ST-Rotation von 1911: Plettenberger Akten  ins Vogtland-Archiv Plauen

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Für einen Dokumentarfilm über die älteste betriebsfähige Rotation Deutschlands, hergestellt im Auftrag von MAN, wurde die Plettenberger Vomag-Druckmaschine 1998 in ganz besonderes Licht getaucht.

Plettenberg / Plauen - Der Verein für Vogtländische Geschichte übernimmt die Unterlagen der historischen Vomag-Buchdruckrotation des Süderländer Tageblatt, die sich heute im Freilichtmuseum Hagen befindet. Einblicke in die Medienwelt der 60er Jahre und Dokumente der deutsche Teilung tauchen auf. 

Sie war die älteste betriebsfähige Zeitungsrotation Deutschlands, die 1911 gebaute Vomag-Buchdruckmaschine, die beim Süderländer Tageblatt in Plettenberg arbeitete. 2002 ging sie in den Ruhestand und wurde ins Museum nach Hagen transportiert. Jetzt übernimmt der Verein für Vogtländische Geschichte in Plauen die noch bei der Heimatzeitung lagernden Unterlagen über das Gerät der Vogtländischen Maschinenfabrik.

 Die als 32-seitige Maschine gebaute Rotation war in ihren letzten Betriebsjahren in Plettenberg schon zu gewisser Berühmtheit gekommen. Sie hatte den Kaiser erlebt, die Weimarer Republik ebenso, hatte den ersten und den zweiten Weltkrieg überstanden und bis 1960 in Bielefeld gedruckt. Dann wurde sie für 30 000 Mark – damals viel Geld – nach Plettenberg verkauft. 

ST-Verleger Dr. Herbert Hundt, das geben die Unterlagen her, hatte sich intensiv um eine gut erhaltene Druckmaschine gekümmert und war in Bielefeld fündig geworden. Er kaufte das tonnenschwere Gerät an, ließ es nach Plettenbgerg transportieren und in einem neu errichteten Drucksaal wieder aufrichten. Heimische Fachbetriebe wie Elektro Schulte, die Gießerei Hiby, die Metallbearbeitung Rameil und andere mehr kümmerten sich fortan darum, dass die Vomag auf einem guten technischen Stand gehalten wurde. 

Erst als die zunehmende Farbigkeit 2002 eine andere Drucktechnik erzwang, hatte die 1911 gebaute Maschine ausgedient. Bis dahin war sie in Plauen ein Beleg für die Langlebigkeit der dort hergestellten Maschinen, war zum Star mehrerer Filme geworden und hatte verschiedene Auftritte in Fachmagazinen. Sorgfältig montierten die Fachleute des Freilichtmuseums Hagen die Maschine in Plettenberg ab und bauten sie in Hagen in einem Magazinsaal wieder zusammen. Auch etliche Spezialmaschinen zur Herstellung der Druckplatten wurden mit nach Hagen abgegeben. Dort wartet die komplette Anlage darauf, dereinst in einem eigenen Gebäude öffentlich gezeigt zu werden.

 Diese Entwicklung wird in Plauen, dort, wo die Rotation einst gebaut wurde, mit großem Interesse verfolgt. Der Dipl.-Ingenieur Heino Strobel forscht im Verein für vogtländische Geschichte, Volks- und Landeskunde e.V. im Bereich der Industriegeschichte.

Das Vomag-Werksarchiv ist im Krieg und bei der Demontage verloren gegangen 

Er hatte sich bei der Heimatzeitung bereits vor einiger Zeit gemeldet und nachgefragt, ob es von der Vomag noch Unterlagen gebe. Strobel: „Kriegsbedingt ist leider hier das gesamte Werksarchiv verschollen, sodass wir auswärts nach authentischen Informationen recherchieren müssen.“ 

Mit Unterlagen aus der Zeit vor 1960 kann auch die Heimatzeitung nicht dienen, aber danach sind die Dinge doch recht gut dokumentiert. Nachlesen kann man auf vergilbten Briefbögen, wie Dr. Herbert Hundt die Maschine angeboten wurde, wie er anhand von Probedrucken wählte, kaufte und das Gerät aufstellen ließ. Auch die „Kinderkrankheiten“, aufgetreten bei den ersten Druckgängen, sind belegt. Rührend sind die Versuche der Plettenberger Zeitungsmacher von 1960, in Plauen die (kriegszerstörte und demontierte) Firma Vomag anzuschreiben und Unterlagen zu erhalten. Der VEB Plamag, über drei Ecken Nachfolgebetrieb der Vomag, antwortete ebenso knapp wie abweisend. 

Auch spätere Umbau- und Nachrüstarbeiten an der Vomag sind anhand der Akte belegbar. Der Papierstapel aus 42 Jahren Maschinengeschichte wird in diesen Tagen Plettenberg verlassen und auf den Weg nach Plauen gebracht. Im Vogtlandarchiv ist er ganz gewiss in den richtigen Händen.

Camilla und Stefan Aschauer-Hundt


Hier geht es zum Film über die Plettenberger Vomag-Rotation, hergestellt von MAN Plamag und bearbeitet von Georg Prüß:

https://www.youtube.com/watch?v=GKygsJaGxHg&feature=youtu.be&tn=SMALLICON

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