„In einer Demokratie ist das normal und gut so!“

Hartmut Engelkemeier stellt Studenten der Uni Bonn das Mylaeus-Planungsverfahren vor

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Planungsamtsleiter Hartmut Engelkemeier (re.) erläuterte den Geographie-Studenten der Universität Bonn, wie die Planung eines Projekts wie auf dem Mylaeus-Areal abläuft.

Plettenberg - Dass die Bebauung großer, innenstadtnaher Flächen auch immer wieder auf Widerstand stößt, erläuterte Planungsamtsleiter Hartmut Engelkemeier Geographie-Studenten der Universität Bonn.

Am Beispiel des Mylaeus-Geländes erklärte er, dass die jahrelangen Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern ein wichtiges, demokratisches Mittel seien.

„Wir hatten schon sehr viele Diskussionen und mussten viel Kritik von einigen Bürgern einstecken“, erklärte der Plettenberger Planungsamtsleiter am Freitagmorgen. Und auch heute, nachdem das Einkaufszentrum auf der ehemaligen Industriefläche realisiert wurde, könnten sich immer noch einige Plettenberger mit dem neuen ‘P-Center’ nicht anfreunden. Anhand von Planzeichnungen verdeutlichte Engelkemeier den Studenten des Geographischen Instituts der Universität Bonn, wie umfangreich die Diskussionen, aber auch die Planungen für die Bebauung des Mylaeus-Areals waren, wie groß zum Teil auch der Widerstand gewesen sei. 

„In einer Demokratie ist das aber normal und gut so“, unterstrich der Planungsamtsleiter. Die Bonner Studenten waren in die Vier-Täler-Stadt gekommen, um sich über Potenziale, Perspektiven und Probleme des ländlichen Raums zu informieren. 

„Bevorzuge Alt und Neu“

 Engelkemeier gab einen kleinen, historischen Abriss über die Entwicklung der Mylaeus-Fläche: Vom einstigen Sitz eines Industrieunternehmens über die brach liegende Industriefläche bis zur Bebauung durch den Investor. Er verwies dabei im Besonderen auf die schon „jahrzehntelangen Diskussionen“ in Plettenberg über die Weiterentwicklung der Innenstadt und die Umstrukturierung des Einzelhandels. Ein Problem, mit dem sich auch der eine oder andere Bonner Student in Zukunft konfrontiert sehen könnte – sollte dieser zum Beispiel eine Laufbahn in einem städtischen Planungsamt einschlagen – bestünde beispielsweise in der Abstimmung mit der Bezirksregierung. Diese habe beim Mylaeus-Projekt eine Reduzierung der Verkaufsflächen gefordert. „Sind Sie traurig über diese Reduzierung?“, fragte eine Studentin. 

Engelkemeier erklärte, dass er alles andere als enttäuscht darüber sei. „Letztendlich konnten so einige alte Strukturen an der Bahnhofstraße erhalten werden“, sagte der Planungsamtsleiter. Er bevorzuge es, auch aus städtebaulicher Sicht, wenn „Alt und Neu ineinanderwachsen.“ Damit thematisierte Engelkemeier auch den Abriss der Häuser an der Bahnhofstraße, der ebenfalls auf viel Kritik aus Teilen der Bürgerschaft gestoßen sei. „Es gab allerdings keinen Grund, diese Gebäude zwingend zu erhalten, sie standen nicht unter Denkmalschutz“, erklärte Engelkemeier. Der Planungsamtsleiter thematisierte auch das in Plettenberg mittlerweile berühmte ‘Knochen-Prinzip’, das künftig „hoffentlich durch den Modepark Röther verwirklicht werden kann.“ 

Dass die heimische Innenstadt eine in Zukunft immer wichtigere Bedeutung besitzen würde, erläuterte Engelkemeier anhand der Bevölkerungszahlen. Während Plettenberg seit Jahren kontinuierlich Einwohner verliere, würden die Einwohnerzahlen in der Innenstadt steigen. 

Die Bonner Studenten hakten nach: Weist das heimische Zentrum immer mehr Einwohner auf wegen den Neubauten auf dem Mylaeus-Areal? Engelkemeier wollte das ‘P-Center’ nicht mit dieser Entwicklung in Verbindung bringen und verwies dagegen auf den Demografischen Wandel. 

‘P-Center’ würde gut angenommen 

Gerade ältere Menschen wollen vermehrt in die Innenstadt ziehen – hier ist die Versorgung mit Ärzten, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten einfach besser“, erklärte der Planungsamtsleiter. Man könne hier aber nicht von einer Entwicklung sprechen, wie sie seit Jahren in Großstädten stattfinde. Engelkemeier ging anschließend noch auf den städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Investor und dessen Regelungen ein. 

Zum Abschluss wurde er von den Studenten noch um ein kurzes Fazit gebeten: Welche Bilanz zieht der Planungsamtsleiter nach rund vier Monaten ‘P-Center’? „Meiner Meinung nach wird das Angebot bisher ganz gut angenommen.“ Die Studenten um Dozentin Dr. Elena Tillmann dankten Engelkemeier für die besonderen Einblicke. Im ST-Gespräch erklärte Dr. Tillmann, warum sie gerade Plettenberg für eine Exkursion ausgewählt hat: „Wir beschäftigen uns auch mit der Einzelhandels- und Tourismus-Entwicklung sowie der Energie-Produktion im ländlichen Raum. Und hier in Plettenberg und Umgebung ist einfach alles auf einem kleinen Raum zu fassen.“ 

Zuvor hatten die Bonner Studenten das Pumpspeicherwerk in Rönkhausen und im Anschluss den Hüinghauser Dorfladen besucht.

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