Festnahme bei Mercedes in Plettenberg-Teindeln

Autoschrauber-Bande schlachtete Luxus-Pkw im MK aus

Selbst auf Lenkräder hatten es die Diebe abgesehen, die sich nun vor dem Amtsgericht Lüdenscheid verantworten mussten.
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Selbst auf Lenkräder hatten es die Diebe abgesehen, die sich nun vor dem Amtsgericht Lüdenscheid verantworten mussten.

Sie kamen in der Nacht und schlachteten Mercedes-Autos im MK aus. Jetzt gab es für eine Diebesbande die Quittung.

Plettenberg – Ein Jahr und sechs Monate Haft ohne Bewährung – so lautete das Urteil des Amtsgerichts Lüdenscheid gegen einen schwer vorbestraften 32-jährigen Litauer.

Gemeinsam mit seinem 26-jährigen Komplizen hatte er das Gelände von Mercedes Jürgens in Teindeln heimgesucht – und Fahrzeugteile von geparkten Autos abmontiert. Die Polizei hatte die Diebe auf frischer Tat erwischt.

Mercedes-Autos ausgeschlachtet: Diebesbande vor Gericht 

Ein Klirren weckte in der Nacht zum 10. Februar eine Nachbarin des Betriebsgeländes von Mercedes Jürgens. Die 57-Jährige schaute aus dem Fenster und sah zwei dunkle Gestalten, die gerade damit beschäftigt waren, Fahrzeugteile in schwarze Säcke zu stopfen. Ihr Anruf bei der Polizei löste einen Einsatz mit drei Fahrzeugen aus, in dessen Verlauf zwei Diebe eingefangen und in Untersuchungshaft genommen werden konnten.

Fünf Monate später mussten sich die beiden Litauer im Amtsgericht Lüdenscheid wegen eines versuchten schweren Diebstahls verantworten. Sie hatten die Seitenscheiben von sechs hochwertigen Fahrzeugen eingeschlagen und einiges von dem abgeschraubt, was nicht niet- und nagelfest war: Lampen, Frontscheinwerfer, eine Autoscheibe, Lenkräder, Steuergeräte, ja sogar Bauteile aus dem Motorinnenraum. Als die Polizei um kurz vor drei Uhr morgens am Tatort eintraf, lag einiges noch neben den Fahrzeugen, anderes hatten die Diebe in diverse Transportsäcke gestopft – „sehr, sehr viel“, wie sich ein Polizeizeuge erinnerte. 

Mercedes-Autohaus in Teindeln: Diebe kamen in der Nacht

Derjenige, der sich später als der Haupttäter herausstellte, wurde nach kurzer Flucht über eine große Wiese und durch ein Gebüsch gestellt. Den Opel Meriva mit falschen deutschen Kennzeichen, mit dem die Täter ihre Beute abtransportieren wollten, fanden die Beamten erst eine Woche später in der Nähe des Tatorts. Im Amtsgericht stellte sich die Frage nach der Aufgabenverteilung zwischen den beiden Angeklagten. Als Ideengeber stellte sich der 32 Jahre alte Angeklagte heraus, der einschlägig vorbestraft ist: Das Landgericht Detmold hatte ihn im November 2014 wegen „schweren Bandendiebstahls in 27 Fällen“ zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Diese hatte er vollständig verbüßt. 

Nun hatte er erneut einen Helfer mitgebracht, der in Deutschland angeblich Arbeit suchen wollte. Der nicht vorbestrafte 26-Jährige saß also mit auf der Anklagebank und hatte nach fünf Monaten einsamer Untersuchungshaft etwas dazugelernt: „Ich weiß, es war eine schlechte Idee.“ In seinem letzten Wort wurde er noch deutlicher: „Ich entschuldige mich für diesen Unsinn, den ich gemacht habe.“ Die beiden Angeklagten behaupteten, dass sie erst einen Tag vor dem Bruch in Plettenberg nach Deutschland gekommen seien. Das warf die Frage auf, was die beiden in diesen 24 Stunden gemacht hatten. Die Schilderung des 32-Jährigen gipfelte zunächst in der Bemerkung, dass die beiden unter anderem „gegessen“ hätten. 

Autodiebe im MK: Angeklagter schwer vorbestraft

Richter Thomas Kabus reagierte etwas ungehalten: „Man kommt selten von Litauen nach Deutschland, um zu essen.“ Einiges sprach dafür, dass die beiden Angeklagten Teil einer größeren Organisation waren. Eine Ermittlerin berichtete, dass es im fraglichen Zeitraum im Märkischen Kreis weitere Diebstahltaten nach gleichem Muster gegeben hatte. Ein Bezug zu diesen Taten konnte den Angeklagten allerdings nicht nachgewiesen werden. Aus dem Anklage-Vorwurf eines „gemeinschaftlichen Bandendiebstahls“ wurde deshalb ein „versuchter schwerer Diebstahl“. 

Nicht nur der Staatsanwalt blieb skeptisch: „Ob wir in allen Details die Wahrheit gehört haben, weiß ich nicht.“ Letztlich verurteilte das Schöffengericht den 32-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten – ohne Bewährung. Sein 26-jähriger Komplize kam mit einer Haftstrafe von einem Jahr davon. Da er nicht vorbestraft war, wurde diese zur Bewährung ausgesetzt.

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