist und demnach auch wirklich in der Lage wäre, ein Paar standesamtlich zu trauen. Bevor er die alles entscheidende Frage an Nowak und Bitziou richtete, hatte er – wie es auch bei einer echten standesamtlichen Trauung üblich ist – die Ehevoraussetzungen geprüft. So fragte Schulte die beiden unter anderem, ob sie sich derzeit in einer Ehe befinden, „die vielleicht in wilden Jugendtagen geschlossen worden ist“ und ob es andere Gründe gebe, die gegen eine Eheschließung sprechen. Ebenso wurde abgesprochen, welchen Namen beide in Zukunft tragen würden.

Standesgemäß wurde die vermeintliche Braut in das Zelt hereingeführt. Ein italienisch-deutscher Blumenjunge durfte dabei nicht fehlen.

 Auf der Bühne hatten sich zwei Trauzeugen eingefunden – unter anderem Dieter Geßler, der Bitziou auch zur Bühne geführt hatte –, die die Hochzeit begleiteten und durchaus gerührt wirkten – eben so, alshandele es sich nicht bloß um einen Biergerichtsscherz. Mit den Worten „Ja, ich will“, beantworteten schließlich sowohl Detlev Nowak als auch Lambrini Bitziou Schultes Frage, ob es ihr freier Wille sei, den Bund der Ehe einzugehen. Es folgte der Hochzeitskuss und das Paar steckten sich gegenseitig unter dem Applaus des Publikums die Eheringe an. Dann verließ das scheinbare Hochzeitspaar Nowak – denn auf diesen Familiennamen hatten sich beide geeinigt – die Bühne.

 Zu stimmungsvoller Musik schritten sie strahlend durch das Schützenzelt gen Ausgang. In dem Gang hatten sich die Schützen in Reihe aufgestellt und gratulierten. Und deshalb dachten viele – auch die zwei ST-Mitarbeiter, die vor Ort waren – dass alles echt sei. Einer der ST-Reporter gratulierte dem Paar sogar und auch da wurde der Streich nicht aufgelöst.

 Echt war die Hochzeit aber dennoch nicht. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte die vermeintliche Braut Lambrini Bitziou gestern, wie es wirklich ablief: „Wir wurden vom Biergericht hinter die Bühne gerufen und dort lag ein Kleid für mich bereit.“ Dann sei es auf die Bühne gegangen. Im Vorfeld sei für beide klar gewesen, dass es nur ein Spaß sei, zumal auch noch notwendige Unterlagen zur Bescheinigung der Ehefähigkeit fehlten. Dass die Trauung dann aber so echt rüberkam, dass selbst entfernte Verwandte und Bekannte gratulierten, hätte die vermeintliche Braut nicht gedacht: „Wie die Leute im Zelt und auch danach reagierten, war schon beeindruckend. Ich habe damals beim Antrag meines Freundes Ja gesagt, aber wir sind bisher noch nicht dazu gekommen.“ 

Bürgermeister Ulrich Schulte, der den Spaß bereitwillig mit machte, erklärte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass es für ihn Ehrensache sei, das Paar wirklich echt zu trauen. Allerdings nicht in einem Schützenfest-Zelt.

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