Jetzt, wo alle in der Natur unterwegs sind

Hegering appelliert an Wanderer: So verhalten Sie sich richtig im Wald

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Plettenberg - In der Corona-Zeit zieht es mehr Menschen in die heimischen Wälder. Für die Wildtiere kann das gerade in der Brut- und Setzzeit zusätzliche Störungen und Stress bedeuten. Deswegen appelliert der Hegering daran, sich im Wald angemessen zu verhalten.

„Grundsätzlich freuen wir uns, dass viele Leute in der Corona-Zeit den Drang haben, in die Natur zu gehen“, sagt Philip Plassmann, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Plettenberg.

Problematisch sei es allerdings, dass viele auch abseits der Wege unterwegs seien, und auch auf Wiesen und Feldern. Das gilt insbesondere jetzt zur Brut- und Setzzeit, die von Anfang April bis Mitte Juli dauert.

„In Wiesen und Feldern setzen vorwiegend Hasen und Ricken ihre Junghasen und Rehkitze ab oder haben schon damit begonnen“, erklärt Plassmann. Dort könnten sie aber von Wanderern oder Mountainbikern gestört werden, von denen derzeit mehr unterwegs seien als sonst. „Das unterschätzen viele. Die meinen dann: Da ist ja nur eine Ricke weggesprungen“, sagt Plassmann. Die könnte aber derart verschreckt sein, dass sie dann mehrere Stunden vom Kitz wegbleibt, das eigentlich regelmäßig gesäugt werden muss. Die Muttertiere suchen für ihren Nachwuchs möglichst störungsfreie Räume. Wenn sie diese wegen wiederholter Störung nicht finden, ist das problematisch. „Die Tiere kriegen ungewollt Stress – die Ricke weiß dann nicht mehr, wo sie mit ihrem Kitz hin soll.“

Noch schlimmer als die Störungen durch den Menschen selbst sind die durch freilaufende Hunde, die Ricken oder auch aufgestöberte Kitze anfallen. Deswegen appelliert Plassmann auch an die Hundebesitzer: „Bei allem Verständnis, dass Hunde Auslauf brauchen und viele Leute im Wald Ablenkung suchen: Man muss sich an die Regeln halten. Zumindest sollte man auf den Wegen bleiben und Hunde nicht ohne Leine laufen lassen.“

Außerdem sollte man nicht bereits vor Sonnenaufgang oder noch nach Sonnenuntergang im Wald unterwegs sein, da dadurch die nachtaktiven Tiere gestört werden. Neben Rehen und Hasen sind in den heimischen Wäldern unter anderem auch Kaninchen, Füchse und Dachse zuhause, die ebenfalls empfindlich auf Störungen reagierten. Hinzu kommen noch Vögel, die in Bäumen und Hecken brüten.

Plassmann weist noch auf eine weitere Sache hin. Im gesamten Kreis hätten die Fälle zugenommen, in denen Leute vermeintlich verwaiste Tierjunge angefasst oder gar mit nach Hause genommen hätten, aus „falsch verstandener Tierliebe“. Die Junge, etwa Rehkitze, die auf einer Wiese abgesetzt wurden, sind nicht etwa verwaist. „Die Eltern kümmern sich vor allem in den Dämmer- und Nachtstunden um sie“, versichert Plassmann. Menschen sollten sich tunlichst von den Jungtieren fernhalten und insbesondere nicht anfassen. Denn für eine Ricke riecht das Kitz nach der Berührung durch einen Menschen eben nach Mensch. „Sobald ein Tier einmal den Menschengeruch annimmt, nimmt die Mutter es nicht mehr an“, erklärt Plassmann.

Die größere Anzahl der Besucher im Wald bringt noch ein weiteres Problem mit sich: Müll. Die meisten Leute hielten sich auch hier daran, ihren Müll wieder mitzunehmen, aber insbesondere am vergangenen Wochenende mit dem 1. Mai habe man an mehreren Stellen „Vermüllungen durch Partygäste“ festgestellt, wie Plassmann es beschreibt.

Unter anderem oberhalb der Kersmecke im Wald und in der Nähe des Tennisplatzes Edenborn habe man Bier- und Wodkaflaschen, Chipstüten und noch weiteren Müll gefunden. „Das ist natürlich eine Sauerei, das geht gar nicht“, ärgert sich der Presse-Obmann des Hegerings.. „Wenn sich ein Tier eine Glasscherbe in die Schale tritt, kann sich das entzünden und bis zum Tod führen“, sagt Plassmann. Und auch für Reiter, Mountainbiker und Jogger stellt der Müll eine Gefahr dar. Einige Sportler würden teils säckeweise fremden Müll im Wald aufsammeln, berichtet Plassmann. So löblich das ist, Plassmanns Bitte an alle Waldbesucher ist schlicht, den eigenen Müll wieder mitzunehmen. Und aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr sollten selbstverständlich Zigaretten nicht einfach in die Natur geworfen und erst recht kein offenes Feuer entzündet werden.

Während in den Wäldern selbst mehr los ist, hat der Verkehr auf den Straßen bedingt durch die Corona-Maßnahmen in den vergangenen Wochen abgenommen. Wie sich das auf die Zahl der Wildunfälle auswirkt, ist aber nicht eindeutig. „Wir stellen durchaus fest, dass weniger Wild auf den Straßen gesichtet wird, weil weniger Autofahrer unterwegs sind“, sagt Plassmann. Ob die Wildunfälle deswegen in der Corona-Zeit auch abgenommen haben, da ist er nicht sicher. In seinem Revierteil in Bremcke und Holthausen habe es in jüngster Zeit nur einen Wildunfall gegeben, der für einen jungen Bock tödlich endete. „Aber auf Landstraßen ist es eher zunehmend, weil die Leute bei freier Straße meinen, sie könnten schneller fahren“, sagt Plassmann. So habe es in den vergangenen Wochen auf der Oestertalstraße mehrere Wildunfälle gegeben. Generell sei weiterhin große Vorsicht geboten.

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