Hochhaus auf der Burg als Geldquelle genutzt  - Betrügerbande ergaunert sich Geld von der Bank

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Plettenberg/Bielefeld - Der Plot ist filmreif: Eine vierköpfige Betrüger-Bande schädigt Banken mit Konten fiktiver Personen um fast 2 Millionen Euro. Unter ihnen ein Mann, der Geld für die ersehnte Geschlechtsumwandlung braucht. Der Fall, in dem auch Immobilien in Plettenberg eine Rolle spielen, hat noch einige weitere kuriose Aspekte zu bieten. Seit Donnerstag wird er am Landgericht Bielefeld verhandelt.

Wie leicht es ist, mit falschen Identitäten an echtes Geld zu kommen, wenn man nur clever genug vorgeht – das haben die vier Angeklagten offenbar über Jahre hinweg vorexerziert. Gleich vier Mal taucht in den umfangreichen Gerichtsakten die Adresse Auf der Burg 16 in Plettenberg auf: Ein heruntergekommenes Doppel-Hochhaus, in dem Wohnungen zu kaufen und verkaufen das Quartett 2014 und 2015 vorspiegelte, die Grundschuld für Bankdarlehn nutzte und das Geld vom Konto räumte.

Mann brauchte Geld für Geschlechtsumwandlung

Zu dritt – zusammen mit einem 59 Jahre alten Profi-Betrüger – hatten sich ein 55-jähriger Österreicher und ein 51-jähriger Mann aus Jülich, der jetzt eine Frau ist, darauf verlegt, Banken zu erleichtern: Mit gefälschten Personalpapieren, die zum Teil auf bekannte Persönlichkeiten der Rechtswissenschaft lauteten, und mittels des so ad absurdum geführten Post-Ident-Verfahrens eröffnete die Bande Konten, erschlich sich darauf Darlehn und machte dann Kasse. 271 Fälle bundesweit insgesamt mit einem Schaden von über 1,4 Millionen Euro sind angeklagt.

Italiener mit falscher Identität auf der Burg

Zur Begehung der Taten unterhielt das Trio eigens ein Büro in Bielefeld – und machte munter als Duo bis Mitte 2014 weiter, nachdem der 59-Jährige 2011 aus dem offenen Vollzug nach Mallorca geflüchtet war. Die „Immobiliengeschäfte“ wickelte das Trio auf Basis des gut funktionierenden „Bankenmodells“ und unter tatkräftiger Mithilfe eines 66-jährigen Italieners aus dem Westerwald ab – natürlich immer mit professionell gefälschten Papieren und Urkunden. Der Italiener soll in Plettenberg mehrfach unter falscher Identität als Käufer aufgetreten sein, um die Immobilien-Käufe und -Verkäufe anzubahnen und die notariellen Abwicklungen vornehmen zu lassen. Insgesamt könnte der Schaden dabei sechsstellig sein. Ähnlich wie in Plettenberg ging die Bande im Westerwald, im Rheinland und in Offenbach vor, täuschte Banken wie Notare gleichermaßen. Ganz schön dreist: Die falsche Identität einer wirklich existierenden Person, die bereits für den Betrug mit einer der Plettenberger Wohnungen genutzt wurde, sollen die Angeklagten dazu verwendet haben, eine Risiko-Lebensversicherung abzuschließen und dann später 50 000 Euro Todesfallzahlung durch eine falsche Todeserklärung einzustreichen. Das ist der größere Komplex des Verfahrens vor der IX. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld. Hinzu kommen noch ein paar – gemessen an der Schadensumme – „Kleinigkeiten“.

Einen Lieferanten für Sexspielzeug geprellt

Der 51-jährigen Angeklagten aus Jülich lastet die Staatsanwaltschaft mehrere Warenbetrugsdelikte an, die sich mit einem Schaden von 18 500 Euro vergleichsweise mickrig ausnehmen – im Gerichtssaal aber für mühselig verkniffene Heiterkeit sorgten: Die 51-Jährige soll das Geld überwiegend einem Lieferanten von handfesten Sex-Gerätschaften schuldig geblieben sein, mit denen sie ein Sado-Maso-Studio ausstatten wollte. Der 55-Jährige muss sich zusätzlich wegen Hehlerei verantworten, weil er geklaute Gemälde angekauft hatte, über deren Wert von 900 Euro er sich wohl völlig falsche Vorstellungen gemacht hatte. Insgesamt füllen die Akten zwei Regale im Gerichtssaal mit annähernd 100 Ordnern. Die Anklageschrift umfasst über 40 Seiten, der Prozess ist auf 15 Verhandlungstage bis Mitte November angesetzt.

Von R. Pfaff

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