Versicherungen zählen noch immer die etlichen Dellen an den Plettenberger Autos

Haben Sie einen Hagelschaden?

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Allianz-Gutachter Torsten Stumbitz macht mit Hilfe eines Streifenreflektor die Hagelbeulen auf dem Dach dieses Autos ausfindig. Dort, wo sich die Streifen brechen, sind die Dellen. 

Plettenberg - Salah Riabi kann sich noch gut an den Abend des 22. Juni, einem Donnerstag, erinnern. Er hatte Spätschicht und war gerade auf dem Weg in die Warenannahme der Firma Novelis in Ohle, als die Hagelkörner auf das Dach prasselten. 

Klack, klack, klack. Seine Arbeitskollegen gerieten in Aufruhr. „Geh raus nach deinem Auto gucken!“

Vor dem Werkstor machte sich Salah Riabi ein Bild von der Lage – und erschrak. Hagelkörner, groß wie Tischtennisbälle, regneten da um kurz nach 17 Uhr vom Himmel. Fünf Minuten, dann war alles wieder vorbei. Eine halbe Stunde später nutzte Riabi seine Pause, um nachzusehen, ob sein Auto auf dem Novelis-Parkplatz den Hagelschauer unbeschadet überstanden hat.

Ein Blick auf die nasse Motorhaube und über das Dach – alles in Ordnung, dachte Salah Riabi. Einige Wochen später brachte er seinen Wagen zur Inspektion in eine Audi-Werkstatt. „Wussten Sie schon, dass Sie einen Hagelschaden am Auto haben?“, fragten ihn die Kfz-Fachleute dort.

Wusste er nicht. „Und hätten die es mir nicht gesagt, wäre es mir auch gar nicht aufgefallen“, gesteht der Autofahrer. Das Beispiel von Salah Riabi ist ein typisches. Nach dem Hagelschauer, der am 22. Juni vor allem über die Ortsteile Eiringhausen, Böddinghausen und Ohle niederging, haben viele Autofahrer zunächst keine Dellen an ihren Autos festgestellt. Nach und nach kommen aber während Routine-Untersuchungen in Werkstätten immer mehr Schäden durch den Hagelschauer ans Licht.

Die Versicherungen sind da kulant. Provinzial, Württembergische, Allianz und wie sie alle heißen nehmen auch weiterhin Hagelschäden auf, die am Abend des 22. Juni entstanden sind. Und das kann sich für jeden Autofahrer der betroffen ist, lohnen. Wer eine Teilkasko-Versicherung für sein Fahrzeug abgeschlossen hat, kann seinen Wagen von einem Gutachter inspizieren lassen und dann selbst entscheiden, ob er das Auto auf Kosten der Versicherung reparieren lassen will.

 Oder ob er sich den errechneten Betrag aus dem Kostenvoranschlag auszahlen lassen möchte. Und hier geht es im Durchschnitt nicht selten um Beträge in Höhe von mehreren tausend Euro. Die Regulierung des Hagelschadens wollte sich deshalb auch Salah Riabi nicht entgehen lassen. Bei der Allianz bekam er letzte Woche einen Termin während der Hagel-Besichtigungs-Woche in der Werkstatt Maeder & Kirchner.

 Von Montag bis Donnerstag besichtigten die beiden Allianz-Gutachter Benjamin Krause und Torsten Stumbitz hier insgesamt rund 100 Fahrzeuge. Mit einem Streifenreflektor, dessen gespiegelte Linien in den Dellen brechen, zählten sie die Beulen. „Im Schnitt kommen wir auf 150 Dellen pro Auto“, berichtete Benjamin Krause. Einen Wagen hatte es besonders stark erwischt.

Sebastian Bröckers vier Jahre alter Audi A3 hatte so tiefe Dellen im Dach, dass sie mit bloßem Auge deutlich sichtbar waren. Das Auto des Lüdenscheiders stand an besagtem Abend in Olpe, wo es offenbar noch stärker gehagelt hatte. Auch aus Hemer und Iserlohn sind Fälle von massiven Hagelschäden bekannt geworden.

