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Grund zur Freude: Krankenhaus im MK erwirtschaftet zum ersten Mal schwarze Null

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Von: Georg Dickopf

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Krankenhausdirektor Andrzej Ploch, Geschäftsführer André Hoppen, Schwester Simone Bergmann und Chefarzt Ralf Jelkmann (von links nach rechts) in einem der komplett neugestalteten Zimmer der Privatstation, die die Anmutung eines Hotelzimmers haben.
Krankenhausdirektor Andrzej Ploch, Geschäftsführer André Hoppen, Schwester Simone Bergmann und Chefarzt Ralf Jelkmann (von links nach rechts) in einem der komplett neugestalteten Zimmer der Privatstation, die die Anmutung eines Hotelzimmers haben. © Dickopf

Es hat etwas von einem modernen Hotel, wenn man die Station 5 des Plettenberger Radprax-Krankenhauses betritt, die vor wenigen Wochen fertiggestellt wurde.

Plettenberg - Dort, wo bis Februar die Corona-Isolierstation untergebracht war, wurde die einstige Privatstation komplett neu gestaltet.

Der in einem modernen Grünton gehaltene Krankenhausflur wird von Leuchten erhellt, die eine Tageslichtatmosphäre schaffen. Wenn man eines der insgesamt 16 Privatzimmer betritt, wähnt man sich in einem Hotelzimmer. Die Nasszelle ist von außen in Grün gehalten, an der Wand sind die Umrisse eines Rehs zu sehen und innen gibt es eine bodenebene Dusche mit zweigeteilter und wegschwenkbarer Glaswand, warme Farben und moderne Armaturen und Badkeramik.

Das Zimmer selbst verfügt über einen Boden in Holzoptik. Im Schrank gibt es einen Safe und einen mit Getränken gefüllten Mini-Kühlschrank. Ein bequemer Ledersessel und ein passender Stuhl lassen einen beim Blick auf das großformatige Bild der Fischbauchbogenbrücke fast vergessen, dass man sich im Plettenberger Krankenhaus befindet. Zudem können wichtige Messwerte per Telemetrie an die Intensivstation gesendet werden.

Reaktion der Patienten

„Die Patienten sind erstaunt und begeistert, wie schön alles geworden ist“, sagt Chirurgie-Chefarzt André Scholz beim Gang über die Station. Der Chefarzt hatte sich Anfang des Jahres zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum gleich zwei Dinge für das Krankenhaus gewünscht: Zum einen die Modernisierung der sehr in die Jahre gekommene Privatstation und zum anderen ein neues Krankenhaus-Informationssystem.

Wie Geschäftsführer Andre Hoppen erklärte, habe man dem Chefarzt beide Wünsche erfüllen können. Die Privatstation ließen sich die Radprax-Gesellschafter 600 000 Euro kosten. Weitere 1,6 Millionen Euro verschlang das in der letzten Woche an den Start gebrachte Informationssystem, das Botengänge von Mitarbeitern von der Röntgenstation durch das Haus überflüssig macht. „Wir bekommen einen Visitewagen mit integriertem Laptop und haben dort alle relevanten Patientendaten, Röntgenbilder und mehr auf einen Blick verfügbar“, sagt Scholz.

Für die Investition in diese digitale Patientenakte hofft das Krankenhaus auf Fördermittel in Höhe von 650 000 Euro. „Nach der Umsetzung sind wir bald komplett papierlos“, berichtet Andre Hoppen nicht ohne Stolz. Doch noch mehr freut den Geschäftsführer, dass es im Jahr 2020 erstmals gelang, eine schwarze Null im Krankenhaus zu schreiben, was ein großer Verdienst von Geschäftsführer Dr. Christian Kloeters sei.

„Ich kenne das Krankenhaus seit 1996 und seitdem hatten wir hier noch nie ausgeglichene Zahlen“, weiß Chefarzt André Scholz die Situation richtig einzuschätzen. Man habe zwar in all den Jahren die sogenannte DRG-Bewertung (Fallpauschale) durch die ärztlichen Leistungen nach oben geschraubt, doch ein zu hoher Kostenapparat und wenig effiziente Strukturen hätten stets ein ausgeglichenes Ergebnis verhindert.

Blick in die neue Lounge auf der Privatstation (Station 5) des Radprax-Krankenhauses.
Blick in die neue Lounge auf der Privatstation (Station 5) des Radprax-Krankenhauses. © Dickopf

Wie der Krankenhausdirektor Dr. Andrzej Ploch erklärt, sei man gut durch die Corona-Krise gekommen. Auch aufgrund der frühzeitig durchgeführten Impfaktionen – die dritte Impfung wird gerade vorbereitet – sei man im Januar dieses Jahres kurzzeitig das einzige Krankenhaus im Märkischen Kreis mit einer funktionierenden Notaufnahme gewesen. In Kombination mit den Corona-Ausgleichszahlungen sei man mehr als gut durch ein sehr schwieriges Jahr gekommen.

„Wenn wir wie jetzt bei einer Auslastung von 100 Patienten bleiben, dann sind wir durch und dann gibt es zum zweiten Mal in Folge eine schwarze Null in diesem und vielleicht auch im nächsten Jahr“, sagt Hoppen.

Geschafft habe man das durch massive Einsparungen auf der Ausgabenseite, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Sorgen bereite ihm die noch völlig offene zukünftige Abrechnung nach dem DRG-Modell sowie die Zahlungen für das zweite Corona-Jahr.

Nachfolger-Suche

Ungeachtet dessen zeige die Investition der Radprax-Gesellschafter in die Privatstation, das WLAN-Netz und die Digitalisierung, welchen Stellenwert das Krankenhaus in der Radprax-Gruppe habe. „Wir müssen das Krankenhaus hier am Laufen halten und investieren. Wenn wir es nur auslutschen würden, dann wäre es bald vorbei“, so Hoppen, der in Kürze gemeinsam mit dem auf eigenen Wunsch ausscheidenenden Geschäftsführer Dr. Christian Kloeters den Nachfolger vorstellen will.

Derweil sucht das Krankenhaus zwei Assistenzärzte und zwei Oberärzte für den Bereich der Inneren Medizin und will am Sonntag, 14. November, mit einem Themenfrühstück in dem bis dahin ebenfalls modernisierten Panoramacafé langsam zur Normalität zurückkehren.

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