Miese Betrüger-Abzocke

„Hier ist Polizeiobermeister...“

Die Masche falscher Polizist ist den Behörden schon seit Jahren bekannt. In diesem Fall sollte ein Plettenberger um sein Geld gebracht werden.
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Die Masche falscher Polizist ist den Behörden schon seit Jahren bekannt. In diesem Fall sollte ein Plettenberger um sein Geld gebracht werden.

„Papa, hol‘ mich hier raus!“, ruft eine schluchzende Frauenstimme in ein Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist Ferdinand Zimmermann, der in seinem Rollstuhl wie zur Salzsäule erstarrt sitzt.

Plettenberg - „Eva. bist du das?“, ruft er erschrocken den Namen seiner Tochter zurück. Es ist der Beginn einer perfiden Betrugsmasche, die die Opfer nicht nur viele Nerven, sondern auch viel Geld kosten kann.

Eine Männerstimme meldet sich: „Herr Zimmermann?“ „Ja, wer sind Sie? Was ist mit meiner Tochter?“ „Hier ist Polizeiobermeister Schröder von der Polizei in Dortmund. Ihre Tochter hat einen Unfall verursacht, bei dem es auch einen Toten gegeben hat. Wir mussten sie verhaften. Wir warten noch auf einen Bescheid vom Staatsanwalt. Der setzt das Strafmaß und eine Kaution fest.“ „Was droht denn meiner Tochter?“

Ferdinand Zimmermann hört noch immer im Hintergrund seine Tochter weinen und nach dem Papa rufen. Zimmermann, sowieso gesundheitlich angeschlagen, ist nach späterer Aussage seiner Frau Ingrid dem Herzinfarkt nahe. Diese hält sich zum Zeitpunkt des Anrufs außerhalb des Hauses auf.

Androhung einer Haftstrafe

Der Polizeiobermeister antwortet: „Unter fünf Jahren Haft läuft da nichts.“ „Und gegen Kaution kommt sie frei? Wie hoch ist die denn?“, fragt Ferdinand Zimmermann. „30 000 Euro werden es sein. Haben Sie die zu Hause?“, antwortet der vermeintliche Polizist lapidar. „Nein, die muss ich erst von der Bank holen.“ Der Polizist mit dem schönen Namen Schröder lässt aber nicht locker: „Oder haben Sie Wertgegenstände in entsprechender Höhe?“

Als Zimmermann dies verneint, soll er das Geld von der Bank holen und zur Polizei nach Dortmund bringen. Wo denn die Polizeistation wäre, will der Angerufene wissen. Nach einer Kunstpause kommt die Antwort: „Es ist das Polizeirevier 1 an der Friedrichstraße.“ „Moment, das muss ich mir aufschreiben. Ich stelle das Telefon auf laut und hole Papier und etwas zu schreiben.“

Ob Ferdinand Zimmermann nun unbeabsichtigt dabei das Gespräch unterbrach oder der Anrufer meinte, dass vielleicht jetzt jemand mithören könnte, ist im Nachhinein nicht mehr zu rekonstruieren. Auf jeden Fall ist der angebliche Polizist nicht mehr am Telefon. Zimmermann fährt mit seinem Rollstuhl zur Gartentür und ruft laut nach seiner Frau und um Hilfe.

Diese eilt herbei. Noch höchst aufgeregt schildert Ferdinand Zimmermann den Anruf. Ingrid tut das Nächstliegende und ruft Tochter Eva auf der Arbeit an – und die meldete sich prompt von dort.

Wenn der Verstand unter Schock aussetzt

Zimmermann war so geschockt durch die Hilferufe seiner angeblichen Tochter, dass er keinen realen Gedanken fassen konnte, sondern in der Situation gefangen war. Ein rationales Denken war unmöglich. „Ich hatte wirklich gemeint, die Stimme meiner Tochter gehört zu haben. Ich kenne sie doch von klein auf und habe sie genau im Ohr.“

Eine solche Situation wünschen Ferdinand und Ingrid Zimmermann niemandem, gehen mit diesem Geschehen an die Öffentlichkeit und wollen warnen. Sie haben auch die Plettenberger Polizei umgehend verständigt. Die Beamten schrieben eine Anzeige wegen Betrugs und Amtsanmaßung gegen Unbekannt. Die Masche der Anrufer wird mit anderen Betrugsmustern verglichen. Vielleicht werden sie früher oder später einmal erwischt.

Außerdem haben diese Gauner auch mittlerweile Techniken entwickelt, real existierende Rufnummern zu kopieren und diese als Kennung dem Telefonat beizufügen. Glücklich war der Umstand zu nennen, dass das Gespräch unterbrochen wurde. Normalerweise lassen die Gauner, wenn sie einen passenden Gesprächspartner gefunden haben, nicht mehr locker, „kochen ihn weich“, bis dass das Geld geflossen ist oder Wertgegenstände den Besitzer gewechselt haben.

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