Das sagt die Fortbetriebsgemeinschaft:

Kann eine Waldbetretungsgebühr helfen?

Viele Wälder rund um Plettenberg sind braun und abgestorben, wie dieses Drohnenbild zeigt.
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Blick auf die vom Borkenkäfer befallenen Waldgebiete rund um den Johanniberg in Eiringhausen.

Plettenberg – Nach Monaten, in denen die heimischen Waldbesitzer fast tagtäglich damit beschäftigt waren, Borkenkäferholz aus ihren Beständen gewissermaßen zu entsorgen, gibt es nun einen Lichtblick.

Das Bundeswaldministerium verabschiedet mit der Großen Koalition eine Nachhaltigkeitsprämie für Waldbesitzer mit einem Volumen von 500 Millionen Euro. Dazu befragte Georg Dickopf Diplom-Ingenieurin Katharina Esser, die Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Plettenberg ist.

Frau Esser, wofür steht die Forstbetriebsgemeinschaft Plettenberg?
Die Forstbetriebsgemeinschaft Plettenberg (FBG), deren Vorsitzende ich bin, ist ein Zusammenschluss der meisten Plettenberger Waldbesitzenden, einschließlich der Stadt Plettenberg. Unsere FBG ist als Ganzes PEFC-zertifiziert. Daher können all unsere Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen, sofern sie mehr als einen Hektar haben, problemlos von der Nachhaltigkeitsprämie profitieren.
Wie groß sind die Flächen der Plettenberger Waldbesitzer im groben Durchschnitt?
Das ist ganz unterschiedlich. Zwei Drittel unserer Waldbesitzer haben zwischen einem und zehn Hektar. Die Größten haben um die 250 Hektar, das sind aber nur eine Handvoll. Und es gibt auch eine Handvoll, die unter einem Hektar haben. Ein Hektar sind 10 000 Quadratmeter, also ein Quadrat von 100 Metern Seitenlänge, wenn man so will. Der durchschnittliche Waldbesitzer ist also keineswegs „Großgrundbesitzer“, ganz im Gegenteil.

Was halten Sie von dieser Förderung?
Die Bundeswaldprämie ist eine wichtige Unterstützung der nachhaltig wirtschaftenden Waldbesitzenden. Die Borkenkäfer haben alle Werte vernichtet, die die Waldbesitzer über Generationen aufgebaut haben. Um den Wald auch und gerade mit Blick auf den Klimaschutz und den Erholungswert wieder aufbauen zu können, sind die Waldbesitzenden, ob sie nun einen Hektar haben oder mehrere hundert, dringend auf Unterstützung angewiesen.

Trockenheit und Borkenkäfer haben die heimischen Fichtenbestände zerstört. Der Wiederaufforstung kommt nun eine besondere Bedeutung zu.

Die Einnahmemöglichkeiten für die nächsten Jahre sind durch den Borkenkäfer ansonsten versiegt, oder?
Bisher haben die Waldbesitzer ihren Wald der Allgemeinheit gewissermaßen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die entstehenden Kosten haben sie mit den Erträgen aus dem Holzverkauf problemlos decken können. Durch die Borkenkäferkatastrophe wird der Wald aber auf viele Jahre hin keine oder nur noch minimale Erträge erwirtschaften.

Würden Sie sich eine Waldbetretungsgebühr wünschen oder wäre das aus Ihrer Sicht zumindest angemessen?
Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ich würde das auch nicht für sinnvoll halten. Aber ich finde schon, dass der Waldbesitzer für die Leistung, die er für die Allgemeinheit erbringt, auch etwas bekommen sollte. Auch wenn man Erholungswert und Klimaschutz nicht verkaufen kann wie zum Beispiel Kartoffeln, die ein Landwirt erzeugt. Aber wenn wir alle ja zukünftig auf Benzin eine CO2-Abgabe entrichten müssen, dann sollte der Wald, als CO2-„Vernichter“ etwas davon bekommen. Genauso könnte der Wert, den der Wald für unser aller Lebensqualität hat, auch aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Mittel- und langfristig gehe ich aber natürlich auch davon aus, dass der Wald sich auch wieder durch Holzernte selbst finanzieren kann. Wobei aber Aussaat und Ernte, wie sie auf einem Kartoffelacker in einem Jahr passieren, in der Forstwirtschaft hundert Jahre und mehr dauern.

Können Sie die Waldbesitzer bei dem Förderantrag unterstützen?
Mittlerweile ist die Website www.bundeswaldpraemie.de frei geschaltet. Die Fortsbetriebsgemeinschaft kann leider für ihre Mitglieder nicht den Antrag gesammelt stellen. Wir arbeiten aber schon daran, allen Mitgliedern, die mehr als einen Hektar haben, die nötigen PEFC-Unterlagen zuzusenden. Die Mitglieder sollten die Unterlagen noch in der kommenden Woche erhalten.
Gibt es noch andere staatliche Förderungen und wann soll das Geld fließen?
Diese Bundeswaldprämie wird voraussichtlich erst in 2021 zur Auszahlung kommen. Man sollte sie nicht verwechseln mit den Fördermitteln aus der Fördermaßnahme „Extremwetterfolgen“, die die Waldbesitzenden zur Zeit schon für die Aufarbeitung des befallenen Holzes erhalten. Die Fördermaßnahme Extremwetterfolgen stammt aus Mitteln des Landes NRW und läuft über die Forstämter in Zusammenarbeit mit den Forstbetriebsgemeinschaften schon seit einigen Monaten. Daraus haben wir schon einiges an die Waldbesitzer auszahlen können und werden das auch kontinuierlich weiter verfolgen.

Würden Sie sagen, dass die Waldbesitzer mit den verschiedenen Förderungen zufrieden sein können?
Die finanziellen Verluste, die die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer zur Zeit haben, sind enorm. Da werden Werte vernichtet, die über drei oder vier Generationen aufgebaut wurden. Das kann man natürlich nicht mit Fördermitteln ausgleichen.
Aber es wäre wichtig, dass die Waldbesitzer zusätzlich zu diesen Verlusten nicht auch noch bei der Abfuhr des befallenen Holzes draufzahlen und danach auch noch die Wiederbewaldung und die Wegeinstandsetzung stemmen müssen. Da würde die Wiederbewaldung vermutlich vielfach zwangsläufig auf der Strecke bleiben.
Die derzeitigen Förderungen sind ein guter und wichtiger Anfang, aber, wie oben beschrieben, braucht man in der Forstwirtschaft einen langen Atem. Deshalb müssen wir jetzt gemeinsam mit den Forstämtern und der Politik schauen, wie die Wiederbewaldung aussehen kann, und wie sie finanziert werden kann.

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