Haus zur Sonne: Vom Sorgenkind zum Vorzeigeobjekt?

Lange Zeit bangten viele Plettenberger um seine Zukunft, viele Jahre wurde um sein Schicksal gestritten: Das Haus zur Sonne am Alten Markt war einst das Sorgenkind der Vier-Täler-Stadt. Jetzt präsentiert es sich in neuem Glanz und wartet auf Menschen, die ihm neues Leben einhauchen

Mit einem breiten Lächeln öffnet Gaetano Saita die Eingangstür zum ehemaligen Hotel. Der Besitzer des Haus zur Sonne kann seinen italienischen Stolz kaum verbergen, als er den ST-Reporter durch das einstige Sorgenkind der Innenstadt führt. Sein Zeigefinger schnellt in alle Richtungen als er durch das Ladenlokal zum Flur und zur renovierten Treppe geht, die zu den Wohnungen in den oberen Etagen führt. „Alles ist fast fertig“, erklärt Saita.

Sowohl die Fassade, als auch die erneuerten Decken seien von Fachleuten bereits abgenommen worden. Vier von den insgesamt sechs Wohnungen seien bereits vermietet. Auf den Böden fehle nur noch das Laminat. Die einstigen, bedrohlich wirkenden Löcher sucht man hier vergebens. Auch der Erker erstrahlt in neuem Glanz. Frisch, freundlich und hell wirkt das Innere des Gebäudes, das dennoch nichts von seinem historischen Charme eingebüßt hat: Die originalen Türen seien restauriert, die Fenster am markanten Erker gemäß dem Denkmalschutz in historischer Optik eingebaut worden.

Saita macht Tempo – es scheint, als könne er es kaum erwarten, dem Reporter alles zu zeigen. Mit schnellen Schritten sprintet der Gastronom die Treppen hinab. Der Glanz in seinen Augen ist kaum zu übersehen, als er den Lichtschalter anknipst. Und tatsächlich: Die Kellerräume sind kaum wiederzuerkennen. Verschwunden sind die Graffitis, die noch aus einer Zeit stammen, als das Gebäude de facto sich selbst überlassen worden war. Stützträger würden nicht mehr benötigt. Das durchfeuchtete Mauerwerk und die verrosteten T-Träger würden der Vergangenheit angehören.

Es geht wieder hinauf in das Herzstück des Gebäudes: dem großen Ladenlokal im Erdgeschoss. Mit weit ausgebreiteten Armen präsentiert Saita den renovierten Raum. Er schaut sich um, läuft von der einen Ecke des rund 130 Quadratmeter großen Erdgeschosses zur anderen. Saita gerät ins Schwärmen: „Das ist ein richtiges tolles Objekt geworden. Mit einer guten Gastronomie könnte das Haus zur Sonne vielleicht seinen Beitrag leisten, damit weniger Plettenberger die Stadt verlassen.“ Seine Hände auf die Hüfte gestützt wirkt Saita wie ein Staatsmann, als er von seinem Traum, hier ein Lokal zu eröffnen, dass den Plettenbergern etwas Neues bietet, erzählt.

So sieht das Haus zur Sonne jetzt aus

Denn der italienische Gastronom, der auch das ‘Sapori italiani’ an der Wilhelmstraße führt, habe große Pläne – allerdings keine Zeit. Daher sei er weiterhin auf der Suche nach Partnern, die einen gastronomischen Betrieb im Erdgeschoss eröffnen möchten. „Dazu müssen die Interessierten aber noch rund 20 000 Euro aufbringen“, erklärt Saita. Das Geld würde für die restliche Renovierung und die Anschaffung des Mobiliars benötigt. „Die Investoren müssen hier nicht mitarbeiten, wenn sie nicht wollen. Sie können auch einfach nur Investoren sein.“ Am liebsten wären dem Gastronom relativ junge Menschen, die mit frischen Ideen und frischem Geld aufwarten könnten.

Und dann verliert sich Saita wieder in seiner staatsmännischen Haltung. Er spricht von der Möglichkeit, ein Café für Jugendliche hier einzurichten, Wein- oder Bierfeste unter Einbeziehung des Stephansdachstuhls abzuhalten oder Live-Musik-Events zu veranstalten. Plötzlich schnellt Saita auf die kleine Bühne im Erdgeschoss, öffnet seine Arme wieder weit: „Hier ist doch genügend Platz für ein Klavier!“

Das einstige Sorgenkind der Stadt, das Haus zur Sonne, scheint also bereit dafür, neues Leben eingehaucht zu bekommen. Ob so aus dem Gebäude, für dessen Sanierung einst erst 800 000, dann 1,4 Millionen und zuletzt 1,8 Millionen Euro angesetzt worden waren, zum Vorzeigeobjekt werden kann, das muss die Zeit zeigen. Der Anfang ist jedoch bereits gemacht.

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