 „Das Thema beschäftigt uns weiterhin“ Plettenberg hat glücklicherweise nur einen Hagelstreifen abbekommen. „In Holthausen zum Beispiel war so gut wie gar nichts“, berichtet Allianz-Kundenberater Markus Schlütter. „Es geht immer mehr dahin, dass die Wetterphänomene regional begrenzt sind“, bestätigt auch Michael Bohnes von der Provinzial, in dessen Büro rund 90 Fälle von beschädigten Vordächern, Autos oder Regenrinnen gemeldet worden sind.

Allein 100 Autoschäden hat das Provinzial-Büro Sedlatschek in Eiringhausen registriert. Geschäftsstellenleiter Axel Sedlatschek hat deshalb für nächste Woche eine Gutachter-Woche anberaumt, in der die Fahrzeuge seiner Kunden im Autohaus Schauerte unter die Lupe genommen werden. 

Bei Peter Fischer von der Württembergischen sind die Gutachtertermine bereits durch. „Aber das Thema beschäftigt uns dennoch weiterhin“, berichtete der Versicherungsmann. Das Auto von Salah Riabi bei Maeder & Kirchner ist fertig begutachtet, eine junge Frau kommt in einem älteren, schwarzen Polo vorgefahren. Wie sie den Hagelschaden an ihrem Auto festgestellt hat? „Papas geschulter Blick“, sagt die Frau von der Eiringhauser Hallenbergstraße. „Ich selbst wäre gar nicht auf die Idee gekommen, da mal genauer nachzugucken...“

Welche Schäden abgedeckt sind

Hagelschäden an Autos sind in der Regel durch eine Teilkasko-Versicherung abgedeckt. Kunden können sich den Schaden am Auto auf Kosten der Versicherung reparieren oder auszahlen lassen.

Dabei wird zwar die individuell vereinbarte Selbstbeteiligung fällig, aber bei einem Schaden von 1 000 Euro und darüber lohnt sich das allemal. Hagelschäden am Gebäude können durch die Gebäudeversicherung geltend gemacht werden. „In den meisten Fällen sind Hagel und Sturm hier inbegriffen“, berichtet Allianz-Pressesprecherin Sabine Schaffrath. Die Gebäudeversicherung übernehme alle Schäden am Haus und das, was fest mit dem Haus verbunden ist, zum Beispiel Dachrinne, Markise oder Satellitenschüssel.

Und was ist mit Überflutungsschäden wie zum Beispiel unlängst in Köln? „Dafür ist eine Hausratversicherung erforderlich, die auch Elementarschäden abdeckt“, sagt Michael Bohnes von der örtlichen Provinzial. Allianz-Sprecherin Schaffrath ergänzt: „Das ist bei einem vollgelaufenen Keller wichtig, um das Inventar zu ersetzen. Denn die Hausratversicherung deckt alles ab, was man aus dem Haus heraustragen kann.“

Einen Hagelschaden erkennen

Während die Profis mit speziellen Streifenreflektoren auf Dellensuche gehen, gibt es für den ‘Normalo’ noch eine andere Methode, um Hagelschäden zu erkennen. „Am besten sucht man sich einfach eine gestreifte Wand, die auf dem Dach oder der Motorhaube reflektiert“, erklärt Allianz-Gutachter Torsten Stumbitz.

 Ein Riffelblech oder ein Gitterzaun würden sich dafür sehr gut eignen. Der Effekt ist der gleiche, den die Gutachter auch durch ihren Streifenreflektor bekommen: Anhang der Linien werden die Dellen sichtbar, weil sich in ihnen die Striche brechen. Wer in den vom Hagel stark betroffenen Gebieten Eiringhausen und Böddinghausen wohnt und denkt, er habe keinen Hagelschaden am Auto, sollte es mit dieser Methode versuchen.

 Denn häufig fallen die Dellen auf den ersten Blick nicht auf. Viele machen auch den Fehler und prüfen unmittelbar nach dem Hagelschauer – zu einem Zeitpunkt, an dem die Karosserie noch nass ist. Dann sind Hagelschäden deutlich schwerer zu erkennen als im Trockenen. Auch die Farbe der Karosserie spielt eine Rolle: an dunklen Autos fallen Dellen eher auf als an hellen Autos. 

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