Personal ist Mangelware

Heißmangel Langenberg An der Lohmühle schließt trotz vieler Aufträge

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Der Mangelservice von Rosi Langenberg (li.) sowie den Mitarbeiterinnen Carmen Cervellino und Petra Hohage schloss am Mittwoch.

Plettenberg - Mit einer routinierten Handbewegung lässt Rosi Langenberg eine weiße Tischdecke durch die Heißmangel laufen. Auf der anderen Seite nimmt Mitarbeiterin Petra Hohage die Tischdecke entgegen, faltet sie zusammen und legt sie auf den Stapel mit den gewaschenen und gemangelten Decken.  

Eine Attendorner Pizzeria ist es, für die der letzte Auftrag beim Heißmangelservice Langenberg abgearbeitet wird.

Danach zog Rosi Langenberg am Dienstag um kurz nach zwölf Uhr sprichwörtlich den Stecker, denn zum Monatsende schloss die Plettenbergerin ihr Geschäft An der Lohmühle nach fünf Jahren. „Wir hatten bis zum Schluss sehr viel zu tun und konnten uns im wahrsten Sinne des Wortes über mangelnde Kundschaft nicht beklagen“, sagte Langenberg, die mit ihrem Geschäft in Plettenberg nahezu konkurrenzlos war. 

Doch das Pensum, das die Geschäftsinhaberin gemeinsam mit Tochter Carmen Cervellino und Mitarbeiterin Petra Hohage zuletzt leisten musste, war einfach zu hoch. „Wir haben monatelang nach 450-Euro-Kräften gesucht, aber zum einen hat sich kaum jemand gemeldet, oder es war den Interessenten zu anstrengend und zu heiß“, sagt Langenberg. Dass im Sommer bei laufender Heißmangelmaschine oftmals 40 Grad in dem Geschäft herrschen, will Rosi Langenberg nicht schön reden. „Man muss schon körperlich fit sein und die Arbeit ordentlich machen – mit 90 Prozent gebe ich mich nicht zufrieden“, sagte die 60-Jährige. 

Mitarbeiterinnen, die über einen abgebrochenen Gel-Fingernagel klagten, seien letztlich nicht geeignet, hat die Plettenbergerin einen gewissen Anspruch an die Arbeitsauffassung. „Wir haben zwischenzeitlich auch noch einen Hemden-Bügelservice gehabt, aber das schafft man nur mit entsprechend guten und engagierten Mitarbeitern.“ Die Agentur für Arbeit habe ihr auch nicht helfen können. 

„Die vermitteln leider keine 450-Euro-Kräfte“, bedauerte Langenberg. Das konnte Lena Draxler, Sprecherin der Agentur für Arbeit, bestätigen: „Das Hauptaugenmerk liegt auf der Vermittlung von sozialversicherungspflichtigen Stellen. Aber man kann über die Jobbörse nach 450-Euro-Kräften suchen“, riet Draxler. Für den Heißmangelbetrieb Langenberg ist es dafür zu spät. Gestern wurden die Geschäftsräume für die Übergabe an den Vermieter geräumt. Auch die Werbebotschaft „Wir pletten ihren Wäscheberg“ ist dann Geschichte. 

„Wenn wir gute Kräfte gefunden hätten, dann hätten wir nicht schließen müssen“, bedauert Rosi Langenberg die Geschäftsaufgabe. Ihre Kunden müssen jetzt weite Fahrten nach Lüdenscheid oder Werdohl (Freiheitsstraße 22 bzw. Märk. Werkstätten) auf sich nehmen. Die Filiale an der Freiheitsstraße hat allerdings auch in Plettenberg eine Annahme in „Ninas Änderungsschneiderei“ an der Kaiserstraße 16.

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