Deutliche Anstiege

Friedhofsgebühren steigen: „Kann man sich sterben noch erlauben?“

+
Steigende Gebühren: Auf den städtischen Friedhöfen wie hier in Holthausen wird es 2020 teurer.

Plettenberg – Mit einstimmigen Beschluss verabschiedete der Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend Gebührenerhöhungen für die städtischen Friedhöfe. Die Anstiege fallen zum Teil deutlich aus.

Im Haushalt 2020 sind die Gesamtkosten für den Friedhof mit rund 228.000 Euro beziffert, knapp 10.900 Euro mehr als im Ansatz für 2019. Das erfordert wiederum Gebührenerhöhungen bei Nutzungsrechten, Kapellen- und Leichenhallenbenutzung sowie Beerdigungskosten. Bürgermeister Ulrich Schulte bedauerte, dass man – entgegen dem Trend sinkender Gebühren in anderen Bereichen – die Friedhofsgebühren erhöhen müsse.

Erdbestattung kostet 650 Euro

Besonders stark fällt der Anstieg bei den Beerdigungskosten ins Auge. Für eine Erdbestattung für Erwachsene wird 2020 eine Gebühr von 650 Euro erhoben. Damit liegt sie 184,40 Euro höher als 2019. Der Gebührensprung wird noch deutlicher, schaut man etwas weiter zurück. 2018 kostete eine Erdbestattung auf den städtischen Friedhöfen noch 291 Euro. Die Erdbestattung für Kinder wird 86,50 Euro teurer und kostet dann 272,90 Euro. Die Urnenbestattung soll 157 Euro kosten, 56,40 Euro mehr als 2019.

Die Nutzungsrechte für Grabstätten sind ebenfalls mit deutlich höheren Gebühren belegt. Ein Urnenwahlgrab soll etwa 1186,30 Euro kosten, 31,20 Euro mehr als 2019. Ein Gemeinschaftsreihengrab kostet 2116,30 Euro (plus 94,70 Euro) und ein Reihengrab 1910,60 Euro (plus 82,10).

Einzig die Gebühr für die Kapellennutzung sinkt, und das nur minimal, um 2,10 Euro nämlich auf 306,70 Euro, was laut Ausschussunterlagen größtenteils auf eine zu erwartende höhere Nachfrage zurückzuführen ist. Die Leichenhallennutzung wird dagegen wegen Kostensteigerungen teurer und kostet dann 236,40 Euro (plus 8,10 Euro). Die Gebühr für Grabmalgenehmigungen steigt um 1,40 Euro auf 23,60 Euro.

Kritik an neuen Gebührensprüngen

An den Berechnungen der Gebühren habe man keinen Zweifel, sagte Wolfgang Schrader (SPD) im Ausschuss: „Trotzdem ist kritisch anzumerken, dass die Gebühren von Jahr zu Jahr steigen und die Hinterbliebenen immer mehr belastet werden.“ Für sie sei die Schmerzgrenze erreicht. Es stelle sich bald die Frage.: „Kann man sich sterben noch erlauben?“ Schrader bat darum, diese Gebührensprünge noch einmal zu überprüfen. Sonst gebe es einen Leichentransfer ins Ausland, wo die Bestattung günstiger sei.

Bürgermeister Ulrich Schulte gab der Kritik grundsätzlich recht, schilderte aber auch ein Dilemma bei der Gebührenkalkulation: „Wir laufen einer Entwicklung hinterher. Die Leute weichen auf andere Städte und Bestattungsformen aus und dadurch werden die Fixkosten auf weniger Personen umgelegt.“ Wegen der somit steigenden Gebühren sinke wiederum die Nachfrage.

Dem Trend entgegenwirken

Man habe damit angefangen, neue Bestattungsformen anzubieten, da sei man noch nicht am Ende, um dem Trend entgegenzuwirken, sagte Klaus Salscheider (PWG). Erst dann könnte man auch wieder die Preisschraube nach unten drehen.

Einfluss auf die Kostenkalkulation für 2020 hatten auch die Unter- und Überdeckungen aus den Jahren 2016 bis 2018, die weitergegeben wurden und teils werden mussten: Laut Kommunalabgabengesetz musste die Unterdeckung aus 2016 bis spätestens 2020 weitergegeben werden. Speziell bei den Beerdigungskosten konnten anders als noch 2019 keine Überdeckungen aus den Vorjahren miteingerechnet werden, um den Anstieg der Bestattungskosten zu senken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare